Auch das 3. FBB-Symposium zur Fassadenbegrünung Mitte Juni in Berlin ist ein großer Erfolg gewesen viele interessante Themen, lebhaft von den Fachreferenten vorgetragen und ein voller Tagungssaal. "Wir sind insgesamt sehr zufrieden und waren erfreut, welche Diskussionen sich noch lange nach dem Veranstaltungsende ergeben haben", so das Fazit des FBB-Präsidenten Dr. Gunter Mann.
"Die Teilnehmer haben dem 3. FBB-Symposium im Durchschnitt die gute Note 1,79 gegeben das spricht für sich!" Das von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) organisierte und von den Verbänden Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) und Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden e.V. (FVHF) begleitete Tagesseminar bot einen umfassenden Querschnitt der wichtigsten Themen rund um die Fassadenbegrünung.
Nach einer kurzen Einführung von Brigitte Reichmann von der Senatsverwaltung der Stadt Berlin und der Vorstellung der neuen Broschüre "Konzepte der Regenwasserbewirtschaftung Gebäudebegrünung, Gebäudekühlung", berichtete Dr. Thomas Nehls von der TU Berlin über ungenutztes Flächenpotenzial für die Fassadenbegrünung. Das Ziel der vorgestellten Studie war u.a., die Größe der zu begrünenden Flächen abzuschätzen. Die liegen in Berlin bei insgesamt etwa 2630 ha. Der Anteil der Giebelwände an dieser Fläche waren knapp 600 ha.
Die Doktorandin Nicole Pfoser (TU Darmstadt) referierte über den Aspekt der Gestaltungsqualität und dem visuellen Beitrag begrünter Fassaden zur Ästhetik der Stadt.
Sie betonte dabei, dass ein Schritt auf dem Weg zu einer Gestaltungsoptimierung neben der Veröffentlichung der städtischen Zielsetzung ein überzeugendes Städtemarketing wäre. Dies würde zugleich die verbindliche planungsrechtliche Fixierung der maßgeblichen Eckpunkte des Projektes als erweiterten Grünordnungsplan der Stadt bilden.
Andreas Puhr vom NABU präsentierte Teil-Ergebnisse der Städte-Umfrage 2010 zur Förderung von Bauwerksbegrünung und Stadtklima, die von NABU und FBB durchgeführt wurde. Von den versandten 1.500 kamen knapp 600 Fragebögen ausgefüllt zurück. Gefördert werden Fassadenbegrünungen in etwa fünf Prozent der Kommunen. Die Zuschüsse sind dabei teilweise an Bedingungen gebunden.
Carsten Böhme von der FVHF, Berlin führte zu beachtenswerten bauaufsichtlichen Zulassungen bei Fassadenbegrünungen aus. Die Kletter- und Rankhilfen stellen im baurechtlichen Sinne eine Bauart dar und müssen dauerhaft sicher montiert werden. Wichtig dabei ist eine sichere Verankerung, bei der immer auf eine Zulassung zu achten ist.
Sebastian Wolter, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, fasste die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen. So konnte ermittelt werde, dass 1.000 m² begrünte Südfassade mit einem Containersystem eine Menge von 2.351,00 kg CO2 aufnehmen und 1.712,5 kg O2 produzieren kann. Weiterhin zeigte sich, dass lediglich ca. 1020 % der einfallenden Globalstrahlung durch die Begrünungselemente transmittiert werden und dadurch eine Verringerung der Erwärmung der Fassade bewirkt werden kann. Bei der Biomasseproduktion und Pflege wäre ein denkbarer Ansatz die Verwendung des Schnittgutes in der Biogasgewinnung.
Marc Ottelé von der TU Delft, Niederlande, hielt seinen Vortrag auf englisch über "The design of vertical greened surfaces a technical approach". Er stellte Untersuchungsergebnisse vor zu Luftqualität und Temperaturregulation und führte dabei aus, dass aufgrund einer Fassadenbegrünung 8% Stromeinsparungen bei Klimaanlagen möglich sind.
Arne Mehdorn von der Firma Greenwall aus Frankreich stellte sein fassadengebundenes Begrünungssystem vor. Es besteht aus galvanisierten Stahldraht-"Kassetten", unverrottbarem organischen Substrat (Sphagnum), abgestimmter Vegetationspalette (in Vorkultur von 4-6 Monaten) und Bewässerung. Die durchschnittliche Laufzeit der Bewässerung beträgt bei Außenwänden 2 x 20 Minuten pro Tag im Sommer und 10 Minuten alle 2 Tage im Winter.
Der Architekt Alain Guigonis, AGP aus Berlin, stellte das Begrünungssystem Mur végétal de Patrick Blanc am Beispiel Galerie Lafayette in Berlin vor. Das französische Kaufhaus Galeries Lafayette wurde von Jean Nouvel geplant. Anstelle eines 70 m² großen LCD-Bildschirmen an der Fassade wurde 2006/07 von Guigonis und Blanc erstmalig in Deutschland eine Patrick Blanc-Fassadenbegrünung angebracht. Herzstück des Systems ist ein Vlies aus Acryl-Recycling¬fasern, das in zwei Lagen mit Edelstahl¬klammern auf Hartschaumplatten getackert wird. In herausgeschnittenen Vliestaschen werden dann etwa 30 Pflanzen pro Quadratmeter eingesetzt. Der Wasserverbrauch der Bewässerungsanlage bewegt sich für Aussenanlagen im Durchschnitt über das gesamte Jahr zwischen 2,5 bis 3,0 Liter pro m² pro Tag.
Nils van Steenis von der niederländischen Firma Schadenberg Combi Groen stellte erste Erfahrungen aus einem Versuchsobjekt des Tiergarten Artis in Amsterdam vor. Hier wurde am Raubtierhaus eine fassadengebundene Begrünung aus Kokosvlies und Substrat eingebaut. U.a. anderen wurden folgende Schlüsse gezogen: das Klima hat so viel Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen, dass 30-50 cm Substratstärke nötig sind und die Pflanzen auch im Winter Feuchtigkeit benötigen. Frostschäden und Austrocknung durch Windbelastung sind weitere beachtenswerte Faktoren.
Wie bei allen Symposien war der Abschluss Prof. Dr. Manfred Köhler aus Neubrandburg vorbehalten, der von begrünten Fassaden in aller Welt berichtete. In Deutschland hat die Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen lange Tradition. Seit wenigen Jahren werden in Mitteleuropa klassische Fassadenbegrünungen um Living Wall-Systeme ergänzt. Allerdings klafft eine Lücke zwischen der Begeisterung für diese Systeme und den bisher vorliegenden gesicherten Daten zur Bautechnik als auch zum ökologischen Nutzen.
Zwei produktbezogene Kurzbeiträge von FBB-Mitgliedern machten den Abschluss der Veranstaltung und spannten den Bogen von Theorie bis zur Praxis. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch FBB-Mitglieder (Helix, Reichlmeier/Empora, Liebherr, Foamglas) und dem Eugen Ulmer-Verlag.