Immer mehr Planer kombinieren die eher kalt wirkenden Metallflächen mit dem farbenfrohen Grün einer Dachbegrünung. Sie geben so dem Gebäude eine ganz besondere Note. Doch dazu sind spezielle Vorschriften zu beachten.
Oft werden große Gebäude mit Dächern aus Metall belegt, da kaum eine andere Deckungsart die großen Spannweiten und geschwungenen Linienführungen bewerkstelligen kann. Die Verbindung mit einer Dachbegrünung kann sich dabei aus folgenden Gründen anbieten:
* Steigerung der optischen Wirkung durch den Gegensatz Grün und Metall. Dabei kann das Dach komplett oder auch nur zum Teil begrünt sein.
* Nutzung der Vorteile eines Gründaches, insbesondere die Wasserrückhaltung. Der Abflussbeiwert einer Metalldeckung von 1,0 kann durch die Begrünung auf > 0,5 gemindert werden.
Verhinderung der zu starken Aufheizung im Hochsommer (Hitzeschild).
Ausschalten eines möglichen Trommeleffekts bei Starkregen und Hagel (zusätzlicher Schallschutz).
Minderung der Schallreflexion.
Bei einer Aluminiumdeckung kann der Dachaufbau folgendermaßen aussehen: Holz oder Trapezprofil als Tragschale, Dampfsperre, Wärmedämmung, Alu-Profiltafeln. Metalldeckungen aus Titanzink und Aluminium sind in der Regel Leichtdächer, die keine hohen zusätzlichen Lasten zulassen. Die Begrünung darf meist Gewichte von etwa siebzig Kilogramm im wassergesättigten Zustand nicht überschreiten. Für Metalldeckungen kommen meist Aluminium-, Titanzink-, Kupfer- oder seltener Edelstahldächer zum Einsatz. Edelstahldächer werden an den Stößen verschweißt, die anderen Metalldeckungen wie Titanzink und Aluminium werden kraftschlüssig miteinander verbunden, so dass Sie zumindest wasserdicht und nach Herstellerangaben wurzelfest sind; allerdings ohne Prüfung nach den Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL-Dachbegrünungsrichtlinien). Alle Dächer sind grundsätzlich gegen Huminsäuren und Mikroorganismen geschützt und damit korrosions- und alterungsbeständig.
Metalldächer ohne verschweißte Nähte sind aufgrund ihrer mechanischen Verbindung (Verbördelung der Stege) wasserdicht und nur in der Kombination mit einem Mindestgefälle von 1,5 Prozent. Je nach Fließlängen, das heißt Abstand First zu Traufe, können auch größere Gefälle notwendig werden. Wasserrückstau könnte bei den Stößen, insbesondere bei den T-Stößen zu Undichtigkeit führen. Aus diesem Grund muss bei begrünten Metalldeckungen eine schnelle und zuverlässige Abführung des Überschusswassers gewährleistet sein. Erreicht werden kann dies beispielsweise durch Dränplatten aus Hartkunststoff oder Dränagematten aus Wirrgelege. Das Filtervlies kann dabei schon auf die Dränageplatte oder matte kaschiert sein oder als separate Lage extra aufgebracht werden.
Das Substrat wird in der Regel in geringer Dicke von etwa sechs bis acht Zentimeter auf dem Filtervlies aufgebracht, um eine Moos-Sedum-Vegetation etablieren zu können. Diese Vegetationsform ist pflegeleicht und entwickelt nur kurze Wurzeln. Damit das Überschusswasser des Substrates die Metalloberfläche beziehungsweise deren gebildeten Oberflächenschutz aus Zinkoxid nicht angreift, darf das Substrat keinen pH-Wert über 7 (alkalisch) aufweisen und sollte sich im Bereich eines pH-Wertes von 5-7 (sauer) bewegen. Die Vegetationsaufbringung erfolgt per Sprossenaussaat, Pflanzung oder Vegetationsmatten. Bei Metalldächern, bei denen die Stege der Profile aus dem Substrat herausragen, dürfen keine Vegetationsmatten verwendet werden, da diese nicht vollflächig auf dem Substrat aufliegen können, sich Hohlräume bilden und die Pflanzen so nicht einwurzeln können. Langzeiterfahrungen von Metalldeckungen mit Begrünungen liegen nicht oder nur in geringem Maße vor. Die FLL-Dachbegrünungsrichtlinie geht in ihrem Gelbdruck (der Weißdruck wird in wenigen Wochen veröffentlicht) auf Metalldächer nicht ein.
Gunter Mann