News 2011-11-08T00:00:00Z Integration + Kooperation = neues Geschäftsfeld

Über Jahre wurden Solarthermie- und Photovoltaikanlagen von verschiedenen Gewerken nachträglich auf Hausdächern montiert. Neue, dachintegrierte Lösungen machen den Dachdecker zum ersten Ansprechpartner und die Kooperation mit anderen Gewerken einfacher.

Laut Bundesverband Solarwirtschaft wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 940.000 Quadratmeter Kollektorfläche und rund 1.100 Megawatt Photovoltaik-Spitzenleistung (MWp) Photovoltaikanlagen neu installiert. Der Boom hält an, trotz einer vorübergehenden Flaute im Solarthermiebereich. Steigende Energiepreise und wachsendes Interesse am Klimaschutz lassen die Kunden vermehrt Solartechnik nachfragen. Die Dachdecker sollten sich auf diese Entwicklung einstellen, sind sie doch die idealen Anbieter von Komplettlösungen.

Warum sind Dachdecker bei Indachlösungen gefragt?

Der Dachdecker kennt sich von allen Gewerken am besten auf dem Dach aus: Manch ein Sanitär- und Heizungsbauer oder Elektrohandwerker hat vielleicht Höhenangst oder ist fachlich nicht auf die Arbeiten auf dem Dach eingestellt. Für einen Dachdecker aber ist die Montage, auch schwerer Solarelemente, kein Problem. Er verfügt über die erforderlichen Gerüste und Hebevorrichtungen, um solche Arbeiten sicher und effizient ausführen zu können. Bei dachintegrierten Anlagen darf ohnehin nicht der Klempner aufs Dach, soll nicht die Gewährleistung für die Dachfläche gefährdet werden. Das heißt: Dachintegrierte Anlagen können in aller Regel nur von Dachdeckern und Zimmerern installiert werden. Die Frage ist: Warum sind noch nicht alle Dachdecker auf dieses neue Betätigungsfeld aufmerksam geworden? Haben sie möglicherweise Vorbehalte gegenüber der Zusammenarbeit mit den anderen Gewerken Schnittstellenangst also?

Welche Arbeiten kann der Dachdecker alleine machen?

Hierzu muss man sich zunächst vergegenwärtigen, für welche Arbeiten der Dachdecker selbst zuständig ist: Ab der Oberkante der Sparren beginnt in der Regel sein Reich. Das heißt die komplette Montage des Rasters aus Kollektoren, Modulen, Dachfenstern ist sein Metier. Diese sind nicht nur miteinander zu verbinden und auf dem Dach zu befestigen. Auch die Verbindungen zwischen den Kollektoren und die Verbindungen der Elektrokabel zwischen den Solarmodulen sind herzustellen und ins Gebäudeinnere zu führen. Diese Arbeiten werden dem Dachdecker mit Komplettsystemen, etwa dem "Roto Sunroof", leicht gemacht: Alle Anschlüsse sind leicht zugänglich und miteinander zu verbinden. Für Anschluss, Wartung und Reparaturen auf dem Dach wird kein SHK-Mann benötigt und die Systeme sind kompatibel zu den meisten Steuerungen der Heizungsanlagen.

Wo greift der Dachdecker auf Unterstützung zurück?

Bei der thermischen Solaranlage übernimmt in der Regel der SHK-Betrieb die Arbeiten ab Eintritt der Flexrohre ins Gebäudeinnere. Bei der Photovoltaikanlage kann der Dachdecker praktisch bis zum Setzen des Wechselrichters alles in Eigenregie erledigen, Zählersetzen und Netzanschluss sind Sache der Elektromeister und der Netzbetreiber. In Einzelfällen, wenn die Dachform besonders ausgefallen ist, sind Spenglerarbeiten an First, Ortgang oder Traufe notwendig. Doch die Systemanbieter liefern inzwischen Blindeinheiten, auch halber Größe, sowie vorgefertigte Firstdetails und Ortganglösungen.

Ideallösung: Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen

In der Zusammenarbeit mit den Partnerunternehmen spielt der SHK-Betrieb die zentrale Rolle: Der Dachdecker sollte darauf achten, dass die Arbeiten etwa pari untereinander aufgeteilt sind, so verteilt sich die Wertschöpfung möglichst gerecht zwischen beiden. Im Allgemeinen sind die SHK Betriebe froh, wenn sie die Arbeiten auf dem Dach nicht mehr ausführen müssen auch aus Gründen der Gewährleistung und der berufsgenossenschaftlichen Versicherung. Der Heizungshandwerker wird auch in Zukunft wichtiger Ansprechpartner des Gebäudeeigentümers sein, ist er doch für die Auswahl und Abstimmung aller Komponenten der Heizungsanlage im Keller verantwortlich. Dachdeckermeister Patrick Gottlieb aus Hohenstein-Holzhausen im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis etwa arbeitet seit Jahren mit einem festen Sanitärbetrieb zusammen. "Es ist zufällig mein Nachbar. Das Wichtigste aber ist, dass die Zusammenarbeit funktioniert", sagt der Handwerksmeister, der 14 Mitarbeiter beschäftigt. Vertrauenssache ist auch die Kooperation mit dem E-Techniker. Gottlieb hat auch hier einen festen Ansprechpartner: "Wenn Kunden eigene Handwerker mitbringen kann das Probleme bereiten." Es bestehe die Gefahr, dass auf diesem Wege Konkurrenzangebote entstünden. Die Kooperationspartner bereits mitzubringen ist ohnehin fast unumgänglich, alleine um ein Angebot erstellen zu können. Langjährige Zusammenarbeit schafft hier nicht nur Vertrauen, es setzt auch Synergieeffekte frei Absprachen müssen nicht bei jedem Projekt wieder neu getroffen werden.

Kooperation auf festes Fundament stellen

Viele Dachdecker verlassen sich allerdings gerne auf das gesprochene Wort. Langjährigen Partnern vertraut man, außerdem bleibt im Tagesgeschäft oft wenig Zeit. Doch Vorsicht ist geboten, man sollte sich schriftlich absichern. Unterstützung dafür gibt es von Herstellerseite: "Wir halten für Dachdecker Musterkooperationsverträge bereit", sagt Reinhold Wickel, Leiter des Info- und Trainings-Centers (ITCB) der Roto Dach- und Solartechnologie GmbH.

Der Dachdecker als federführendes Gewerk sollte bei Solardächern auf diese Weise die Kompetenzen aller Beteiligten abgrenzen und die Schnittstellen klar definieren. Dies hilft Ärger zu vermeiden, sollten eines Tages Garantieansprüche auflaufen. Denn jedes Gewerk haftet für seinen Tätigkeitsbereich. Trotz bester Voraussetzungen für Solardächer sind Dachdecker noch längst nicht für dieses neue Betätigungsfeld bekannt. Hier hat Wickel einen Rat: "Lernen Sie aktiv zu verkaufen, warten Sie nicht auf Kunden". Im ITCB bietet Wickel Zertifizierungsseminare an, in denen auch erfolgreiches Marketing gelehrt wird.

Martin Frey

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter