Steildach 2011-05-17T00:00:00Z Lager der Genossen

Das ehemalige Lagerhaus in Geislingen an der Steige wurde zum Bürogebäude umgebaut. Der historische Charme des 1921 errichteten Gebäudes blieb dabei weitgehend erhalten - trotz moderner technischer Ausstattung und Niedrigenergiehaus-Standard.

Bis 1989 diente das viergeschossige, quadratische Gebäude den umliegenden Landwirten als genossenschaftliches Lagerhaus für Getreide, Kartoffeln und Kunstdünger. Es gilt als eines der frühen Beispiele dieser Bauform und befand sich noch nahezu vollständig in originalem Zustand. Doch nach über zwei Jahrzehnten Leerstand drohte allmählich der Verfall. Um das Industriedenkmal zu retten, schrieb der Besitzer, die Alb-Elektrizitätswerk Geislingen-Steige eG, einen Ideenwettbewerb für eine moderne Umnutzung aus, den die Architektin Martina Stahl für sich entscheiden konnte. Sie führte die umfangreiche Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Volker Sawall durch.

Gebäude im Bestand

Unter- und Erdgeschoss sind als Eisenbetonkonstruktion ausgeführt. An der Ost- und Westfassade ist jeweils über die gesamte Gebäudelänge eine nur ein Meter schmale, vollständig überdachte Rampe vorgelagert. Diese Rampen dienten ursprünglich der Anlieferung per Eisenbahn oder LKW. Das erste bis dritte Obergeschoss besteht aus einer mit Holzschindeln verkleideten Fachwerkkonstruktion mit Vorsprüngen. Allseitig symmetrisch angeordnete Fenster gliedern die Fassaden optisch und lockern das Erscheinungsbild des Gebäudes auf. Darüber erhebt sich ein Walmdach mit Gauben und achteckigem Aufsatz als Lüftungslaterne.

Marode Holzschindelfassaden

Erst nach dem vollständigen Abdecken des Daches wurde das gesamte Ausmaß der Schäden an der Holzkonstruktion sichtbar. Die Dachbalken selbst befanden sich noch in recht gutem Zustand. Im Bereich der Dachgauben mit teilweise maroden Holzschindelfassaden waren die Hauptschäden zu beklagen, besonders im Bereich der Brüstungsriegel und Fensterpfosten. Auch der achteckige Laternenaufsatz war in sehr schlechtem baulichem Zustand. Die Holzschindeln lösten sich teilweise ab und erfüllten keinerlei Schutzfunktion.

Turm in neuem Gewand

Die Fachwerkkonstruktion der achteckigen Laterne konnte weitgehend erhalten bleiben. An der Westseite des Turms war aufgrund von Witterungseinflüssen die Tragkonstruktion jedoch so stark geschädigt, dass der Turm abgesackt war. Die Tragkonstruktion musste um acht Zentimeter gehoben und die Fensterriegel mussten erneuert werden. Wegen der Schlagregenbeanspruchung sowie der nachträglich eingebauten Wärmedämmung erhielt der Turm einen neuen Wandaufbau. Auf der vorhandenen Tragkonstruktion wurde nach außen eine Holzfaserdämmplatte angebracht, darüber eine diffusionsoffene Fassadenmembran (Stamisol). Die winddichte, freibewitterungsfähige Fassadenmembran auf Polyacrylbasis ist UV-beständig und besonders für Holz- und Metallfassaden geeignet. Als Abdichtungsmaterial für offene oder geschlossene hinterlüftete Fassaden schützt sie sowohl die Dämmung als auch den Rohbau vor Feuchtigkeit. Abschließend folgte wieder die Bekleidung mit neuen Holzschindeln. Im Anschlussbereich zwischen Laterne und Hauptdach montierten die Dachdecker zuvor ein Titanzinkblech, das von den Schindeln überlappt wird.

Auf der Innenseite des Daches befestigten die Dachdecker Dampfbremspapier (pro clima DB+). Die darüber liegende Lattung (dreißig mal fünfzig Millimeter) dient als Trägerkonstruktion für die Bekleidung mit Gipsfaserplatten, malfertig verspachtelt. Die Fachwerkkonstruktion wurde mit Zellulosefasern (isofloc) gedämmt. Das Dampfbremspapier muss an den Stößen und Anschlüssen mit speziellen Klebebändern sorgfältig verklebt sein, um zu vermeiden, dass vor allem im Winter warme Innenraumluft unkontrolliert entweichen kann. Warme Luft transportiert Feuchtigkeit, die innerhalb der Konstruktion als Tauwasser ausfällt und langfristig zur Durchfeuchtung der Wärmedämmung führen würde und infolgedessen zu Bauschäden.

Dach mit Büronutzung

Der zweigeschossige Dachstuhl mit Lüftungslaterne und Gauben blieb in seiner originalen Konstruktion weitgehend erhalten. Nach Abstimmung mit der Denkmalpflege konnten nachträglich Dachflächenfenster eingebaut werden, um mehr Tageslicht in die Räume zu bekommen. Im ersten Dachgeschoss befindet sich heute ein Großraumbüro, das zweite Dachgeschoss mit Turmstube wurde zum Besprechungsraum ausgebaut.

Wärmedämmung aus Zellulose

Entsprechend den neuen Nutzungsanforderungen erhielt das Dach, ebenso wie die Laterne, eine Zwischensparrendämmung mit Zellulosefasern (isofloc). Der Vorteil ist, dass sich der Dämmstoff lückenlos an vorhandene Unebenheiten anpasst. Um eine Dämmstärke von 22 Zentimetern zu erhalten, wurden die Sparren aufgedoppelt. Auf den Sparren verlegten die Handwerker Unterdachplatten DWD, darauf die Konterlattung und Lattung jeweils mit einem Querschnitt von dreißig mal fünfzig Millimetern. Abschließend erfolgte die Eindeckung der Dachfläche mit naturroten Biberschwanzziegeln.

Von innen sind die Schrägen mit 12,5-Millimeter-Gipsfaserplatten beplankt und malfertig verspachtelt. Darunter befestigten die Dachdecker zuvor ein Dampfbremspapier (pro clima DB+) mit darüber liegender Lattung (dreißig mal fünfzig Millimeter) als Trägerkonstruktion für die Gipsfaserplatten.

Anne Fingerling

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 09|2011.

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
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