2009-10-12T00:00:00Z Im Praktikum gelernt später übernommen

Qualifizierten Nachwuchs zu finden, bereitet manchem Unternehmer Kopfzerbrechen. Wir zeigen, wie Sie einen Praktikanten sinnvoll einsetzen, so dass er Ihnen später als Azubi helfen kann.

Die deutsche Wirtschaft hat Probleme qualifizierten Nachwuchs zu finden. Eine Möglichkeit für Handwerksunternehmen, potenzielle Anwärter auf einen Ausbildungsplatz näher kennen zu lernen, bietet das Betriebspraktikum. Im Rahmen eines zwei- bis dreiwöchigen Schülerbetriebs-praktikums wird den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, die Berufs- und Arbeitswelt kennen zu lernen. Das Unternehmen kann prüfen, ob es einen möglichen guten Auszubildenden vor sich hat.

Für Handwerksunternehmen liegt der Vorteil klar auf der Hand: Ist die Klage über mangelnden qualifizierten Nachwuchs groß, so besteht im Rahmen eines Schülerpraktikums die Gelegenheit, mögliche Bewerber für die Zukunft kennen zu lernen. Das schützt vor unerfreulichen Überraschungen und spart darüber hinaus Kosten. Denn ein guter Auszubildender und damit eine gute Nachwuchskraft ist für jedes Unternehmen heute eine lohnende Zukunftsinvestition. Trägt sich der Dachdeckermeister mit dem Gedanken, Betriebspraktika anzubieten, sollte er daher die von ihm bevorzugten Schulen ansprechen und dort mit den Klassenlehrern Gespräche aufnehmen. Durch einen solchen persönlichen Kontakt kann der Lehrer gezielt Schüler ansprechen und dadurch sicherstellen, dass diese ihr Praktikum aus Neigung absolvieren.

Da das Schülerbetriebspraktikum eine schulische Veranstaltung ist, ist ein Versicherungsschutz durch die Schule gegeben. Die Mindestverweildauer eines Praktikanten im Betrieb liegt bei mindestens zehn Arbeitstagen. Selbstverständlich ist es im Interesse des Unternehmens, den Praktikanten frühzeitig über den Betrieb zu informieren und ihn damit für die Praktikumszeit zu interessieren. Zu diesem Zweck erweist es sich als hilfreich, wenn der Unternehmer ein Informationsblatt entwickelt und dem Schüler vorab übersendet. Auf diesem Informationsblatt findet sich neben einer Kurzvorstellung des Betriebes eine Übersicht über das, was im Praktikum geleistet werden soll. Zu guter Letzt sollte der Betrieb auch daran denken, dass ein Praktikant von heute ein möglicher Kunde von morgen ist. Wenn er ein gutes Praktikum ableisten konnte, wird er sich bei späteren Kaufentscheidungen mit Sicherheit an den damaligen Praktikumsbetrieb erinnern.

Damit das Praktikum für beide Seiten ein Erfolg wird, sind einige Regeln beim Ablauf des Praktikums zu beachten. Wichtig für einen gelungenen Start ist die gründliche Einführung des Praktikanten am ersten Tag mit Betriebsrundgang und Aushändigung einer Hausordnung. Beim Betriebsrundgang werden dem Praktikanten die verschiedenen Abteilungen und handelnden Personen kurz vorgestellt. In der Hausordnung sind Arbeitszeiten, Erlaubtes und Verbotenes niedergelegt. Ebenfalls am ersten Tag müssen die Themen Arbeitssicherheit, Gesundheits- und betrieblicher Umweltschutz angesprochen werden.

Hat der Schüler die Vollzeitschulpflicht (zehn Jahre) erfüllt?

Schüler, die ihre Vollzeitschulpflicht noch nicht erfüllt haben, gelten nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz als Kinder. Dies hat zur Konsequenz, dass sie nur sieben Stunden täglich und maximal 35 Stunden und an fünf Tagen in der Woche arbeiten dürfen. Die täglichen Pausenzeiten betragen insgesamt sechzig Minuten.

Wurde der Praktikant vor Arbeitsaufnahme über Gefahren z.B. bei leichtentzündlichen, ätzenden und gesundheitsschädlichen Stoffen unterrichtet? Ein fachkundiger Mitarbeiter muss stets darauf achten, dass der sichere Umgang mit den Gefahrenstoffen gewährleistet ist.

Sind alle Mitarbeiter angewiesen, darauf zu achten, dass der Praktikant nicht mit Arbeiten betraut wird, die mit Unfallgefahren verbunden sind?

Fehlen auch nicht die Informationen zum betrieblichen Umweltschutz?

Informieren Sie den Praktikanten darüber, welche Materialien gesammelt werden und wo die Sammelbehälter stehen

Wurde dem Praktikanten Berufskleidung durch den Betrieb gestellt?

Dem Praktikanten sollte von Anfang an Berufskleidung durch den Betrieb gestellt werden, die regelmäßig zu wechseln ist. Das äußere Erscheinungsbild hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, wie der Betrieb von Praktikanten gesehen wird. Dies gilt nicht allein für festangestellte Mitarbeiter, sondern auch für Praktikanten.

Der Unternehmer sollte Rücksicht darauf nehmen, dass für den Schüler ein Praktikum eine besondere und neue Situation darstellt. Daher ist es ratsam, den langen Arbeitstag für den Praktikanten wenigstens anfänglich zu mildern, indem er in den ersten Tagen die Arbeitszeit des Jugendlichen verkürzt und ihn erst allmählich an einen normalen Arbeitstag heranführt.

Hat der Unternehmer in einem Praktikanten einen möglichen Bewerber entdeckt, so ist zu empfehlen, zum Praktikanten zwischen der Zeit des Praktikums und dem Schulabschluss regelmäßig Kontakt zu halten. Während der Praktikumszeit ist der Betrieb von Geld- und Sachzuwendungen an den Praktikanten befreit. Kleine Geschenke als Zeichen der Anerkennung bei guter Leistung können das Schülerherz jedoch durchaus höher schlagen lassen und erinnern sie oder ihn noch lange an den Betrieb, in dem erste Arbeitserfahrungen gesammelt wurden.

Von Udo Stocks

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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