Sogenannte Herzziegel verleihen jedem Dach einen besonderen Ausdruck. Familie Burkhart entschied sich bei der Sanierung ihres Fachwerkhauses samt Scheune für diese geschichtsträchtige Ziegelform.
Die Jahreszahl 1798 im Gebälk verrät: Das alte Fachwerkhaus steht schon seit mehr als 200 Jahren an dieser Stelle. Ein Jahr nach Erbauung übernahm im benachbarten Frankreich Napoleon die Macht. Seither hat sich im südpfälzischen Oberschlettenbach einiges verändert: so auch die äußere Gestalt des Fachwerkhauses. Das ursprüngliche Dach, gedeckt mit Biberschwanzziegeln, wurde mit Doppelmuldenfalzziegeln und Reformziegeln der Pfälzer Ziegelei Ludowici umgedeckt. Die Fachwerkfassade erhielt an der Wetterseite später eine Verkleidung mit Faserzement-Platten. Was blieb, waren das alte Gebälk aus Eichen- und Kastanienholz aus dem Pfälzer Wald und die eigenwillige Mansarddachform, die im Dorf kein zweites Mal zu finden ist. Umfassender Sanierungsprozess Als die Burkharts vor Jahren das heruntergekommene Gebäude übernahmen, begann - teils in Eigenarbeit, teils mit Handwerkern der Region - ein umfassender Sanierungsprozess, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Die auffälligsten Merkmale: der neue Lehmputz in den Gefachen und Sandsteinwänden, die Holzverkleidung der Wetterfassade, der Umbau des Wohnraums in einem Teil der Scheune, die im rechten Winkel an das im Grundriss gerade mal 50 m² große Wohnhaus angebaut ist, und die Sanierung des Dachs. Unverwechsel-barer Ziegel Das Bauherrenehepaar suchte gemeinsam mit dem beauftragten Zimmer- und Dachdeckermeister nach Alternativen zum Flickwerk aus überwiegend dunkel engobierten Falzziegeln und einigen wenigen Herzziegeln. Wegen des Denkmalcharakters kam nur ein naturroter Dachziegel infrage.
Bei der Form setzte sich ein Traditionsziegel durch, der um 1841 von den Gebrüdern Gilardoni in Elsass-Lothringen entwickelt worden war: ein Falzziegel mit dem charakteristischen Doppelherz in der Mitte. Den schlossen Bauherr und Dachdeckermeister nicht nur wegen seines unverwechselbaren und charaktervollen Erscheinungsbilds "ins Herz", sondern auch wegen der tiefen Seitenverfalzung, die eine hohe Sicherheit gegen Regeneintrag bietet.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 16/2012.