In der früheren Sommerresidenz europäischer Monarchen begingen die rheinland-pfälzischen Dachdecker ihren 66. Landesverbandstag. Fachtechnisch diskutierten die Teilnehmer über Materialgarantien und Schimmel, mitreißen ließen sich die Handwerker vom leidenschaftlichen Vortrag eines 78-jährigen Weltverbesserers.
Schon Kaiser und Zaren ließen sich im 19. Jahrhundert in das Kurviertel von Bad Ems locken – beim jährlichen Treffen der rheinland-pfälzischen Dachdecker in der Kurstadt war noch etwas zu spüren vom alten herrschaftlichen Glanz. Grund dafür war nicht zuletzt das als Tagungsort ausgesuchte Häcker´s Grand Hotel im Zentrum des historischen Viertels direkt an der Lahn. Landesinnungsmeister Johannes Lauer, als Obermeister der Innung Rhein-Lahn gleich in zweifacher Funktion Gastgeber, begrüßte die Gäste und Ehrengäste in der gut gefüllten Brunnenhalle.
Materialgarantien schützen Dachdecker
Mit einem Fachprogramm starteten die Rheinland-Pfälzer in den Verbandstag – den Anfang macht Wolfgang Reinders, Hausjustiziar beim ZVDH, zum Thema Materialgarantien. Reinders blickte zunächst auf die historische Entstehung der Rechtsprechung im Baubereich zurück. Sie formte sich maßgeblich durch Urteile, die zu größeren Schadenserien wie der Trocal-Schadenserie gefällt wurden. Aus diesem Kontext entwickelten sich auch die Materialgarantien, mit denen Innungsmitgliedern heute ein substanzieller Schutzmechanismus zur Verfügung steht (siehe Infokasten).
Die Materialgarantien bieten Dachdeckern auch deshalb einen so großen Vorteil, weil das Baurecht ohne die Regelung äußerst kompliziert ist, wie Reinders verdeutlichte. Dies beginnt bereits bei den verschiedenen Haftungsebenen zwischen Dachdecker und Kunde, Dachdecker und Händler, Materialgarantiehaftung des Herstellers gegenüber dem Dachdecker und der versicherungstechnischen Haftungsebene. Alle Ebenen besitzen verschiedene Vertragsparteien, Haftungsvoraussetzungen, Rechtsfolgen und Verjährungszeiten: „Eine total komplizierte Gemengelage, wenn man genauer hinguckt“, fasste Reinders zusammen. Problematisch sei dabei vor allem die fehlende Erstattung der Ein- und Ausbaukosten, „eine relevante Haftungslücke bei Regress. Der einzige Ausweg ist die Materialgarantie über den Verband.“ Von dieser Absicherung profitieren auch Endkunden – Reinders forderte die Zuhörer daher auf, die teilnehmenden Unternehmen aktiv zu unterstützen, die Vorteile der Regelung in die Kundenkommunikation mit aufzunehmen und immer wieder beim Händler nachzufragen, ob dessen Produkte über Materialgarantien abgesichert sind: „Sie müssen den Druck hier hochhalten. Das ist Ihr ureigenstes Ding.“
Schimmel von A–Z
Der Sachverständige Jürgen Schäfer führte das Fachprogramm mit seinem Vortrag „Mein-Dein-unser Schimmel“ fort. Der Oberbayer stellte sein Thema breit auf, von der grundlegenden Einordnung der Schimmelpilze zwischen Tier- und Pflanzenwelt bis hin zu neuen Erkenntnissen in der empfohlenen Lüftungspraxis versuchte Schäfer, das Thema umfassend zu beleuchten. Was dem einen Zuhörer zu wenig Dachdecker-Bezug hatte, gefiel dem anderen aufgrund des interdisziplinären Ansatzes. Schäfer macht zunächst auf die Allgegenwärtigkeit des Schimmels aufmerksam (die sogenannte Hintergrundbelastung) – eine komplett schimmelfreie Umwelt sei nicht erreichbar
Malte von Lüttichau
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 14/2013.