Durch die steigenden Anforderungen an die Windsogsicherung von Dächern werden die Sicherheitsmaßnahmen immer stärker. In der neuen Fachinformation als Gelbdruck werden die Windlasten auf Dächern mit Dachziegel und Dachsteinen neu definiert.
Die Veröffentlichung der Fachinformation "Windsoglasten auf Dächern nach DIN 1055-4" im Herbst 2007 hatte zur Folge, dass sich Dachdecker und Planer im Bereich Windsogsicherung mit der DIN 1055-4 "Einwirkungen auf Tragwerke Windlasten" auseinander setzen müssen. Die neue Fachinformation beschäftigt sich nun mit Windlasten auf Dächern mit Dachziegel- oder Dachsteindeckungen.
Grundlagen für die neue Fachinformation
Bereits in der Fachinformation von 2007 wurde auf die neue Windzonenkarte der DIN 1055-4 hingewiesen. Diese hat zur Folge, dass in weit mehr Bereichen der BRD als zuvor die Windzone 4 anzusetzen und in der Praxis somit ein Einzelnachweis erforderlich ist. Da auch seitens der Tragwerksplaner Bedarf hinsichtlich Regeln und Informationen zu den anzusetzenden Lasten und dem Tragverhalten mit Dachziegel- und Dachsteindeckungen besteht, hat sich der zuständige ZVDH-Fachausschuss Wärmeschutz, Physik, Statik die Aufgabe gestellt, Regelungen auf Basis der bauaufsichtlich eingeführten Normen und der Praxiserfahrungen zu erarbeiten. Die Fachinformation von 2007 hat gezeigt, dass die bauaufsichtlichen Regelungen, hier die DIN 1055-4, den gestiegenen Starkwindereignissen Rechnung getragen hat und zu stärkeren Windsogsicherungsmaßnahmen für Abdichtungen führt. Im Bereich der Steildächer ist demzufolge eine Anpassung der erforderlichen Sicherung die Konsequenz. Die neue Fachinformation basiert auf der DIN 1055-4 und berücksichtigt die zukünftig für die Windlasten maßgebende DIN EN 1991-1-4 "Einwirkungen auf Tragwerke Windlasten".
Neben den Windeinwirkungen haben sich durch die Veröffentlichung und Anwendung der DIN EN 14437 "Bestimmung des Abhebewiderstandes von Dachdeckungen mit Dachziegeln oder Dachsteinen" seitens der Hersteller neue Erkenntnisse zu den Tragfähigkeiten der Klammern in Verbindung mit Dachziegeln und Dachsteinen ergeben. Große Teile der Normen, die sich mit den Windlasten und der Tragfähigkeit von verklammerten Dachziegel- und Dachsteindeckungen beschäftigen, sind wissenschaftlicher Natur und selbst für Architekten und Ingenieure nicht zwingend Baualltag. Der Ansatz der neuen Fachinformation greift die Erkenntnisse der Wissenschaft auf, bleibt in der Ermittlung der erforderlichen Verklammerung mit gestiegener Detaillierung jedoch bei den bekannten Tabellen der Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen von 1997.
Relevante Parameter für die Windsogsicherung
Wichtige Parameter für die Windsogsicherung sind der Gebäudestandort (durch Windzone und Mischprofil), das Gebäude (Höhe, Breite, Länge), die Dachform mit den daraus resultierenden unterschiedlichen Bereichen des Daches, die Dachneigung, der Deckwerkstoff mit den zugehörigen Klammern und die Konstruktion unterhalb der Deckung. Letztere hat entscheidenden Einfluss auf die resultierenden Windlasten. Befinden sich unterhalb der Deckung geschlossene Deckunterlagen wie Holzschalungen mit Unterdeckungen, Holzwerkstoffplatten oder verfalzte Unterdeckplatten, so sind die Windlasten auf die Deckung erheblich niedriger als bei nicht ausgebauten Dachkonstruktionen ohne regensichernde Zusatzmaßnahme. Den selben Effekt wie die geschlossene Deckunterlage hat die Ausbildung einer luftdichten Ebene nach DIN 4108-7. Im Bereich von nicht ausgebauten Spitzböden werden Unterspannungen wie geschlossene Deckunterlagen betrachtet. Für nicht ausgebaute Dächer, die nur eine Unterspannung oder keine regensichernde Zusatzmaßnahme aufweisen, ist nach dem Gelbdruck stets ein Einzelnachweis erforderlich. Eine Regelung mit Verzicht auf den Einzelnachweis für die nicht ausgebauten Dächer mit Unterspannungen wird jedoch im Weißdruck erfolgen. Bei der Bereichseinteilung werden grundsätzlich drei Dachformen unterschieden, Sattel-, Walm- und Pultdach (siehe Abbildungen 1 bis 3). Bei den Satteldächern werden der Ortgang- (1), Innen- (2), Trauf- (3) und Firstbereich (4) berücksichtigt. Walmdächer weisen Walm- und Grat- (1), Innen- (2), Trauf- (3) und Firstbereich (4) auf. Pultdächer werden wie eine Dachfläche von Satteldächern eingeteilt, der Bereich (4) ist hier jedoch der Pultabschlussbereich. Die Bereiche ergeben sich in Abhängigkeit von der maximalen Gebäudehöhe und den Abmessungen des Daches im Grundriss. Ebenfalls enthält die Fachinformation die bekannten Regelungen zu den Dachkanten und neue Regelungen zu Gauben, Durchdringungen, Kehlen und Graten. Christian Anders Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 16/2010.