Nachwuchsmangel im Handwerk - viele klagen, Dachdeckermeister Lars Thullesen hat gehandelt. Im mehrfach ausgezeichneten Projekt "Grundstein" erhalten rund 50 Schüler in seinem Betrieb kostenlose Nachhilfe. Von der ungewöhnlichen Idee profitieren alle.
Selbst die Juroren zeigten sich überrascht. Bei der Verleihung des Heribert-Späth-Preises, den Dachdeckermeister Lars Thullesen als bester Ausbilder im Handwerk 2011 entgegennahm, fehlte dem Laudator Thomas Keindorf ein passender Vergleich. Das Projekt "Grundstein", in dem Thullesen in seinem Neumünsteraner Betrieb für rund 50 Kinder kostenlose Nachhilfe anbietet, sei "etwas ganz Besonderes, das wir so im Handwerk noch nicht erlebt haben." In der Tat mischen sich Be- und Verwunderung bei vielen, die zum ersten Mal von Thullesens Projekt hören. Schülernachhilfe auf dem Betriebsgelände in extra zur Verfügung gestellten Räumen, ein auf Vollzeit angestellter Nachhilfelehrer wie kommt ein Betriebsinhaber auf die Idee, Schülern auf eigene Kosten zu helfen, die ihre Qualifikationen später überwiegend für andere einsetzen werden? Ist das überhaupt betriebwirtschaftliches Handeln?
Die Volker Thullesen GmbH ist kein Betrieb, der aktuell besonders unter Nachwuchsmangel leidet. 9 der 30 Mitarbeiter sind Lehrlinge, Thullesen hat in den vergangenen Jahren mehrere Landessieger, einen Bundessieger und sogar einen Vize-Weltmeister im Dachdeckerhandwerk ausgebildet. Eine gute Adresse.
Leitbilder als Richtschnur
Nicht der akute Bedarf, sondern langfristige Ziele motivieren Thullesen. Das betrifft nicht nur das Firmenimage, das mit Gelingen des Grundstein-Projektes in der Region dauerhaft weiter aufgewertet wird. Seine Ziele bezieht Lars Thullesen aus formulierten Leitbildern für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und sich persönlich , in denen die Werte und Überzeugungen zusammengefasst sind. "Teil meines persönlichen Leitbildes ist das Ziel", berichtet Thullesen, "dass ich andere anregen, anleiten und inspirieren möchte, Leistungen zu erbringen, die sie selbst nicht für möglich gehalten haben. Dieses Ziel spiegelt sich im Nachhilfeprojekt ganz deutlich wider." Dort erleben Schüler meist nach kurzer Zeit eine Verbesserung ihrer Noten gerade im klassischen "Hassfach" Mathematik öffnen sich für die Mädchen und Jungen ganz neue Möglichkeiten. "Wir haben hier Kinder, die erzählen, dass sie überhaupt zum ersten Mal bei einer Mathearbeit wussten, was sie schreiben sollen. Das sind große Erfolgserlebnisse."
Ein weiteres Ziel, formuliert im Unternehmensleitbild, ist es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Im Projekt Grundstein treffen sich diese Ziele mit einem konkreten Nutzen für das Unternehmen. Interessierte Schüler können mit einem Ferienjob bei Thullesen ihr Taschengeld aufbessern und gleichzeitig in den Dachdeckerberuf hineinschnuppern. Bereits jetzt, das Projekt begann im Februar 2010, wurde der erste Teilnehmer bei Thullesen fest übernommen und mehrere Grundstein-Schüler als Lehrlinge eingestellt. Im Gespräch mit DDH berichtet Lars Thullesen über die Erfahrungen mit dem Projekt, dessen Außenwirkung und weitere Ideen rund um das Thema Ausbildung und Mitarbeiter.
Malte von Lüttichau
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 1+2.2012.