Wie sieht der Bedachungsmarkt der Zukunft unter dem Aspekt Nachhaltigkeit aus? Welchen Einfluss haben umweltgerechte Baustoffe auf die Kosten? Und haben Handwerk und Bedachungsfachhandel in Zukunft überhaupt noch Chancen, ihre notwendigen Nachwuchskräfte zu akquirieren?
Zwei Hauptprobleme werden künftig zu massiv veränderten Rahmenbedingungen führen: die Umweltveränderungen, insbesondere im Bereich des Klimas, und die begrenzten und damit teurer werdenden Rohstoffressourcen; außerdem der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs und somit das absehbare Schrumpfen der Märkte in Europa. Das Konzept, in das große Hoffnungen gesetzt werden, heißt Nachhaltigkeit. Für Günther Reese, Geschäftsleiter der Henkel/ Wolfin Bautechnik, braucht es aber mehr als das, um die Probleme anzugehen: "Nachhaltigkeit muss sein, keine Frage. Aber der Begriff ist zunehmend diskreditiert, weil er für eine Beliebigkeit steht, die Betroffenheit suggeriert, aber nicht zum Engagement verpflichtet. Ich ziehe daher den ehrlicheren Begriff Verantwortung oder verantwortliches Handeln vor." Verantwortliches Handeln lässt sich laut Louis Schnabel vom Institut für Marktkommunikation Bau & Technik durchsetzen, wenn eine neue Qualität im Schulterschluss von Industrie, Handel und Handwerk entsteht. Die Branche muss seiner Meinung nach vor allem auf neue Formen der Kommunikation zugreifen, wenn sie zukunftsfähig werden möchte. Eine gute Kommunikation und Planung ist auch bei großen Infrastrukturprojekten wie Stuttgart 21 nötig, um eine Abwanderung der Industrie in andere Länder zu verhindern, findet Klaus H. Niemann, Vorsitzender des Industrieverbands Kunststoffdach- und dichtungsbahnen DUD. Anderer Meinung ist Geschäftsführer Hans R. Peters vom Institut Bauen und Umwelt. Er denkt, dass nachhaltiges Bauen in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert hat und schon heute nicht auf Zeit, sondern mit Langzeitperspektive für viele Generationen gebaut wird.
Neue Formen der Kommunikation gesucht
Das zweite große Problem der Baubranche, der zunehmende Mangel an Fachkräften, muss nach Bernhard Scheithauer, Geschäftsführender Vorstand des Dachdecker-Einkaufs Süd eG, durch Kompromisse gelöst werden: "Wir können uns heute nicht mehr leisten, bei den Ausbildungsbewerbern nur nach den "Diamanten" zu suchen." Seiner Meinung nach müssen auch die Bewerber gefördert werden, die Defizite in der Vorbildung und Arbeitsmoral aufweisen. Artur Wierschem, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des ZVDH, möchte auch ausländische Arbeitskräfte an im Ausland installierten "deutschen Handwerksschulen" ausgebildet sehen: "Vor Allem in demographischen Überschussgebieten wie Indien und Pakistan verspricht ein solches Projekt Erfolg." Klaus Lippold, Vorstand des Industrieverbands Kunststoffbahnen abschließend: "Es gewinnt nur, wer die Prognosen permanent an der Wirklichkeit überprüft und entsprechend reagiert."