Das Raunen im Rahmen des bombastischen Feuerwerks galt der gesamten Veranstaltung. Baden-Württembergs Dachdecker feierten auf einem beeindruckenden Verbandstag das 112jährige Bestehen der Dachdecker-Innung Karlsruhe - und zu Recht sich selbst.
Als "heiße Party 112" wurde der diesjährige Landesverbandstag Baden-Württemberg in Bruchsal angekündigt. Anlass war das 112jährige Bestehen der Dachdecker-Innung Karlsruhe. Eins, Eins, Zwo - das ist doch die Feuerwehr, so begangen die kreativen Ideen der Verantwortlichen ein geeignetes Motto für die Tagung und die Feier zu finden. Daraus entstand eine Fachveranstaltung, eine Party und eine Öffentliche Tagung durch die sich ein konsequenter roter Faden zog: Feuer und Brandschutz. Den Auftakt dazu bildete der Fachkongreß "Brandsicherheit und Brandschutz" im Bürgerzentrum Bruchsal. In zahlreichen Kurzvorträgen beleuchteten die Referenten diese Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln.
Im Fokus: Brandvermeidung und Brandschutz
Kurt Michels vom Bundesbildungszentrum in Mayen eröffnete den Vortragsreigen mit der Beantwortung der Frage "Wer regelt was in Sachen Harte Bedachung?". Er erläuterte die Anforderungen an den baulichen Brandschutz für das Bauteil Dach. Außerdem erklärte er die relevanten Formulierungen der Landesbauordnungen sowie der nationalen und europäischen Normung. Holger Krüger von der Firma Bauder und Mathias Bischof von Rockwool beschäftigten sich mit den Brandvorschriften und deren Umsetzung im Bauteil Dach. Lebensrettendes zur Brandvermeidung und zum Verhalten bei Bränden aus der Sicht der Feuerwehr schilderte Thomas Finis, Abteilungsleiter Bauwesen und Strukturfragen der Landesfeuerwehr Baden-Württemberg. Mit eindrucksvollen Bildern und kurzen Filmen zeigte der Brandsachverständige Dr. Andreas Pfeiffer Brandschäden aus der Praxis. Sein Schwerpunkt waren Heißarbeiten an Bitumenbahnen und neue Gefahren durch das Glimmen von Holzweichfaserplatten. Wenn es dann doch gebrannt hat, ist das ein Fall für den Schadensregulierer der Versicherungen. Werner Lutz von der Signal Iduna Gruppe zeigte den zahlreichen Teilnehmern den Verlauf solcher Regulierungsfälle. Besonderen Respekt hatte sich Bedachungsunternehmer Dieter Maaßen verdient, der über einen spektakulären Brandfall seines Unternehmens berichtet. Bei Arbeiten an der zweitgrößten Kirche in Düsseldorf entstand durch eine Verkettung kaum vorhersehbarer Umstände ein Großbrand mit Millionenschaden.
Keine Lust auf Krise
Die abendliche Party mit über 500 Teilnehmern war sicherlich ein Highlight im Reigen der Verbandstags-Festabende. Die Akrobatik und Showband Me and the heat, der deutsche "Paul Potts", ein gigantisches Feuerwerk, eine Feuershow und tanzlustige Gäste feierten in der Übungshalle der Landesfeuerwehrschule Bruchsal eine Party, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die positive Stimmung nahmen Verantwortliche und Gäste mit in die Tags darauf folgende Öffentliche Tagung, die den Schlusspunkt des Verbandstages bildete. Auch hier ließ Landesinnungsmeister Hans-Peter Kistenberger in seiner Begrüßungsansprache erst gar keine Krisenstimmung aufkommen: "Wenn Sie jetzt erwarten, dass meine Aussagen zur Situation des Dachdecker-Handwerks in Baden-Württemberg ebenfalls unter dem Motto "112" laufen, muss ich Sie enttäuschen. Für das Dachdeckerhandwerk hat die Konjunkturkrise noch nicht begonnen und ich sehe sie auch zukünftig nicht." Zwar gebe es, so Kistenberger, natürlich regionale und strukturelle Unterschiede, insgesamt sei die Lage der Betriebe in Baden-Württemberg allerdings gut. Dennoch habe das Bauhandwerk konkrete Forderungen an Politik, Kommunen und Handwerksvertretungen. Dazu gehöre unter anderem die Zahlungsmoral der Öffentlichen Hand zu verbessern und auf die Anwendung des Vergabeerlasses des Bundesministeriums für Bau- und Städteentwicklung zur reibungsloseren und schnelleren Auftragsvergabe zu drängen. Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung seien Grundprobleme der deutschen Bauwirtschaft, deren Lösung immer noch anstehe.
