Neue Oberflächen machen Betondachsteine zur Alternative zum Dachziegel. Lesen Sie über die einzelnen Entwicklungsstufen bis zum heutigen Tag.
Vor mehr als 150 Jahren begann die Herstellung zunächst in Handarbeit. In den zwanziger Jahren entstand die erste vollmechanische Produktion. Mitte der dreißiger Jahre revolutionierte das Strangpressverfahren die Fertigung. Der große Bedarf an Deckungsmaterial nach dem Zweiten Weltkrieg führte zur "Geburt" industriell gefertigter Betondachsteine, weil sie schnell und kostengünstig hergestellt werden konnten: Natürliche Rohstoffe (Quarzsand, Wasser, Zement) waren damals wie heute problemlos verfügbar, ihre Produktion benötigt wenig Energie. In den siebziger und achtziger Jahren wurden bereits Betondachsteine für zirka vierzig Millionen Quadratmeter Steildach pro Jahr produziert. Nach der Wiedervereinigung folgte der nächste Höhepunkt: Allein im Jahr 1994 waren es mehr als 75,4 Millionen Quadratmeter, 2005 betrug ihr Anteil auf dem Steildach knapp dreißig Prozent etwa 25 Millionen Quadratmeter.
Dächer mit Profil
Die Dachstein-Modelle orientieren sich an klassischen Ziegelformen. Vor allem Varianten mit Mittelwulst und hochliegendem Längsfalz setzten sich durch. Im Vergleich zu den "weichen" Deckungen wie Holzschindeln, Reet oder Stroh war der neue Deckwerkstoff beständig, maßhaltig und wetterfest. Bis in die neunziger Jahre waren die Betondachsteine mit einem Quadratmeter-Bedarf von zirka zehn Stück größer als die damals angebotenen Ziegel (zirka 14 Stück) und sind es zum großen Teil bis heute. Weitere Kostenvorteile ergaben sich durch die Verlegung ohne Mörtelbett.
Ein Dachstein besteht zu etwa siebzig Prozent aus Quarzsand. Der Sand wird mit Zement, Wasser und Farbpigmenten gemischt, in Formen gepresst und geschnitten. Die Rohlinge härten in Trockenkammern aus. Danach ist der Dachstein wasserdicht und frostsicher mit einer sehr hohen Biegebruchfestigkeit. Die gute Frostbeständigkeit von Dachsteinen resultiert aus der hohen Wasserundurchlässigkeit. Das ist auch der Grund, warum schon vor mehr als dreißig Jahren eine bis dahin unübliche dreißigjährige Garantie gewährt wurde. Strenge Qualitätsvorgaben sicherten das Produkt. Eine erste DIN-Norm für Betondachsteine, die DIN 1115, erschien bereits vor der ersten industriellen Fertigung (1950). Nach einigen Überarbeitungen wurde sie im Jahr 1994 durch die europäischen Normen EN 490 und EN 491 ersetzt. Viele Dächer aus den fünfziger und sechziger Jahren wurden nach Jahren an der Wetterfront grau oder sind mit Moos und Algen bedeckt, nur ein ästhetisches Problem, weil die Dächer zum größten Teil bis heute "funktionieren". Auf farbige Dächer legte man nach dem Zweiten Weltkrieg noch keinen großen Wert, es war Zweckmäßigkeit gefragt. Der Trend zum bunten Dach als architektonisches Gestaltungsmittel begann erst gegen Ende der sechziger Jahre. Dennoch wurden die Oberflächen von Dachsteinen schon damals behandelt. Nach der Produktion, während des Trocknungsvorganges oder in den ersten Jahren auf dem Dach traten Flecken, sogenannte Aufblühungen auf. Eine Beschichtung auf Basis des Bindemittels Styrol-Butadien verhinderte diese optischen Mängel, aufgrund ihrer schwachen UV-Beständigkeit wusch sie sich jedoch schnell ab, war also als Farbbeschichtung ungeeignet.