Steildach 2009-09-15T00:00:00Z Herausragende Bauteile

Bei vorspringenden Bauteilen stehen Dachdecker oft vor der Frage der richtigen Abdeckung. Eine gute Möglichkeit bietet Walzblei. Lesen Sie, worauf bei der Verarbeitung zu achten ist.

Starker Regen, intensive Sonneneinstrahlung oder wechselnde Winde, vorspringende Bauteile wie Gesimse werden durch Witterungseinflüsse in weit höherem Maße in Mitleidenschaft gezogen als senkrechte Flächen. Insbesondere bei älteren Repräsentativbauten sind viele Vorsprünge betroffen. Sie bestehen oft aus Naturstein, der durch die Bewitterung schnell angegriffen wird. Viele Natursteinarten sind gegen schadstoffhaltige atmosphärische Einflüsse nicht resistent. Zudem können unter Frostbedingungen bei nassem Mauerwerk Teile der Oberfläche abplatzen.

Gerade vorspringende Bauteile erfordern eine besonders hochwertige Ausführungsqualität. Nur mit einem dauerhaften und zuverlässigen Abdeckungsmaterial sind Handwerker und Bauherren vor unangenehmen Folgeschäden sicher. Neben der Funktionalität von Abdeckungen sollte zusätzlich die Optik berücksichtigt werden, damit ein ansprechendes Gesamtwerk erzielt wird. Dachdecker greifen in der Praxis häufig auf Walzblei zurück. Der Werkstoff trägt aufgrund seiner natürlichen Produkteigenschaften viele Lösungen bereits in sich. Er ist gegen extreme Witterungseinflüsse resistent und kann aufgrund seines hohen Eigengewichts leicht gegen Sturm gesichert werden. Selbst atmosphärische Schadstoffe und saurer Regen können dem Material nichts anhaben. Gleichzeitig wird der Werkstoff auch den ästhetischen Ansprüchen gerecht, da er sich architektonisch dezent ganz unterschiedlichen Farbumgebungen anpassen lässt.

In jeder Form und Größe

Die Anwendungsmöglichkeiten für Bleiabdeckungen sind sehr vielfältig. Nicht nur bei Neubauten lassen sich mit Walzblei unterschiedliche Abdeckungsvarianten realisieren. Oft entscheiden sich Bauherren aufgrund von Erosionen am Mauerwerk nachträglich zu einer Abdeckung. Gerade Gesimse stellen Handwerker vor besondere Herausforderungen. Sie sind an Bauobjekten in ganz unterschiedlichen Größen und Tiefen vorzufinden. Die häufigsten Anwendungen in der Praxis und Besonderheiten in der Ausführung sind nachstehend aufgeführt:

* Kleine Gesimse bis zu 200 Millimeter Tiefe benötigen in der Regel keinen Überhangstreifen. Gegebenenfalls lässt sich auch an der Wetterseite darauf verzichten, sofern es die regionalen Klimaverhältnisse zulassen. In sturm-, regen- oder auch schneereichen Regionen sollte jedoch eine zweiteilige Ausführung mit Überhangstreifen gewählt werden. Im Falle eines deutlichen Gesimsgefälles von mehreren Zentimetern genügt eine seitliche Überlappung.

* Mittlere Gesimse mit einer Tiefe von 200 bis 450 Millimeter werden üblicherweise zweiteilig ausgeführt. Die wandseitige Aufkantung sollte hierbei etwa 75 Millimeter betragen. Der Überhangstreifen wird an der unteren Kante durch Hafte gesichert. Die einzelnen Abdeckbleche werden durch den einfachen Liegefalz miteinander verbunden. In den Liegefalzen werden Hafte im Abstand von cirka 200 Millimeter eingesetzt.

Alternativ zum Liegefalz können auch eingefalzte Abdeckstreifen verwendet werden. Von der Windexposition hängt ab, ob an der Abtropfkante einzelne oder durchgehende Hafte verwendet werden. Wenn die Abtropfkante einige Zentimeter vor der vorderen Gesimskante liegt, ist grundsätzlich ein durchgehendes gewinkeltes Vorstoßblech zu verwenden. Bei geringem Gesimsgefälle bis etwa drei Grad reichen Hafte in den Falzen und in der Abtropfkante aus, um die Abdeckung gegen Abrutschen zu sichern. Bei stärkerem Gesimsgefälle werden zusätzliche Befestigungen benötigt.

