Geländersystemen auf Flachdächern
Bei Geländersystemen auf Flachdächern ist keine zusätzliche Schutzausrüstung erforderlich. Vorteil: Sämtliche Personen die nicht im Umgang mit Anseilschutz geschult sind, können die Dachfläche, wenn beispielsweise eine Begehung mit dem Eigentümer erforderlich ist, betreten. Foto/Grafik: Bauder

Arbeitssicherheit

10. September 2020 | Teilen auf:

Kollektiv mit Geländer

Während der Erstellung eines Gebäudes sind die am Bau beteiligten Personen unter anderem an einem Baustellengerüst gesichert. Wie geht es aber danach weiter, beispielsweise bei Inspektion oder Wartung? Hierzu gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten: Temporäre Anschlagpunkte, fest montierte Einzelanschlagpunkte, temporäre Textilseile, permanente Edelstahlseile oder auch Geländersysteme.

Beim Individualschutz sind Personen nur dann geschützt, wenn sie sich mit ihrem eigenen Auffangurt und dem passenden Verbindungsmittel mit der Anschlageinrichtung verbinden. Dabei sollen die Nutzer immer objektspezifisch eingewiesen werden und zudem PSAgA-geschult sein. Solche, meist mehrtägigen, Anwenderschulungen zur Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) bieten zum Beispiel der TÜV oder PSA-Fachbetrieben an. Der Individualschutz ist nach Arbeitschutzgesetz (ArbSchG) nachrangig, daher ist ein Geländersystem – also der Kollektivschutz – die naheliegende und beste Lösung. Denn mit Geländer gesicherte Dachflächen haben nennenswerte Vorteile:

1. Mehrere Personen dürfen gleichzeitig das Dach betreten und das ohne PSAgA-Schulung.

2. Dachflächen, die mit einem Geländer gesichert sind und so im SiGe-Plan erfasst werden, sind rechtssicher geplant.

3. Absolut einfache Montage, Fachbetriebe müssen dazu nicht speziell zertifiziert werden.

4. Die Dokumentation des Geländersystems begrenzt sich auf ein Minimum.

5. Geländersysteme eines bestimmten Herstellers sind wartungsfrei und müssen nur alle 2 Jahre mit geringem Aufwand überprüft werden.

Müssen Architekten und Planer Absturzsicherungen planen?

Die Antwort lautet: Ja. In fast allen Landesbauordnungen wurde der §32 Dächer (8) der MBO übernommen. Danach sind „sicher benutzbare Vorrichtungen anzubringen“. Ergänzend fordern das ArbSchG und die BaustellV, dass erforderliche Maßnahmen zu treffen sind und die Gefährdung der Beschäftigten vermieden werden soll. Für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage müssen Unterlagen erstellt werden. Absturzsicherungen müssen also eindeutig bei der Planung berücksichtigt werden.

Geeignete Sicherungsmaßnahme

Die Entscheidung, welche Sicherungsmaßnahme sich eignet, ist vom Objekt abhängig. Hierzu hilft ein Blick in die DGUV-I 201-056 und auf das TOP-Prinzip (technisch vor organisatorisch vor persönlich). Kriterien für die Wahl des Absturzsicherungssystems sind nicht nur die Personen, sondern auch die Regelmäßigkeit einer Dachbegehung. Das heißt: je geringer PSAgA-geschult die Personen sind oder je öfters die Dachflächen betreten werden, desto hochwertiger muss die Sicherungsmaßnahme sein.

Das verdeutlicht dieses Beispiel: Dächer mit extensiver Begrünung oder/und Solaranlagen werden voraussichtlich von Personen atypischer Dachberufe mindestens 2 Mal pro Jahr – wahrscheinlich häufiger – zur Pflege, Wartung, Reinigung oder auch für kleine Reparaturen begangen. Daher ergibt sich die Ausstattungsklasse 3 (siehe Tabelle). In diesem Fall soll also die Sicherung durch Geländer erfolgen.

Bei Geländern zu beachtende Regelwerke

Als Mindestanforderung für Geländer der Ausstattungsklasse 3 nennen die relevanten Regelwerke (DGUV-I 201-056 und DIN 4426) die DIN EN 13 374. Geländersysteme wie zum Beispiel BauderSECUTEC BARRIER erfüllen diese Norm. Hier und in der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A2.1 werden zum Beispiel Prüfkräfte, Abstände und Mindesthöhen genannt. Diese beträgt für Geländer 1 m. Ab einer Absturzhöhe von 12 m muss die Umwehrung sogar 1,10 m hoch sein. Ein sicherer Zugang auf Dachflächen ist ebenfalls vorzusehen.

Michael Duss

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 19/2020.