Marketing 2009-09-17T00:00:00Z Kanadische Dächer

Seit Beginn des kanadischen Ölbooms mangelt es der Wirtschaft an Fachkräften. Dachdecker Michael Naujoks wagte den Schritt nach Übersee und berichtet von flexiblen Arbeitszeiten, unvergleichlicher Natur und Flachdacharbeiten unter Extrembedingungen.

Nachdem sich der Ölpreis Ende der neunziger Jahre von zehn US Dollar auf heute über 80 US Dollar je Barrel erhöht hatte, begann in der kanadischen Provinz Alberta ein Ölboom. Die lange vernachlässigten Ölsände der Abbau galt als zu teuer boten die Chance auf das große Geld. In der Folge begann mit dem Abbau im Norden Alberta’s die Industrie rund um die Vorkommen zu wachsen wie nie zuvor. Der Boom wirkte sich auch auf die Städte und Löhne aus: Die Städte Fort Mc Murrey, Edmonton und Calgary wachsen seit Jahren kräftig. Gleichzeitig ist der Bedarf an Mitarbeitern und die Stundenlöhne in sämtlichen Berufssparten stark angestiegen angefangen von Verkäufern über die metallverarbeitende Industrie, Ingenieure verschiedenster Art bis hin zum Bau- und natürlich dem Dachdeckerhandwerk.

Flachdachspezialist mit Immigrationsbüro

Michael Naujoks ist gelernter Dachdecker und Hochbautechniker. Bevor er den Schritt in das tausende Kilometer entfernte Kanada wagte, war er als Bauleiter in einem mittelständigen Dachdeckerunternehmen im Bereich Köln tätig. Bei dem in Edmonton ansässigen Flachdachspezialisten Christensen & McLean Roofing unterzeichnete er zunächst ein Jahresvertrag. C&M Roofing ist eine der größten Unternehmen für diesen speziellen Berufszweig in Alberta. Mit einem Jahresumsatz von circa 15 Millionen kanadischen Dollar beschäftigen Phil Roy und sein Partner Chris Ellingson circa 110 Mitarbeiter in vier Unternehmenssparten. Neben mehreren Reparaturkolonnen gibt es zwei Klempner- und neun Dachdecker-Kolonnen, die ausschließlich im Flachdachsektor im Bereich Neubau und Sanierung arbeiten. Dazu kommen drei Bauleiter, der Sicherheitsingenieur sowie Büroangestellte.

Insgesamt hat die Firma aufgrund des immensen Dachdeckermangels zurzeit circa 30 deutsche Fachkräfte unter Vertrag. Für den leichteren Start in Kanada hat C&M Roofing ein Immigrationsbüro beauftragt, das den neuen Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite steht. Außerdem hat die Firma mit Hilfe der zuvor angereisten Mitarbeiter ein 60-seitiges Dossier erarbeitet, das grundsätzliche Fragen über das alltägliche Leben in der neuen Heimat beantwortet.

Kaum bürokratische Hürden

Um überhaupt in Alberta arbeiten zu können, benötigen Neulinge eine Sozialversicherungsnummer sowie eine Krankenversicherung. Beide Dokumente sind innerhalb weniger Stunden zu bekommen kanadische Behörden sind einfach strukturiert, die Abläufe unkompliziert.

Die Familienkrankenversicherung für einen einfachen Dachdecker beträgt ungefähr 60 Euro im Monat, der Leistungskatalog entspricht deutschem Standard. Der Arbeitgeber trägt ebenfalls zum Schutz bei er finanziert eine Sozialzusatzleistung, die Medikamente, Zahnersatz, Brillen und ähnliches abdeckt. Der Stundenlohn für einen gelernten Dachdecker liegt im Schnitt bei circa 18-19 Euro und wird im Zweiwochenrhythmus via Bankscheck vergütet. Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber ein Urlaubsgeld in Höhe von zehn Prozent zuzüglich auf ein separates Konto sowie 0,25 Euro in eine private Rentenversicherung ein.

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es für den kanadischen Dachdecker kein festes Kontingent an Urlaubstagen. Was zählt ist die Leistung: Je mehr ein Dachdecker arbeitet, desto mehr verdient er und umso größer wird das Urlaubsgeldkonto. Wie er mit dem Konto umgeht, bleibt dem Dachdecker selbst überlassen entweder lässt er sich ausbezahlen und arbeitet weiter oder er nimmt sich frei, bis das Konto leer ist. Im Ergebnis eine einfache Regelung: Wer viel arbeitet, kann häufiger Urlaub nehmen oder mehr verdienen und das Geld für den langen und harten Winter zurücklegen. Das ist eine verbreitete Methode, denn ein Winterausfallgeld wie in Deutschland wird in Alberta nicht gezahlt.

Schwere Rollen, große Flaschen

Ein normaler Zweiwochenzyklus beinhaltet zwei 44 Stunden-Wochen, Überstunden vergütet der Arbeitgeber mit dem Faktor 1,5 pro Stunde. Der Wochenstundenzahl ist nach oben keine Grenze gesetzt. Die Sozialabgaben sind, typisch nordamerikanisch, übersichtlich gehalten: Neben der Lohnsteuer zahlen Dachdecker in Alberta nur in die Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung ein.

Das Arbeiten im Land des Indian-Summer ist körperbetonter als in Deutschland: Die Schweißbahnrollen sind großformatiger und geschweißt wird nahezu immer mit 33 Kilogramm schweren Propangasflaschen. Auch die kanadische Technik im Flachdachbereich unterscheidet sich von der deutschen: Das Eindichten der Fläche im bituminösen Sektor ist ein Mix zwischen Heißbitumen und Schweißarbeiten. Die erste Lage der Abdichtung im Heißbitumenverfahren wird geklebt, die zweite Lage der Abdichtung vollflächig mittels Propanhandbrenner im Flammschweißverfahren montiert. Natürlich gibt es auch in Übersee unterschiedliche Verfahren einer bituminösen Abdichtung, die oben beschriebene stellt nur die zurzeit gängigste dar.

Arbeiten bei minus 30 Grad

Die Arbeit im Winter ist nichts für Warmwetterfreunde: Für gewöhnlich wird in der kalten Jahreszeit bis circa minus 30 Grad gearbeitet. Die Wahl der richtigen Kleidung ist dabei eine Grundvoraussetzung und elementarer Bestandteil der Arbeitssicherheit. Diese wird generell sehr groß geschrieben, einer der wichtigsten Bestandteile der täglichen Sicherheit am Arbeitsplatz ist die Gefahrenanalyse, die jeden Morgen neu beschrieben, gelesen und unterzeichnet werden muss.

Fazit: Wissen und Erfahrung gesammelt

Das Arbeiten in Kanada bietet viele Erfahrungen: Eine traumhafte Landschaft, nette Menschen und neues Wissen im Umgang mit Materialien und extremen Wetterverhältnissen. Da das vorübergehende Arbeitsvisum sich langsam dem Ende zuneigt und sich mit der Geburt einer Tochter die Familienverhältnisse geändert haben, lag es nahe, einen Neubeginn in Deutschland zu planen. Aufgrund der zurzeit stabilen wirtschaftlichen Lage und einem interessanten Arbeitsangebot der Firma Engels & Hohenberg Bedachungen in Rommerskirchen bei Köln ist der Weg zurück in die europäische Heimat geebnet.

Michael Naujoks

Lesen Sie im zweiten Teil, was Michael Naujoks in Kanada am meisten beeindruckt hat und wie er sich auf das Land vorbereitet hat.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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