Steildach 2012-12-06T00:00:00Z Großer Auftritt für kleine Rauten

Im Westen der Karpaten liegt das Kempinski Grand Hotel. Die umfangreiche Sanierung dergesamten Anlage unter Leitung eines deutschen Architektenteams forderte Handwerkskunst auf 5-Sterne-Niveau.Auf den verwinkelten und runden Dach- und Fassadenflächen verlegten slowakische Klempner kleinformatige Metallrauten und Stehfalz-Scharen.

Mitten in einem slowakischen Nationalnaturreservat mit bester Aussicht auf den Gletschersee Strbske Pleso und die Gebirgskette Hohe Tatra steht das Grand Hotel Kempinski High Tatra. Natursteinfassaden, Fachwerkelemente und die zum Teil leicht verspielte Dachlandschaft aus Titanzink sprechen eine deutliche Sprache: Hier steht eine denkmalgeschützte Anlage mit wechselvoller Geschichte. Die Hohe Tatra ist der höchste Teil der Karpaten und gehört zu einem Drittel zu Polen und zu zwei Dritteln zur Slowakei. Auf slowakischer Seite liegen in einer Höhe von 1.351 m der kleine Ort Strbske Pleso und der gleichnamige Gletschersee Strbske Pleso (Tschirmer See). Seit über 100 Jahren lockt das gesunde Hochgebirgsklima zahlreiche Hotel- und Kurgäste in diese traumhaft schöne Gegend. Für sie entstand am südlichen Ufer des Sees etwa zwischen 1882 und 1923 ein Gebäudeensemble, das im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und erweitert wurde. Aufgrund der politischen Rahmenbedingungen verfiel die Anlage in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Außerdem wurden architektonische Besonderheiten wie Balkone, Dachtürme, Putz- und Fassadenverzierungen sowie die originale Dachdeckung entfernt. Anfang des 21. Jahrhunderts fiel die Entscheidung, hier das Grand Hotel Kempinski High Tatra, das erste 5-Sterne-Hotel der Slowakei, zu errichten. Das war eine Herausforderung für alle Beteiligten, denn seine Bausubstanz war in einem desolaten Zustand. Die Bauwerke stehen zudem auf einer Moräne, waren nicht unterkellert und hatten keinen Platz für Lager- und Technikräume. Erschwerend kam hinzu, dass die Gebäude unter Denkmalschutz stehen und die Belange des Naturreservats zu berücksichtigen waren.

Den Auftrag für die Planung erhielt der Münchner Architekt Peter Cerno. Die Basis seines Entwurfs bildete - unter Berücksichtigung der vorhandenen Gebäudestruktur die Neuorganisation des Hotelablaufs. Herzstück dieser neuen Struktur ist ein unterirdischer, 250 m langer Verbindungsgang, der die rund 200 m lange Anlage verbindet. Außerdem wurde das Ensemble - zur Schaffung der fehlenden Neben- und Betriebsräume - in großen Teilen unterkellert. Die dafür notwendigen Arbeiten im Erdreich stellten hohe Anforderungen an Planer und Ausführende. Zum einen mussten die Gebäude abgefangen werden, um Setzungen zu verhindern. Zum anderen erschwerte die Lage im Endmoränenbereich immer wieder die Grabungsarbeiten. "Bei der ohnehin schon schwierigen Arbeit stießen wir zum Beispiel auf riesige Gesteinsbrocken, die wir nicht abtransportieren oder unterkellern konnten", berichtet Peter Cerno. Bei der Sanierung der Gebäude orientierte sich der Planer an historischen Fotos und noch vorhandenen Elementen. "Wir haben die Bausubstanz, so weit es möglich war, erhalten, saniert und in Abstimmung mit dem Denkmalschutz für die Erfordernisse eines Hotels ergänzt", erzählt der Architekt weiter. Größtenteils nicht mehr tragfähig waren die vorhandenen Holztragwerke der Dachstühle. Sie wurden daher abgerissen und bei dem größeren Gebäude durch eine Stahl- und Holzkonstruktion ersetzt, während eines der beiden kleineren Bauwerke einen Dachstuhl aus Holz erhielt. Durch diese Maßnahmen war es möglich, auch die Dachgeschosse für den Hotelbetrieb nutzbar zu machen.

Metalldeckung ersetzt Faserzement

Anhand der historischen Fotos konnte man davon ausgehen, dass die Gebäude ursprünglich mit einer Rautendeckung aus Faserzement gedeckt waren. Diese Art der Dachdeckung sollte auch künftig wieder das Gebäudeensemble prägen, "doch wir wollten ein anderes Material. Ein Metall, das lange hält und eine eher matte Oberfläche aufweist", erklärt Peter Cerno.

Frank Neumann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 23.2012.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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