2015-10-20T00:00:00Z Klimaschutz und Drohnen

Der Dachdeckerberuf ist zunehmend geprägt von energiepolitischen Themen, einer digitalisierten Arbeitswelt und steigenden Anforderungen als Gebäudeenergieberater. Zudem sind Dachdecker auch bei der Bewahrung des Alten, sprich dem Denkmalschutz und -pflege gefragt.

Dachdecker nehmen eine wichtige Rolle in der Klimadiskussion ein. Als Gebäudeenergieberater informieren sie Hausbesitzer über sinnvolle Dämmmaßnahmen bei Dach und Fassade. Hierüber gehen immerhin rund 40 Prozent der Energie verloren. Sie bauen Photovoltaik- und Solarthemieanlagen ein und berechnen zugleich den finanziellen Vorteil. Bei der Begrünung von Dächern ist Deutschland weltweit führend. Dachdecker sorgen damit vor allem in Städten für ein gutes Klima, senken den Energieverbrauch, tun etwas für den Lärmschutz, reduzieren die Luftverschmutzung und entlasten die Kanalisation. Denn Gründächer speichern auch Feuchtigkeit. Auf der nächsten Fachmesse DACH+HOLZ International kommt daher auch den Themen Dämmung, Solartechnik und Dachbegrünung große Bedeutung zu.

Dachdecker 4.0: BIM und Drohnen

Die Digitalisierung macht auch vor dem Dachdecker nicht Halt. Neben BIM – Building Information Modeling – einer Methode zur Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mit Hilfe von Software, befassen sich Dachdecker zunehmend mit dem Einsatz von Drohnen. Bei der Beurteilung eines Dachs, zum Beispiel bei Schadensfällen, für eine Angebotserstellung oder im Rahmen eines Wartungsvertrags, ist es notwendig aktuelle Daten über den Zustand des Daches zu erhalten. „Früher ist man dazu mit Anseilschutz aufs Dach geklettert oder man musste Arbeitsbühnen aufbauen. Die Sicht wurde dabei oft durch Bäume oder andere Gebäudeteile behindert. Heute lassen immer mehr Dachdecker Drohnen aufsteigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Drohne fliegt selbstständig, kann gesteuert werden, erreicht auch unzugängliche Stellen und liefert Bilder in Echtzeit direkt aufs Smartphone oder Notepad“, erläutert Schneider. Für den Dachdecker bedeutet das mehr Sicherheit, mehr Flexibilität, eine aktuelle Datenlage sowie Zeit- und Kostenersparnis: „Was früher gut und gern mal zwei bis drei Tage dauerte erledigt die Drohne in zwei bis drei Stunden“, führt Dachdeckermeister Schneider aus.

Flüchtlinge ins Handwerk

Angesichts der Nachwuchsproblematik im Dachdeckerhandwerk ist es dringend notwendig sich mit der Ausbildung und Förderung von Flüchtlingen zu befassen und sie fürs Handwerk zu begeistern. „Es gibt schon gute Beispiele: in Berlin und Köln starten bereits junge Zuwanderer mit einer Dachdecker-­Ausbildung oder absolvieren Praktika in Dachdeckerbetrieben. Gefordert ist jetzt die Politik. Sie soll mehr in Sprach-­ und Integrationskurse investieren und die Bleiberechtssituation verbessern“, fordert der ZVDH‐Präsident. „Und die Besichtigung des Wohnheims heute ganz aus Holz zeigt auch, dass schnell gebaut werden kann ohne beim Brand- oder Lärmschutz Kompromisse zu machen. Das halten wir für den völlig falschen Weg!“, macht Schneider deutlich. Engagieren können sich auch kleinere Betriebe, zum Beispiel im Projekt der Deutschen Kinder-­ und Jugendstiftung (DKJS) zur Integration von Flüchtlingskindern. Mit dem Programm „Willkommen im Fußball“ soll Kindern und Jugendlichen, die ihre Heimat verlassen mussten wieder ein Stück Leichtigkeit ins Leben gebracht werden.

8,85 Milliarden Umsatz macht das Dachdeckerhandwerk

Im deutschen Dachdeckerhandwerk arbeiten rund 97. 0000 Mitarbeiter (inklusive kaufmännische und technische Angestellte, sowie Inhaber und Auszubildende in rund 13.00 Betrieben). Das Dachdeckerhandwerk erwirtschaftete im Jahr 2014 einen Gesamtumsatz von 8,85 Milliarden Euro und somit ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Betriebsgröße lag 2014 bei 5,0 gewerblichen Mitarbeitern. Insgesamt erwirtschaftete das Handwerk 2014 533 Milliarden Euro mit rund 5.380.000 Beschäftigten. Treibende Kraft für das Dachdeckerhandwerk waren im Jahr 2014 erneut die privaten Bauherren und Eigentümer. Karl­‐Heinz Schneider, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hierzu: „Die Parameter Einkommen, Immobilienpreise und Finanzierungskonditionen beflügeln die Investitionen ins „Betongold“. Die Sorge um den Euro und wenig attraktive Anlagemöglichkeiten tun ihr übriges. Allerdings haben wir festgestellt, dass die Investitionen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung niedriger ausgefallen sind. Wir hoffen, dass dieser Trend aufgehalten, oder besser noch umgekehrt wird. Denn wenn wir die hohen Anforderungen an CO2‐Einsparungen realisieren wollen, muss die energetische Modernisierung von Dächern und Gebäudehüllen forciert werden.“

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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