News 2010-07-07T00:00:00Z Kühlen Kopf bei heißen Themen

Eine Diskussionsrunde über Handwerkspolitik in Brüssel und Tipps für einen guten Vortrag waren die Schwerpunkte des Bayerischen Landesverbandstags. Wir fassen die Inhalte der "heißen" Veranstaltung zusammen

27 Grad im Schatten zeigte das Thermometer bereits um neun Uhr morgens in Bad Windsheim an. Im kühlen Kursaal begrüßte der stellvertretende Landesinnungsmeiser Kay Preissinger rund 150 Teilnehmer zum Landesverbandstag, zu der Handwerkskammerpräsident und Dachdeckermeister Hans Mosler Grußworte sprach: "Ich fühle mich sehr wohl unter den Kollegen und bin stolz darauf zur Dachdeckerfamilie zu gehören". Mosler ging auf die aktuelle Handwerkskampagne ein. "Wir müssen unseren jungen Menschen klar machen, dass sie im Handwerk Karriere machen können. 500.000 Lehrlinge werden ausgebildet, das wollen wir fortsetzen. Bis nächstes Jahr darf kein Meisterbetrieb mehr ohne den Slogan "Handwerk - die Wirtschaftsmacht von nebenan" fahren" ist Mosler überzeugt. Eine Podiumsdiskussion stand anschließend auf dem Programm. Moderator Günther Moosberger ließ die Kontrahenten Helmut Weiß, stellvertretender Landrat, Martin Kastler, Mitglied des Europaparlaments der CSU sowie ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider und Landesinnungsmeister Ewald A. Kreuzer aufeinander los.

Wie politische Abläufe gestaltet werden und wie in Brüssel Politik gemacht wird, diskutierten die Experten 90 Minuten lang. "1998 haben wir schon festgestellt, dass wir in Deutschland nicht die besten Politiker nach Brüssel entsandt haben das hat sich zum Glück geändert. Wir haben gelernt, dass in Brüssel Politik gemacht wird. Vor allem in den Arbeitsgruppen werden die Entscheidungen getroffen", berichtete Kreuzer aus Erfahrung. Auch Helmut Weiß unterstrich, dass die Prozesse von Europa nach Deutschland kommen und oft im Grunde nur abgenickt werden. Martin Kastler verdeutlichte, wie viel rechtliche Kleinarbeit die Mitglieder des europäischen Parlaments beherrschen. "Wir als Deutsche satteln oft noch auf europäisches Recht darauf, das liegt leider in unserer Mentalität". Positiv sei allerdings die Verbindung zum ZDH, "hier werden wir frühzeitig mit Informationen gefüttert, das ist sehr fruchtbar", so Kastler. Welche unsinnigen bürokratischen Verordnungen in Brüssel allerdings immer noch wüten, verdeutlichte Karl-Heinz Schneider beispielhaft beim Thema Transport.Im Grunde waren sich alle Beteiligten einig: Handwerksverbände müssen ihren Einfluss auf die Europapolitiker weiter ausbauen für eine anregende kontroverse Diskussion hätte der Moderator sorgen müssen.

Zitate und Anekdoten sorgen für Aufmerksamkeit

Wer geglaubt hatte, über Rhetorik sei bereits alles gesagt worden, sah sich getäuscht. Provozierend und anschaulich zugleich sprach René Borbonus über die Kunst der richtigen Rede und Kniffe gegen "Ja aber Sager". "Wenn Sie wollen, dass Informationen ankommen, dann sprechen Sie möglichst kurz. Der Einstieg ist das wichtigste egal ob das ein Vortrag ist, oder ein Verkaufsgespräch". Borbonus demonstrierte gekonnt, welche Effekte unkonventionell Einstiege erzielen. Also nicht: "Vielen Dank, dass Sie so zahlreich erschienen sind" oder "Wir haben uns heute hier versammelt" - das nimmt das Tempo und stimuliert nicht zum Zuhören. "Erzählen Sie eine Anekdote, die Ihnen wirklich passiert ist, so stellen wir Kontakt her, das macht neugierig, am besten sachorientiert". Borbonus endete frei nach Dieter Nuhr: "Ein guter Redner bringt sein Publikum nicht zum applaudieren. Ein guter Redner bringt sein Publikum zum Schweigen". Die Teilnehmer dankten es ihm mit einem kurzen Schweigen und langem Applaus. Weitere Infos zum Referenten unter: www.rene-borbonus.de. Das Thermometer zeigt mittags mittlerweile 38 Grad im Schatten. Dennoch fanden sich genügend Dachdecker, die in Begleitung ihrer Frauen die Führung durch die Altstadt und den Kurpark besuchten, um danach rechtzeitig zum Public Viewing den Trumpf der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Argentinien zu erleben. Mit einem zünftigen Grillbuffet in der Schankwirtschaft "Weinbergshof" ging die Party weiter. Die heiße Veranstaltung ging mit der Mitgliederversammlung am Sonntag zu Ende.

Einen ausführilchen Beitrag lesen Sie in DDH 15/2010

.

Johannes Messer

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
Newsletter