Steildach 2012-01-27T00:00:00Z Fleischmann Bedachungen holt den Sanierungspreis

Glückliche Gesichter überall: Bei der Verleihung des DDH Sanierungspreises gab es nur Gewinner. Zuallererst das Team von Fleischmann Bedachungen, das den Sanierungspreis 2012 gewonnen hat.

Seniorchef Dieter Fleischmann nahm glücklich die Trophäe aus den Händen von ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider und DDH Chefredakteurin Elke Herbst entgegen. Obendrauf gab es den Siegerscheck für Fleischmann und Juniorchef Andreas Kuhn in Höhe von 10.000 Euro, überreicht von Christian Harste, Geschäftsführer des Sponsors Dörken.

Kurz vor 17h füllten sich die Gänge vor dem Stand der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller zahlreiche Gäste aus Handwerk, Industrie und Handel waren der Einladungen der Zeitschriften DDH und BAUEN MIT HOLZ gefolgt, die zum Messeauftakt der DACH+HOLZ International die besten Sanierungsarbeiten des Dachdecker- und Zimmererhandwerk prämierten. Die Chefredakteure und Moderatoren Elke Herbst und Markus Langenbach dankten allen teilnehmende Betrieben für die ausgezeichneten Einsendungen und gaben das Wort an die jeweiligen Verbandspräsidenten weiter.

Schneider betonte in seiner Laudatio die hohe Qualität des Wettbewerbsbeitrags. "Die Arbeit überzeugte in allen Bewertungskriterien Innovation, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, sowie Bau- und Entwurfsqualität und ist ein hervorragendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Dachdeckerhandwerks. Das ist Handwerkskunst vom Feinsten.", so Schneider.

Das 1300 erbaute Augustinerkloster zu Erfurt ist ein Zeugnis mittelalterlicher Ordensbaukunst, es trägt seit 2004 den Titel "Kulturdenkmal von besonderer nationaler Bedeutung". Die 1945 durch einen Bombenangriff zerstörten Gebäude der Bibliothek und der Weidhäuser wurden seit 2005 unter Weiterverwendung der erkalteten Mauerreste wieder aufgebaut.

Die Dachdeckerarbeiten begannen im November 2009. Ziel der Sanierung war, die glatten Fassadenflächen des verglasten Eingangsbereichs mit einer planebenen, steilgeneigten Satteldachoberfläche fortzuführen. Ein weiteres Gestaltungsmerkmal war die Anordnung der Metalldachelemente, die ebenso wie die großformatigen Natursteine der Außenwände im sogenannten Wilden Verband verlegt wurden.

Die Fachjury hob in ihrer Begründung besonders die intensive Zusammenarbeit von Dachdecker, Planer und Systemhersteller hervor. Das Ergebnis ist eine Sonderkonstruktion aus zwei Systemen: ein industrielles wärmegedämmtes Stehfalzsystem mit Bördelfalzen als Schutzdach und ein Fassadensystem aus Verbundwerkstoff mit vorbereiteter Titanzinkoberfläche als Gestaltungselement. Dabei handelt es sich um ein Sandwichelement mit zwei vorpatinierten Titanzinkblechen, die im Schmelzfixierverfahren beidseitig auf einen Kern aus Polyethylen aufgebracht sind.

Nach Fertigstellung der Dachdeckerarbeiten im September 2010 steht die historische Bibliothek als wissenschaftliche Einrichtung der Forschung zur Verfügung. Die Bewerbung hat, so die Jury weiter, "durch Umsetzung hoher handwerklicher Ansprüche, maßgenaues Arbeiten sowie die vorbildliche optische Gestaltung der Dachfläche und den Übergang zur Fassade" begeistert. Moderne Materialien wurden zu einer aufwändigen Konstruktion kombiniert, bei der Technik und Gestaltung gleichermaßen überzeugen.

Das Evangelische Augustinerkloster zu Erfurt ist ein einmaliges Zeugnis mittelalterlicher Ordensbaukunst. Die Kirche und die Klosteranlage der Augustiner-Eremiten wurden um 1300 erbaut. Berühmt geworden ist es durch seinen bekanntesten Mönch, den späteren Reformator, Martin Luther, der hier vom 17. Juli 1505 bis Herbst 1511 lebte. 2004 wurde das Kloster als "Kulturdenkmal von besonderer nationaler kultureller Bedeutung" anerkannt. Am 25. Februar 1945 trafen Fliegerbomben Waidhäuser und Bibliothek. In dem Kellerraum der Klosterbibliothek hatten Erfurter Bürger Zuflucht gesucht 267 Menschen verloren ihr Leben.

