Die Dachdecker- und Zimmerer-Innungen aus Köln haben fusioniert. Auf der ersten gemeinsamen Innungsversammlung wurde Manfred Schröder als neuer Obermeister gewählt. Im Interview mit DDH schildert Schröder das Vorgehen und die gemeinsamen Ziele.
Herr Schröder, die beiden Kölner Innungen der Dachdecker und der Zimmerer teilen sich seit einigen Jahren ein Bürogebäude in Köln. Zumindest räumlich arbeiten sie bereits eng zusammen. Welche inhaltlichen Veränderungen in Ihrer Innungsarbeit versprechen Sie sich von der Fusion?
In dem Bürogebäude der Dachdeckerinnung und der Straßenbauerinnung, Köln, unterhalten diese beiden Innungen sowie die Zimmererinnung eine jeweils eigenständige Geschäftsführung mit entsprechenden Vorständen. Die Kosten werden bisher durch einen ermittelten Verteilerschlüssel auf die jeweiligen Innungen verteilt. Nach der Fusion wird es einen neuen Verteilerschlüssel geben, dann aber nur noch zwischen der Straßenbauerinnung und der neu entstandenen Innung "Dachdecker- und Zimmererinnung Köln". Es werden einige Bereiche zusammengefasst. Wesentliche inhaltliche Veränderungen sind zurzeit nicht zu erwarten, zumal die Fachbereiche im Zimmerer- als auch im Dachdeckerhandwerk bestehen bleiben.
Welche Vorteile ergeben sich aus Ihrer Sicht für die Mitglieder Ihrer beiden Innungen durch die Fusion?
Wir haben bisher in der Dachdeckerinnung ein hohes Leistungsangebot für unsere Mitglieder. Das werden wir auch in Zukunft erhalten. Die Zimmerer werden dann dieses Leistungsangebot, wenn noch nicht erfolgt, komplett nutzen können. Die Zimmererbetriebe werden als Mitglied der neuen Innung am Vermögen der Dachdeckerinnung, einschließlich Hausanteile, beteiligt werden.
Welche Auswirkungen hat die Fusion auf die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der beiden Obermeister?
In der fusionierten Innung stellen die Bedachungsbetriebe rund achtzig Prozent der Innungsmitglieder. Vor diesem Hintergrund haben sich beide Vorstände während der Fusionsverhandlungen darauf geeinigt, dass der Obermeister aus dem Bereich des Dachdeckerhandwerks kommen soll. Am 1. Juli 2010 erfolgte eine komplette Neuwahl auf der Basis der neu erstellten Satzung. Demnach gibt es einen Obermeister und zwei stellvertretende Obermeister. Diese beiden Stellvertreter sind jeweils aus dem Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk gewählt worden. Die Gesamtverantwortung für die Innung trägt der neue Obermeister.
Welche Veränderungen werden sich durch die Fusion bei der Ausbildung und bei der Gesellenprüfung der jeweiligen Handwerker ergeben?
Die Dachdeckerinnung hat einen innungseigenen Gesellenprüfungsausschuss. Der Gesellenprüfungsausschuss der Zimmererinnung ist bei der Handwerkskammer angesiedelt. Die Ausbildungsverordnungen für das Dachdecker- und Zimmererhandwerk werden durch diese Fusion nicht beeinflusst und sollen wie bisher beibehalten werden. Eine der wesentlichen Aufgaben der Innungen ist die Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder.
Was sind die gemeinsamen gewerblichen Interessen von Dachdeckern und Zimmerern und wie schaffen Sie nach der Fusion dennoch eine sinnvolle Abgrenzung zwischen den beiden Gewerken?
Die Grundlage und die Erörterung vor der Fusion waren Gemeinsamkeit oder Annäherung in vielen Teilbereichen der jeweiligen Berufsgruppe. Diese werden jetzt noch intensiver am Markt dargestellt werden können, da eine Verstärkung der Leistung für den Kunden aus einer Hand mehr in das öffentliche Interesse tritt und damit eine Zunahme erfahren wird. Die Abgrenzung der einzelnen Berufe Dachdecker und Zimmerer ist in der Meisterprüfungsverordnung und in den weiteren jeweiligen fachlich bezogenen Verordnungen geregelt. Nach jetzigem Stand wird sie auch in Zukunft keine Veränderungen erfahren. In der Öffentlichkeit werden die beiden Gewerke in gemeinsamen Marktsegmenten, zum Beispiel Energieeinsparung und Wärmedämmmaßnahmen, mehr in den Vordergrund rücken. Dies war aber auch in der Vergangenheit schon die Ausrichtung der beiden Innungen.
Das oberste Ziel der neu geschaffenen Innung ist es, die Leistungsstärke der bisherigen Innungsarbeit zu erhalten und, wenn möglich, in Teilbereichen zu steigern. Wir sind der Meinung, daß wir mit der Fusion der Dachdecker- und Zimmerer-Innung einen wesentlichen Schritt in eine erfolgreiche Zukunft getan haben, zum Nutzen der einzelnen Betriebe, aber auch in der Darstellung der beiden Berufe.