News 2010-06-22T00:00:00Z Köln kulinarisch

Ein Messetag macht hungrig und durstig was liegt da näher, als nach der DACH+HOLZ die Kölner Brauhäuser zu besuchen? Unser Guide rüstet Sie für einen rustikalen kölschen Abend.

Der Kölner redet gern. Und er geht gern aus. Wer nach einem langen Messetag in eines der vielen Kölner Brauhäuser einkehrt, kann sich von beidem überzeugen. Gesprächig und fröhlich geht es zu in den kölschen Gaststätten. Wer meint, das ähnele zu sehr dem Messetrubel, kann beruhigt werden. Ein Besuch im Brauhaus ist ein entspannter Spaß mit uriger Kölner Küche und dem süffigen obergärigen Kölsch in rustikalem Ambiente. Zur Einstimmung auf einen Abend im Brauhaus versorgen wir sie mit dem nötigen Rüstzeug: Sie lernen die traditionellen kölschen Gerichte kennen, erfahren die Sitten im Umgang mit dem Kölschglas und machen Bekanntschaft mit dem unangefochtenen Herrscher des Brauhauses, dem Köbes. Im Info-Kasten finden Sie außerdem Kurzbeschreibungen von Brauhäusern mitsamt Adresse und Entfernungsangabe zum zentralen Punkt der Stadt, dem Kölner Dom.

Kölsche Küche: rustikal

In den zahllosen Eckkneipen und Brauhäusern Kölns dominieren Kölner Spezialitäten die Speisekarten. Hier eine Auswahl der bekanntesten Gerichte:

Halver Hahn: Wer sich nach der Bestellung dieses Gerichts auf ein halbes Hähnchen freut, erlebt eine Überraschung. Denn ein Halver Hahn besteht aus einem Roggenbrötchen ("Röggelchen") mit einer dicken Scheibe alten holländischem Käse. Der Legende nach soll der Name entstanden sein, als einem Brauhaus-Gast ein ganzes Röggelchen serviert wurde, der Gast aber nur eine Hälfte haben, eine "halve han", wollte.

Himmel un Äad: Zwischen "Himmel und Erde" bewegen sich die Zutaten dieses Kölner Traditionsgerichts, die Äpfel des Apfelmuses hängen oben im Baum, die Kartoffeln werden aus der Erde geerntet. Komplettiert wird die Warmspeise mit gebratener Blutwurst ("Flönz") und Zwiebeln.

Kölscher Kaviar: Eine Kombination bekannter Zutaten hier wird kein Fischrogen serviert, sondern Flönz (läuft auch unter der Bezeichnung: "Blootwosch") mit Röggelchen oder Schwarzbrot und Zwiebelringen. Dazu gibt es Butter, Senf, Gewürzgurke und natürlich: Kölsch.

Hämchen: Die Vorderhaxe des Schweins mit seinem dicken Speckmantel, die als Gericht meist mit Kartoffelbrei und Sauerkraut gegessen wird.

Surbroode (Sauerbraten rheinischer Art): die Kölner Großmütter bereiteten ihn noch mit Pferdefleisch zu, heute findet man fast immer Rind auf dem Teller. Gekonnt zubereitet, zergeht das süß-saure Fleisch auf der Zunge.

Muschel op rheinische Manier (Muscheln rheinischer Art): Muscheln isst man in den Monaten, die auf "r" enden. Eine letzte gute Gelegenheit also, zur Messe die rheinische Miesmuschelvariante mit Zwiebeln, Gemüse, Wasser und Wein zu probieren. Bei Anlieferung werden die Schalentiere in riesigen Jutesäcken direkt vor den Gasthäusern abgeladen.

Laberdan in Senfzaus (Kabeljau mit Senfsauce): Im katholischen Köln ist der Freitag Fischtag. Der Klassiker in den Gaststätten ist der Kabeljau in Senfsauce. Dazu gibt es Kartoffeln oder Reis und einen grünen Salat.

Rievkooche (Reibekuchen): Zu Reibekuchen isst man in Köln am liebsten Apfelkompott, Tatar oder Lachs. Nichts für schwache Mägen.

Kölsch das Getränk einer Stadt.

Kölsch ist ein helles, hopfenbetontes und obergäriges Vollbier mit einer durchschnittlichen Stammwürze von 11,3 Prozent und einem Alkoholgehalt von durchschnittlich 4,9 Prozent. "Kölsch" dürfen sich nach der Kölsch-Konvention von 1985 unter anderem nur die Biere nennen, die in Köln produziert werden (Ausnahme bilden Brauereien, die schon vor 1985 außerhalb der Stadt Kölsch gebraut haben). Brauhäuser haben in der Regel einen festen Vertrag mit einer Brauerei, Sie bekommen dort nur ein bestimmtes Kölsch. Serviert wird das Bier in schlanken Gläsern sogenannten Kölschstangen mit 0,2 Liter Inhalt. Die kleine Portion macht Sinn: Kölsch ist zügig gezapft und wird ebenso schnell wieder schal. Wenn Sie auf einen gelungenen Messetag anstoßen möchten, ist Vorsicht geboten: Die dünnen Wände der Gläser brechen schnell, wenn man oben anstößt.

Chef im Brauhaus-Ring

Für den nötigen Nachschub an kleinen Gläsern sorgt in Köln der Köbes. Traditionell trägt er stets eine blaue Schürze aus Leinen mit einer ledernen umgeschnallten Geldtasche. Der Köbes ist Chef im Brauhaus-Ring. Ein Köbes der alten Schule kommt zu den Gästen, wenn er es für richtig hält. Er unterhält seine Gäste mit rauem Charme und lockeren Sprüchen, Kölsch wird ungefragt auf den Tisch gestellt. Wer genug hat, sollte einen Deckel auf das leere Glas legen, sonst steht schnell die nächste Stange auf dem Tisch. Diese spezielle Form der Gastfreundlichkeit wird zum Bedauern vieler Einheimischer nicht mehr in allen Brauhäusern gepflegt, viele Anbieter haben sich den auswärtigen Besuchern angepasst. Dennoch gilt nach wie vor: Vor dem Köbes sind alle gleich.

Malte von Lüttichau

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter