2010-05-21T00:00:00Z G(l)anz in Blei

Die falsche Entwässerung und eine fehlende Hinterlüftung hatten die bleierne Fassadenhülle eines Münchener Bürogebäudes stark beschädigt. Dachdeckermeister Leib verarbeitete 25 t Walzblei an Dach und Fassade, um dem Gebäude eine langfristige, regensichere Zukunft zu geben.

Das Gebäude am Münchener Prinzregentenplatz - komplett aus Glas und Walzblei - verleiht dem Gebäude einen zeitlosen Charakter. Die Außenhülle des Anfang der achtziger Jahre erbauten Bürokomplexes besteht fast vollständig aus Walzblei. Architekten und Handwerker schätzen den Baustoff vor allem aufgrund seines langlebigen Witterungsschutzes. Das an dem Münchner Bürogebäude bereits nach 25 Jahren eine Generalsanierung notwendig war, ist ein Ausnahmefall. Grund hierfür sind schwerwiegende Ausführungsfehler. Infolgedessen wurden im ersten Bauabschnitt im Jahr 2008 Dach und Fassade des Hauptgebäudes saniert. In 2011 erfolgte im zweiten Bauabschnitt die Sanierung der beiden in U-Form angegliederten niedrigeren Gebäudeteile. Mit den Maßnahmen wurden nicht nur akute Schäden behoben, sondern der ungewöhnliche Bürokomplex für kommende Jahrzehnte sicher verwahrt.

Sünden der Vergangenheit

Zunächst wurden die auftretenden Mängel und ihre Ursachen gründlich analysiert. Gerade die Bedachung des rückseitigen Gebäudes zeigte zahlreiche Mängel. Bei der Ersteindeckung mit Walzblei wurde der Wasserablauf nicht ausreichend berücksichtigt. Aufgrund einer zu flachen Dachneigung auf den Gauben kam es zu Kapillarproblemen. Zudem wurden die Edelstahlrinnen am Traufbereich des Steildachs mit einem übergroßen Abstand zu den Gaubenseitenwänden angebracht. Die Folge: Das über die seitlichen Kehlanschlüsse geleitete Regenwasser konnte nur eingeschränkt abfließen. Zudem war die Hinterlüftung der Unterkonstruktion ungenügend. Darüber hinaus wurde das Walzblei an vielen Stellen nicht fachgerecht verlegt. Vor allem die Grate sowie die Stöße zwischen den Bleiblechen wurden nicht gemäß den damals geltenden Verarbeitungsregeln ausgeführt. Zudem waren einige Bleibleche aufgrund falscher Befestigung im Laufe der Jahre durch das hohe Eigengewicht des Werkstoffs abgerutscht. Die Entscheidung für eine Neueindeckung in Walzblei stand bei den Planer und dem Bauherrn nicht infrage. Bei fachgerechter Verarbeitung sichert Walzblei einen zuverlässigen und lang anhaltenden Witterungsschutz. Der Werkstoff ist im Prinzip wartungsfrei. Zudem prägt bei dem Bürohaus in München der Werkstoff das Erscheinungsbild des Gebäudes maßgeblich mit. Farbe und Anmutung des Bleis harmonieren gut mit der kubischen Bauweise. Der Komplex strahlt massive Stärke und Ruhe aus, was offenbar auch den Mietern gefällt. Das Gebäude zählt zu einer renommierten Büroadresse in München.

Thomas Koch

Den ausführlichen Artikel lesen Sie Ausgabe DDH 13.2012.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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