Der Vorstand der Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin sowie die Handwerkskammer beobachten mit Sorge eine kontinuierlich ansteigende Abbruchquote bei Dachdeckerlehrlingen. Betrachtet man die aktuellen drei Lehrjahre, so wurden in allen drei Lehrjahren zusammengerechnet 266 Lehrlinge neu eingestellt. Aktuell befinden sich noch 165 Lehrlinge in der Ausbildung. Dies bedeutet, dass nahezu 40 % aller Auszubildenden vorzeitig ihre Lehre abgebrochen haben.
Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von einer Kündigung durch den Betrieb über eine einvernehmliche Beendigung bis hin zu einer Kündigung durch den Lehrling.
Lehrlingswart Andreas Friedel findet deutliche Worte: "Natürlich ist es nicht einfacher geworden, geeignete Jugendliche für eine Ausbildung bei uns zu finden. Vor diesem Problem stehen jedoch alle Ausbildungsberufe. Was mir Sorgen macht ist, dass das Berliner Dachdeckerhandwerk mit einer Abbruchquote von 40 % die mit Abstand höchste Abbrecherquote aller Handwerksberufe aufweist"! Für Friedel ist klar, dass bei einer solch hohen Abbruchquote der Personalbedarf der Dachdeckerbetriebe für die Zukunft nicht gedeckt werden kann.
Der Vorstand der Landesinnung hat daher mit der Stiftung "Handwerk stiftet Zukunft" ein Gespräch geführt. Ziel der Stiftung ist es, Ausbildungsabbrüche im Handwerk zu verhindern. Dabei wurde ein ganzes Maßnahmebündel besprochen:
Zunächst sollen die Ausbildungsbetriebe evaluiert werden, wo die höchste Zahl an Abbrüchen zu verzeichnen ist. Hier sollen individuelle Gespräche geführt werden, um Ursachen herauszufinden und die Quote für die Zukunft zu senken.
Unter den Lehrlingen soll eine Umfrage durchgeführt werden, wie sie ihre Ausbildungssituation einschätzen und beurteilen. Diese Umfrage wird ausgewertet und in einem Workshop mit allen Ausbildungsbetrieben besprochen. Vorgesehen ist, diesen Workshop in der kommenden Schlechtwetterzeit durchzuführen. Eine Einladung dazu ergeht rechtzeitig.
Auszubildenden des 1. Lehrjahres soll während ihres Aufenthalts am Bildungszentrum ein Merkblatt mit Kontaktmöglichkeiten ausgehändigt werden, wenn es Probleme mit der Ausbildung geben sollte.
Landesinnungsmeister Jörg-Dieter Mann dazu abschließend: "Mit all diesen Maßnahmen wollen wir in kollegialer Kooperation mit unseren Ausbildungsbetrieben versuchen, die Zahl der erfolgreichen Gesellenabschlüsse in unserem Beruf deutlich zu erhöhen, da anders der Personalbedarf unserer Betriebe in Zukunft nicht zu decken ist".