Durch Fördermittel von Land und Stadt, Eigenmittel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und des Evangelischen Augustinerklosters, Spenden des Freundeskreises des Augustinerklosters, der 2006 gegründet wurde, sowie Mittel aus der Stiftung Augustinerkloster zu Erfurt, die 2003 gegründet wurde, konnte der Wiederaufbau der Bibliothek und der Waidhäuser auf deren verbliebenen Grundmauern finanziert werden. Die Bauaufgabe war, ein Gebäude mit Veranstaltungs- und Repräsentationsbereich sowie einer Gedenkstätte im historischen Kellergeschoss entstehen zu lassen. Den Architektenwettbewerb um das beste Konzept für den Wiederaufbau gewann das Büro Junk und Reich aus Weimar. Das heute realisierte Konzept zeichnet sich durch eine zeitgemäße kubische Architektur aus, die im Wesentlichen den ehemaligen äußeren Abmessungen (Kubatur) des historischen Bibliotheksgebäudes folgt. Der transparente Eingangsbereich mit Stahl-Glas-Fensterkonstruktionen wird von einem Sichtbetonrahmen umschlossen, für Außenwände und Dach kamen die historischen Materialien Muschelkalkstein und grau bewittertes Zink zur Ausführung.

Schlau konstruiert

Nicht nur das Material, sondern auch das optische Erscheinungsbild der Dachdeckung unterstreicht die kubische Wirkung des Baukörpers. "Ziel war es, die glatten Fassadenflächen des verglasten Eingangsbereiches mit einer planebenen, steil geneigten Satteldachoberfläche fortzuführen. Ein weiteres Gestaltungsmerkmal war mit der Anordnung der Metalldachelemente gegeben. Diese sind ebenso wie die großformatigen Natursteine der Außenwände im sogenannten Wilden Verband verlegt", erklärt Andreas Kuhn, Inhaber der Firma Fleischmann Bedachungen aus Gera, die mit der Ausführung der Metallarbeiten beauftragt war. Das Unternehmen existiert seit 1885 und wird heute in der vierten Generation als Familienbetrieb mit 18 Mitarbeitern geführt. Andreas Kuhn übernahm 2005 das Unternehmen von Dieter Fleischmann.

Um diese Anforderungen technisch umzusetzen, war die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Planer, Systemhersteller und des Handwerks erforderlich. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ergab eine Sonderkonstruktion aus zwei Systemen: ein industrielles wärmegedämmtes Stehfalzsystem mit Bördelfalzen als Schutzdach und ein Fassadensystem aus Verbundwerkstoff mit vorbewitterter Titanzinkoberfläche als Gestaltungselement. Es handelt sich dabei um ein Sandwichelement mit zwei vorpatinierten Titanzinkblechen (Dicke 0,5 mm), die im Schmelzfixierverfahren beidseitig auf einen Polyethylenkern aufgebracht sind. Die Wahl des Schutzdaches fiel auf das Dachsystem aus industriellen Aluminium-Profiltafeln mit einer Blechdicke von 1,0 Millimetern, da hiermit ideale statische Voraussetzungen für einen weiteren Aufbau gegeben waren. Bei der Konstruktion des Unterdaches stand Gerd Fischer, Kalzip Verkaufsleiter bei Arno Kolbe & Partner GmbH, in allen Planungs- und Bauphasen beratend zur Seite.

Die Fassade für das Dach

Auf den Traggrund aus bauseits montierten Trapezblechen verlegte die Firma Fleischmann eine selbstklebende Dampfsperre mit Aluminiumeinlage. Entsprechend den statischen Berechnungen und Verlegeplänen erfolgte die Montage der diagonal angeordneten Lattung für die Aufnahme der Systemhalter. Für anspruchsvolle Planungsleistungen holte sich Kuhn die Unterstützung von Tino Steinborn, Mitarbeiter der Firma Vollmer Aluminium (Niederlassung Dresden) ein. Aufgrund einer Dachneigung von 60 Grad mussten die Festpunkthalter im Firstbereich angeordnet werden, damit sich die Profile spannungsfrei dehnen können. Die Felder zwischen der Lattung wurden mit einer trittfesten Steinwolldämmung gefüllt. Mit der Verlegung der Profiltafeln rollten die Klempner noch eine zusätzliche vollflächige Lage weicher Dämmung aus, damit ein schlüssiges Dämmpaket entstand. Die Dachentwässerung wurde so konstruiert, dass sie nach der Montage der obersten Dachschale als Bauteil nicht erkennbar ist.

Projekt:

Augustinerkloster in Erfurt

Bauherr:

Evangelisches Augustinerkloster

www.augustinerkloster.de

Betrieb:

Fleischmann Bedachungen e. K., Gera

Architekturbüro

: Junk und Reich, Weimar

Fachplanung Dachbekleidung:

Tino Steinborn, Vollmer Aluminium

Dachkonstruktio:n

unbelüftetes, wärmegedämmtes Metalldachsystem auf Trapezblech

Schutzdach:

Aluminiumprofil: Kalzip 65/400 × 1,0 mm, Oberfläche: blank, stuccodessiniert

Dachbekleidung:

Verbundsystem Reynobond ZCM (Zink), Dicke: 4,0 mm,

Zinkoberfläche:

Quartz-Zink 2 × 0,5 mm (VM-Zinc)

Hersteller:

Alcoa Architectural Products SAS (www.alcoa.com)

Befestigungslösung:

Kalzip Balkenklaue, Alum.-L-Profil, Reynobond Befestigungslösung KH 35

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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