Vom 17. bis 18. März fanden in Eslohe wieder die Westfälische Dachtage statt. Der Schwerpunkt war auch hier: Ein Referat über die aktuell überarbeitete Fachinformation zu Windosogsicherung bei Dachziegeln und Dachsteinen. Wir beschreiben, welche Themen die Teilnehmer außerdem interessierten.
Manfred Struwe begrüßte rund zweihundert Dachdecker in der Esloher Schützenhalle, darunter auch ZVDH-Vizepräsident Eickhoff. "Unter dem Eindruck der verheerenden Natur- und Atomkatastrophe mit dem Gau in Japan fällt mir der Rückblick auf das Jahr 2010 schwer. Die Katastrophe zeigt wieder einmal, wie hilflos wir Menschen gegenüber Naturgewalten. Beherrschbar gehaltene Technologien stoßen an sicherheitstechnische Grenzen".
Auf einer Ebene mit den Kids
Die Jugend stand im Fokus des ersten Vortrags von Guido Vandervelt. Er stellte die neue Nachwuchswerbe-Akion "Virtueller Skaterpark" vor. "Unser Stärke liegt in der persönlichen Ansprache, diese setzen wir auch bei der Skater-Aktion ein". Bisher läuft die Aktion in Süddeutschland sehr gut, Innungen und Verbände können den Skaterpark für Veranstaltungen mieten.
"Umsatzexplosion durch Guerilla-Marketing" versprach Heiko Ciesinski in seinen rund eineinhalb-stündigen Vortrag. "Wir werden heutzutage mit Werbung überschüttet, doch nur zwei Prozent aller Informationen nehmen wir auf", so der Marketing-Experte. "Vor allem dort wo es auf Sicherheit ankommt sind wir auf Empfehlungen angewiesen", sagte Ciesinski. Beispielhaft berichtete der Coach, wie Guerilla-Marketing funktioniert: mit ungewöhnlichen Aktionen große Wirkung erzielen. "Guerilla-Marketing ist eine kostengünstige Möglichkeit zur Steigerung des Bekanntheitsgrads, die auch bei Dachdeckern funktioniert. Manchmal helfen kleine Zettel mit skurrilen Botschaften, oder zwanzig Menschen in den gleichen T-Shirts, um in die örtliche Presse zu kommen".
Scheinsicherheit am Flachdach
Schlafende Hunde weckte Veltens Bergers (Firma Innotech) anschaulicher Vortrag zu Absturzsicherungen für Flachdächer nach der Mittagspause. Berger zeigte Beispiele falsch ausgewählter Anschlagkonstruktionen, veralteter Stützen sowie weitere Beispiele von Scheinsicherheit und sorgte bei den Zuhörern für gebannte Aufmerksamkeit " Viele Zertifikate sind nicht das Papier wert", mahnte Berger und erläuterte die europäischen Sicherheitsklassen A und C. "Fordern Sie vom Hersteller den Nachweis der dynamischen, nicht der statischen Belastungen. "Oder Sie fordern eine Baumuster-Prüfung am Untergrund, dann haben Sie Sicherheit, verlangen Sie von ihren Mitarbeitern eine Montageprotokoll", ergänzte Berger.
Um Sicherheit ging es auch beim Vortrag von Manuel Schwarzmaier von der Firma Schletter, der erläuterte, wieman Unterkonstruktionen fachgerecht bei PV-Anlagen montiert. Berücksichtigen muss der Dachdecker die DIN 1055, vor allem bei Wind- und Schneelasten. Neuigkeiten zur Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011 lieferte der Geschäftsführer des Dachdecker Innungsverbands Westfalen Assessor jur. Norbert Breidenbach. Die Rechtsfolgen des EU-Beitritts gelten auch für die Dienstleistungsfreiheit, die bisherige Beschränkung läuft nun aus. Ein polnisches Unternehmen hat demnach die gleichen Bedingungen wie ein deutscher Dachdecker, im Zweifel sogar bessere. "Ab Mai wird geprüft, welche Qualifikationen er mitbringt, er kann allerdings, aufgrund der günstigen Sozialabgaben seines Landes, seine Leistungen günstiger anbieten", warnte Breidenbach. Abschließend gab Moderator, DDM Jürgen Gerbens Einblicke in die neuen Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk, Stand März 2011, im Vergleich mit den Klempnerfachregeln des ZVSHK. "Bei Holzwerkstoffen muss ich die Weißrostbildung ausschließen, das geht nur mit einer strukturierten Trennlage. Hier sind die Fachregeln für Klempner präziser", so Gerbens.
Mit Windsogsicherung startete der Freitag. DDM Tobias Wecker und Martin Koch von FOS teilten sich das anspruchsvolle Thema, das die Dachdecker zur Zeit am meisten bewegt. Wecker demonstrierte wie Windlasten wirken. Er wies darauf hin, dass die Auswahl der Klammer passend zum Lattenquerschnitt sein muss. Auf
bietet der Hersteller ein Berechnungstool, hier kann der Dachdecker seine Windlasten berechnen lassen. Martin Koch demonstrierte anschließend anschaulich am Modell, wie Dachziegel zu befestigen sind. .
Von der Sicherheit zur Gesundheit: Motivation für ein gesundes Arbeitsleben wünschen sich viele Unternehmer. Wie vor allem ältere Dachdecker sich fit halten können, erläuterte Dipl.-Sportwissenschaftler Julian Euskirchen. "Dachdecken ist und bleibt ein Knochenjob, den überstehen Sie nur, wenn Sie den Rücken entlasten", so Euskirchen. Mit zunehmendem Alter steigen die Erkrankungen des Muskel-/Skelettsystems erheblich. "Das liegt daran, dass die meisten Dachdecker sich jahrelang falsch bewegen und aus dem Rücken heben. Bewegung nach der Arbeit gehört zur Verhaltensprävention", empfahl Euskirchen.
Aktuelles aus dem Arbeitsrecht referierte humorvoll Harald Schroer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Der Anwalt sprach über Kündigungen wegen Mehrleistungen, Berechnung der Kündigungsfristen, Anschluss befristeter Arbeitsverträge und den Urlaub bei Langzeiterkrankungen.
Ein neues Kombinationsdämmsystem von Knauf Insulation für Zwischen- und Aufsparrendämmungen war das Thema von Dipl.-Ing. Silke Schröler, Informationen über Verlegesysteme für Beläge auf genutzten Dachflächen vermittelte Dipl. Chemiker Klaus-Dieter Berger von der Firma Schlüter-Systems.
Johannes Messer
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 07/2011.
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