Lobend erwähnte Kistenberger die nach wie vor hohe Ausbildungswilligkeit des baden-württembergischen Dachdeckerhandwerks. Landesweit werden 400 Auszubildende betreut. Kistenberger beendete seine Rede mit dem Schlagwort des Jahres. "Yes, we can" und bezog es auf das Dachdeckerhandwerk:"Dachdecker - wir können das, das soll uns Mut machen für 2009 und die kommenden Jahre." Grußworte überbrachten Bruchsals Oberbürgermeister Bernd Doll, Creaton-Chef Alfons Hörmann und ZVDH-Vizepräsident André Büschkes. Büschkes ging in seiner Ansprache auch auf die politischen Forderungen der deutschen Bauwirtschaft im Vorfeld der Bundestagswahl ein.
Er erwähnte die drei Komplexe:
1. Geringerer Mehrwertsteuersatz für Handwerkerleistungen
2. Erhöhung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Handwerkleistungen auf 20.000 Euro.
3. Den Schwellenwert für die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzes auf 20 Mitarbeiter zu erhöhen.
Prominentes Geburtstagskind
Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech ließ es sich trotz seines Geburtstages nicht nehmen, die Festrede zum Verbandstag der Dachdecker zu halten. Seine Freude galt der geäußerten Zuversicht der Dachdecker, obwohl er ein recht düsteres Szenario der Krise an den Finanzmärkten malte: "Die Krise hat Ausmaße erreicht, die wir uns alle vor kurzem noch nicht vorstellen konnten. Weltweit stand das Finanzsystem vor dem Kollaps. Das was die Internationalen Regierungen jetzt tun, tun wir nicht um die Banken zu retten, sondern um die Volkswirtschaften zu retten." Natürlich ließen ihn die Verantwortlichen des Landesverbandes Baden-Württemberg nicht ohne Geburtstagsgeschenk wieder abreisen. Und so überreichte ihm das Ehepaar Kistenberger einen Feuerwehrkrug von 1893. Damit fand der Verbandstag "112" einen passenden Abschluss.
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Ehrennadeln und Meistersterne
In Bruchsal überreichte Innenminister Heribert Rech MdL (rechts) Karl-Heinz Krawczyk die Auszeichnung "Meisterhaft" mit 5 Sternen.
Im Rahmen der Öffentlichen Tagung des Landesbandes Baden-Württemberg wurden folgende Ehrungen ausgesprochen:
Alfons Hörmann, Vorstandsvorsitzender von Creaton erhielt die Goldene Ehrennadel mit Eichenlaub.
Ulrich Senn, Vorstandsmitglieder der Innung Karlsruhe erhielt die silberne Ehrennadel.
Heinz Kerberin, Leiter des Dachdecker-Einkaufs Karlsruhe erhielt ebenfalls die silberne Ehrennadel.
Die ersten 5-Sterne Meisterhaft Zertifizierungen im Verband Baden-Württemberg erhielten die Dachdeckerbetriebe Krawczyk, Rosendahl und Eckert.
Elke Herbst