Markt 2013-05-07T00:00:00Z Konzertierte Aktion

Bei der vierten Auflage des Bundeskongresses setzten Dachdecker und Zimmerer in Freiburg auf einen bewährten Mix: Neben Fachvorträgen aus Technik und Unternehmensführung nutzten die Gewerke die Gelegenheit, sich mit einer Aktion für Kinder positiv in Szene zu setzen.


Michael Bliesner, der als Business Coach Handwerksbetriebe in Sachen Unternehmensführung berät, präsentierte zwei Themen während des Kongresses. Zunächst ging es um Strategien, der für viele allgegenwärtigen Situation des Preisdruckes zu entkommen. Bliesner skizzierte drei Ansätze: Bei der Qualitätsstrategie verengte Bliesner den Blick auf das Verhalten vieler Unternehmer: „Handwerksmeister stapeln viel zu oft viel zu tief und gewähren zu schnell Preisnachlässe.“ Als Vergleich erinnerte Bliesner an selbstverständlich akzeptierte Preisunterschiede im Automobilmarkt: „Niemand geht in ein BMW-Autohaus mit der Erwartung, Fiat-Preise zu bezahlen.“ Der Referent empfahl daher, Aufträge auch mal abzulehnen.

Grenzen der Wärmedämmung



Wer beim so häufig gehörten Schlagwort "Nachhaltigkeit" gedanklich schon abschaltete, verpasste den sehr aufschlussreichen Vortrag des Architekten und Sachverständigen Matthias Zöllner. Zöllner zeigte zunächst anschaulich auf, wie der Begriff in der Diskussion oft und irreführend auf die Maximierung des Wärmeschutzes verengt wird. Zwei wesentliche Punkte stellte der Referent in den Mittelpunkt: Zum einen die Frage, wie dauerhaft und zuverlässig die Konstruktionen sind, zum anderen der sinkende Grenznutzen von Wärmedämmmaßnahmen in Abhängigkeit von Bauart und Nutzerverhalten.   Norbert Kuri und Stephan Hielscher vom Kompetenzzentrum Bau Bühl beschäftigten sich mit der nachhaltigen Sanierung durch elementiertes Bauen und hier speziell durch vorgefertigte, großformatige Holzrahmenbauteile. Im zweiten Teil zeigten sie anhand eines Objektberichtes – der Sanierung eines Internatsgebäudes in Bühl – die praktische Umsetzung. Zudem haben sie eine Arbeitshilfe erarbeitet in denen die Details des elementierten Bauens erläutert werden.

Universalgenie Führungskraft? 

  Michael Blümmerstede erläuterte die unterschiedlichen Rollen von Vorgesetzten und Führungskräften auf: „Eine Führungskraft ist Moderator, Vorgesetzter, Fachkraft, Coach, Trainer, Unternehmer und Mitarbeiter, das heißt eine Führungskraft muss ein Universalgenie sein.“ Um dies alles umzusetzen braucht es einen richtigen Führungsstil. Blümmerstede erläuterte verschiedene Führungsmodelle und deren Umsetzung. „Ein richtiger Führungsstil,“ so resümierte Blümmerstede, „ ist ein Mix aus allen Modellen“.

Parallel zur Delegiertentagung sprach Coach Andrea Eigel über den gezielten Einsatz von „Frauenpower“. Jose Flume, schon Stammgast als Referentin des Bundeskongresses, erklärte ihren Zuhörern was man von den Fischhändlern des berühmten „Pike Place Merket“ in Seattle über Motivation und Kundenpflege lernen kann. Der emotionale Kunde „Stellen Sie Zwischenfragen, bestätigen Sie das Gehörte, fassen Sie das Gesagte zusammen, hören Sie aktiv hin, achten Sie auf eine offene Körperhaltung, halten Sie Blickkontakt und machen Sie ein freundliches Gesicht.“, formulierte Karl Erdle, Dozent für Marketing, Vertrieb und Personalführung, die Quintessenz über das emotionale Verkaufen, die Kunst der emotionalen Kommunikation. „Werden Sie nicht zu emotional, bleiben Sie authentisch“, so sein weiterer Rat. Viele Abschlüsse scheiterten nicht an fehlenden oder falschen Eigenschaften der Produkte, sondern daran, dass keine positiven Emotionen beim Kunden geweckt wurden. Fast 100 Prozent der Kaufentscheidung fälle der Künde über sein Bauchgefühl, „deshalb ist es wichtig, dass der potentielle Kunde Sie mag.“


  Erdle sprach in seinem zweiten Vortrag darüber, welche Chancen für jeden Handwerker in der Reklamation eines Kunden liegen. Er appellierte eindrücklich, dieses für viele Handwerker unangenehme Thema zu nutzen, um die augenscheinlich getrübte Beziehung zum Kunden ins Positive zu wenden.


  Seinen Abschluss fand der Bundeskongress am Samstag. Die Zimmerer hielten ihre Obermeistertagung ab, die Dachdecker trafen sich zur ZVDH-Delegiertenversammlung. Die gehaltetenen Fachvorträge wurden von den Teilnehmern gut aufgenommen und besucht, zum Teil entwickelte sich zwischen Teilnehmern und Referenten auch ein reger Austausch. Kein Geheimnis ist, dass sich die Ausrichter weiterhin eine größere Teilnehmerzahl wünschen. Vor allem der in Freiburg erhoffte „Süd-Effekt“ auf die Anzahl der teilnehmenden Zimmerer blieb leider aus.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 10/2013.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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