Im Interview mit DDH berichtet Michael Naujoks von seinen Erfahrungen in Alberta, Kanada.
DDH: Wie kamen Sie auf die Idee, ins Ausland zu gehen?
Michael Naujoks: Ich wollte mich beruflich verändern. Das Bauleiten auf der Auftragnehmerseite hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht auch wegen der Ausschreibungen: Ingenieurbüros und Architekturbüros wollten kostenlose Ausschreibungen, technische Ausarbeitungen und Problemlösungen sowie Massenermittlungen zum Nulltarif haben, obwohl das Teil Ihrer eigenen Leistungsphasen ist.
Die Idee nach Kanada zu gehen, kam mit einer Stellenausschreibung im Online-Bereich des Arbeitsamtes Deutschland. Nachdem ich meine Bewerbungsunterlagen gesendet hatte, bekam ich zügig die Einladung zum Vorstellungsgespräch nach Bonn. Das Gespräch lief gut und nach drei Wochen habe ich meinen Vertrag bekommen. Außerdem wollte ich meine Erfahrungen im Bereich Flachdach ausdehnen und die englische Sprache erlernen. Meine Frau war von dieser Idee begeistert und hat mich ermutigt und bestärkt diesen Schritt zu wagen.
DDH: Wie haben Sie sich auf Kanada vorbereitet?
Naujoks: Dokumente wie die Arbeitserlaubnis wurden alle vom Immigrationsbüro in Kanada vorbereitet dort stand man uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite der Manager meines Arbeitgebers hat uns ebenfalls unterstützt. Alles andere war wirklich ein Kinderspiel, sehr viele Informationen zu Wetter, Kultur und Lebensweise habe ich im Internet gefunden.
DDH: Was an Kanada hat Sie am stärksten beeindruckt?
Naujoks: Traumhaft sind natürlich die Rocky Mountains mit den verschiedenen Nationalparks in Alberta sowie die vielen kleinen Bäche (Creeks), Flüsse und endlosen Wälder. Aber mit am schönsten ist Edmonton selbst, hier wird viel geboten: unzählige Parkflächen, ein Flusstal, das die Stadt in Nord und Südstadt unterteilt und viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten bietet sowie das größte Einkaufszentrum der Welt, die West Edmonton Mal.
DDH: Wie haben Sie sich eingelebt in Kanada?
Naujoks: Sehr gut. Nachdem wir im März 2007 hier angekommen waren, hat uns schon nach einigen Tagen ein Kollege eingeladen, mit ihm und seiner Familie das Osterfest zu feiern. Er war uns auch behilflich bei der Suche nach einem Auto und war uns eine große Hilfe. Unser Freundeskreis besteht hier in Edmonton überwiegend aus Arbeitskollegen Kanadier, aber auch Dachdeckerfamilien aus der Schweiz, Schottland und Deutschland. Grundsätzlich ist kanadische Lebensweise durchaus mit der deutschen vergleichbar, mit einem Unterschied: das Leben ist hier weniger hektisch. Die Menschen laufen nicht in Ihrer Freizeit, sie regen sich an der Kasse nicht auf, wenn es mal nicht so schnell geht. Auch Rücksicht ist wichtig: Die Menschen fragen immer wie es einem geht, ältere Menschen haben einen extra Schalter auf der Bank, Bedürftigen und Frauen werden die Lebensmittel kostenlos zum Auto gebracht. Um es kurz zu machen: Die Menschen sind häufig entspannter und hilfsbereiter als in Deutschland.
DDH: Was haben Sie technisch dazugelernt?
Naujoks: Da könnte ich viel erzählen, vielleicht nur ein Punkt: Obwohl die kanadischen Schweißbahnen nicht besser sind als die europäischen, werden Sie bei kälteren Temperaturen verarbeitet. Das Kaltbiegeverhalten der meisten Polymerbitumenschweißbahnen beträgt auch in Europa zwischen -25 und -35 Grad Celsius, als Untergrund werden in Kanada ebenfalls Stahltrapezbleche, Beton und Holz montiert. Die Wärmedämmung übernimmt unter anderem die Aufgabe des Temperaturausgleiches und somit besteht unter der Dämmung eine einigermaßen konstante Temperatur etwa bezogen auf die Bauteilausdehnung. Deshalb kann ich inzwischen nur schwer verstehen, warum in Deutschland Schweißarbeiten unter fünf Grad Celsius nicht empfohlen werden vor allem weil die Flachdächer in Kanada größeren Temperaturunterschieden sowie vollflächigem Eis und Schnee ausgesetzt sind.
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