PV-Anlage
Auf den ersten Blick eine gewöhnliche Dachfläche. Doch der aufgebrachte Kies und die nachträglich aufgebaute, aufgeständerte PV-Anlage sorgten für Verschattung und dem Dach fehlte das Rücktrocknungspotenzial – mit fatalen Folgen. Fotos: Gärtner

Flachdach

03. September 2020 | Teilen auf:

Kühl im Schatten

Immer noch werden insbesondere bei Wohnhäusern Holzdächer mit Vollsparrendämmung ausgeführt, ohne die bauphysikalische Problematik zu würdigen. Wir berichten über drei ähnlichen Flachaufbauten, bei denen die Bauphysik mit fatalen Folgen zugeschlagen hat. Hierbei soll deutlich werden, wie gefährlich sich eine Verschattung, wie sie zum Beispiel bei Grün- und Kiesdächern besteht, auswirken kann.

Es wurden bei allen Dächern schon bauherrenseits entsprechende Fehler und Defizite erkannt, teilweise waren Feuchteflecken und Schimmelpilzflecken in den Dächern, bei dem Gründach konnten Verformungen durch fehlendes respektive abgesenktes Holz in der Oberfläche schon von Weitem aus festgestellt werden.

Idealerweise werden einschalige Dächer mit Holzkonstruktionen ohne Verschattung und ohne Auflast verlegt und mit einer instationären Berechnungsmethode (zum Beispiel WUFI) nachgewiesen. Häufig scheitert der Nachweis an der diesbezüglichen Unkenntnis der Planer und Ausführenden bzw. an den Kosten der instationären Berechnungen.

Das Problem

Das aber schon kleine Fehler große Auswirkungen besitzen können, stellt sich bei den geschilderten Beispielen dar. Das Gründach als solches ist großflächig über der Dachfläche angeordnet und generiert dadurch andere bauphysikalische Verhältnisse im Schichtenaufbau. Die Problematik ist bei Kiesdächern ähnlich. Bei aufgeständerten Solaranlagen, die dann zum Teil auch noch nachträglich, also ohne Kenntnis des Dachdeckers, erstellt werden, entdeckt man dann nach einiger Zeit weitere Probleme. Da Solaranlagen zur Südseite ausgerichtet sind, ist es somit naturgegeben, dass die Solaranlage Schatten generiert.

Dadurch entstehen sogenannte Kälteseen, bei denen an der Unterseite der Schalung Feuchteakkumulationen entstehen, die meist zu Schimmelpilz und Fäule führen.

Die Analyse

Solche Dächer sind bauphysikalisch höchst problematisch und müssen bei der Planung schon entsprechend berechnet werden. Auch muss bei einer definierten instationären Berechnungsmethode berücksichtigt werden, dass eine Verschattungsfreiheit nicht gewährleistet werden kann, respektive es muss nachgewiesen werden, dass die Verschattung keine Schäden im bauphysikalischen Gefüge generiert.

Deshalb wird häufig zu der Sparrenvolldämmung eine Überdämmung der Schalung notwendig. An beiden nachträglich ausgeführten Solaranlagenaufbauten (siehe beispielsweise Aufmacher) ist eine deutliche Verschattung zu erkennen. Hinzu kommen noch Verlegefehler und bauphysikalische Defizite in der luftdichten Schicht und der Wärmedämmung. Die Fachregel (Merkblatt Wärmeschutz) weist deutlich darauf hin, dass Fehlstellen zwischen Wärmedämmung und Unterkante Schalung zu Tauwasserausfall führen können.

Je größer die Fehlstelle, desto größer wird auch der Tauwasserausfall sein

Bei einer Untersuchung der Dächer wurden klare Schimmelpilzkontaminationen festgestellt, teilweise in einer derart starken Form, dass schon Holz zerstörende Pilze die Struktur des Holzes bis hin zur Moderfäule zerstört haben.

Gut erkennbar (siehe Foto Seite 21) ist der Bereich, an dem frische Tauwassertropfen ausgefallen sind, weil die Wärmedämmung nicht ausreichend hoch appliziert ist. Die Holzfeuchte der gemessenen Teile insbesondere im Verschattungsbereich liegt über der Fasersättigungsgrenze und zeigt damit das hohe Gefährdungspotenzial an. Ein Austrocknen unter Kies oder im Schattenbereich ist somit nicht möglich.

Herbert Gärtner

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17/18/2020.