Steildach 2011-11-18T00:00:00Z Lebensart Altdeutsch

Sie fahren edle Autos, tragen wertvolle Uhren, lieben feines Leder. Und ihr Haus? Es trägt eine Altdeutsche Deckung aus Moselschiefer. Die Bauherren für ein solches Dach sind schnell erkannt - wir geben Tipps für die Beratung.

Die Villa in Bad Honnef steht in einer ruhigen Seitenstraße. Sie wird im Vorbeifahren so wahrgenommen, als hätte sie schon immer dort gestanden. Erst bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Neubau als klassisch gestaltet und ästhetisch detailliert. Edle Sandsteingewände, präzise gestaltete Gartenwege, liebevoll organisiertes Grün und darüber ein seidig glänzendes dunkles Dach in Altdeutscher Deckung mit Moselschiefer gedeckt.  

Nicht selten bieten Dachdecker anspruchsvollen Bauherren preiswertere Dachbaustoffe und Details an. Auch bei Schiefer werden manchmal andere Deckarten angeboten, obwohl vielleicht die Altdeutsche Deckung die passendere Wahl wäre. Dächer sind nicht nur ein Teil unserer Baukultur, sie spiegeln auch die kulturellen Werte und das Ansehen der Bauherren wider. Und dennoch stehen viele edle Limousinen unter nicht standesgemäßen Dächern.

Inszenierung eines Daches

Das Dach dieser Villa besteht aus drei unterschiedlich geneigten Dachflächen. Im Mittelpunkt der Dachlandschaft steht die 72° geneigte Mansarde. An der Traufe beginnt diese Fläche mit einem 45° geneigten Aufschiebling. Das Oberdach ist 35° geneigt und geht nach einem weiteren Mansardknick in ein 7° geneigtes Kupferdach über.

Die Krönung des Daches bildet eine vom Boden aus kaum wahrnehmbare Laterne. Sie belichtet den innenliegenden Lichthof. Darüber hinaus werden die Wohnräume des Dachgeschosses über 6 kleine und 5 große Tonnengauben belichtet. Ein zentraler Mittelrisalit mit 2 flankierenden Säulen bestimmt die Eingangssituation. Über diesem exponierten Gebäudeteil komprimieren sich alle Gestaltungselemente des großen Daches nochmals auf kleinster Fläche.

Die steile Mansarde, das ist das Wesen eines Mansarddaches, ist zusammen mit den Gestaltungselementen der Fassade, dem Putz, den Sandsteingewänden und Sockeln, den Gesimsen, den Fenstern und den Fensterläden, die Visitenkarte des Gebäudes. Dazu gehört selbstverständlich auch die Wahl einer zur Maßstäblichkeit des Gebäudes und des Daches mit seiner Detaillierung passenden Schiefergröße. Die Entscheidung fiel auf Schiefer mit normalem Hieb der Sortierung 1/16 bis 1/32 (an der Mansarde) und 1/4 bis 1/8 (Oberdach). Auf dem relativ flach geneigten Oberdach des Mittelrisaliten wurde gar eine Doppeldeckung mit regensicherem Unterdach verlegt.

Die Mansarddachfläche beginnt an der Traufe mit einer kupfernen Regenrinne und erkennbaren kupfernen Rinneneinlaufblechen. Der Aufschiebling verleiht dem Dach eine elegante Leichtigkeit. Die Schieferdeckung beginnt auf den Rinneneinlaufblechen mit einem Reparaturgebinde. Darüber setzt das Fußgebinde an. Den Knick des Aufschieblinges nimmt die kleinteilige Deckung problemlos auf und schafft einen kaum spürbaren harmonischen Verlauf und Übergang der Deckung in die steilere Mansarddachfläche. Auf den Süd- und Westdachflächen ist das Dach links gedeckt, die Ost- und Nordflächen sind rechts gedeckt. Die Orte sind als lange Anfangorte mit Stich-, Zwischenort- und Ortstein, die Endorte als Doppelendorte ausgeführt. Unter dem Mansardknick endet die Schieferdeckung mit einem Firstgebinde.

Gerard Halama

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 23.2011

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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