* Große Gesimse über 450 Millimeter Tiefe mit einem Gefälle zwischen drei bis zehn Grad erfordern zusätzliche Befestigungen. So kann ein Abrutschen effektiv verhindert werden. In der Mitte der Abdeckung werden ein bis zwei Schrauben mit Unterlegscheiben und aufgelöteten oder aufgeschweißten Hauerbuckeln angebracht. An der wandseitigen Aufkantung ist das nicht notwendig, da die Befestigungen durch den Überhangstreifen abgedeckt werden. Sie sollten innerhalb des mittleren Drittels platziert sein, um die thermisch bedingten Bewegungen des Bleiblechs nicht zu behindern.

Alternativ zu dieser Befestigungsmethode kann die wandseitige Aufkantung auch mit einer Anpressschiene befestigt werden. Dabei richtet sich die Anzahl der Zwischenbefestigungen nach Tiefe und Gefälle des Vorsprungs. Bei Gesimstiefen bis etwa 300 Millimeter im Gefällebereich von drei bis zehn Grad ist eine Zwischenbefestigung ausreichend. Für Tiefen bis zu 600 Millimeter sind zwei Befestigungen erforderlich. Bei größeren Gesimstiefen müssen die Falzabstände verringert werden. So reicht die Kombination aus Zwischenbefestigung, Haften und Verschraubungen an der wandseitigen Aufkantung aus, um die Abdeckung dauerhaft zu sichern. Wenn das Gefälle mehr als zehn Grad beträgt, wird die Abdeckung im oberen Bereich durchgehend direkt befestigt, damit ein Abrutschen verhindert wird. Dies kann bei Gesimstiefen bis 600 Millimeter durch eine Reihe von Befestigungspunkten im Abstand von fünfzig Millimeter realisiert werden. Bei Tiefen über 600 Millimeter sind zwei Reihen im Abstand von 75 Millimeter erforderlich.

Abdeckungen: Geeignete Verbindungen

Die einzelnen Bleibleche müssen untereinander so verbunden werden, dass sie thermische Längenänderungen aufnehmen können. Je nach örtlichen Verhältnissen und Windlasten kommen in der Praxis unterschiedliche Ausführungen zum Einsatz. Dabei ist immer darauf zu achten, dass Blei nur in relativ kleinen Einzellängen verwendet wird, da es ein besonders weiches Baumetall ist. Hier die gängigsten Verbindungsarten bei Abdeckungen (von links):

Seitliche Überdeckung: Hierbei handelt es sich um die einfachste Form der Abdeckung, die bei Gesimsen mit geringer Wetterexposition ausreichend ist. Dabei ist darauf zu achten, dass die Überlappung mindestens einhundert Millimeter beträgt. Diese Ausführung ist auch bekannt bei der Verbindung von An- und Abschlussblechen.

Einfach liegender Falz: Er ist für kleine bis große Gesimse geeignet. Der Vorteil dieser Abdeckungsart ist, dass sie ein flächiges, wenig profiliertes Aussehen bietet. Der Falz sollte dreißig bis fünfzig Millimeter breit sein.

Stoß mit eingefalztem Abdeckstreifen: Diese Variante eignet sich als Dehnungsstoß für waagerecht verlaufende Abdeckungen, zum Beispiel auf Mauern. Der Stoß ist zwischen siebzig und einhundert Millimeter breit.

Stoß mit eingelegtem Rohr: Das Rohr (Durchmesser: acht bis zehn Millimeter) aus Aluminium oder Kupfer betont die Verbindung und stabilisiert sie zugleich. Diese Technik eignet sich besonders als Verbindung bei Gesimsabdeckungen. Die Breite des Stoßes sollte rund siebzig Millimeter betragen.

Jürgen Seifert

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter