News 2010-04-26T00:00:00Z Letzte Runde vor dem Jubiläum

(2.02.2009) Fachwissen aus der Praxis und das Wiedersehen mit früheren Meistermitschülern diese Kombination zieht Dachdecker seit 29 Jahren in den Bayerischen Wald. Die fachtechnischen Beiträge dabei machten deutlich: Die Folgen des Klimawandels haben die Arbeit der Dachdecker längst erreicht.

Nach dem morgendlichen Fototermin mit Vertretern der lokalen und Landespolitik begrüßte der Vorsitzende der Dachdeckermeisterschüler (DMS) Franz Haberkorn am frühen Nachmittag die Teilnehmer und Ehrengäste im Bürgerhaus von Waldkirchen. Haberkorn dankte den Industriepartnern für ihre Unterstützung der Veranstaltung und zeigte sich erfreut über die "etwas bessere" Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr. Moderiert wurde die Tagung vom stellvertretenden DMS-Vorsitzenden Heribert Schuck, der als ersten Referenten den Kommunikations- und Verkaufstrainer Andreas Goedecke ankündigte. Gut gelaunt und mit viel Einsatz war Goedecke in seinem Vortrag dem "Geheimnis Mensch" auf der Spur. Sein Lösungsansatz: Menschen lassen sich in vier Grundtemperamente aufteilen dominant, begeistert, sicherheitsorientiert und genau.

"Das richtige Auftreten" wollte der Rhetoriktrainer Stephan Maschuw in seinem zweiteiligen Vortrag den Zuhörern vermitteln. Dabei konzentrierte sich der Vortrag vor allem auf das Halten von Reden vor Publikum. Maschuw machte deutlich, dass es ganz wesentlich auf das Sprechtempo ankommt, will man verstanden werden: "100 bis 120 Wörter pro Minute sind das Maximum, was die Zuhörer aufnehmen können. Benutzen Sie viele Hauptsätze." Als Praxisübung für den zweiten Teil am folgenden Tag hatte sich Maschuw etwas Ungewöhnliches ausgedacht: Die Zuhörer bekamen die Aufgabe, in Vierer-Gruppen einen Redenauszug des US-Präsidenten Obama auf die Waldkirchener Meistertage umzuschreiben und dann die Rede zu halten. Die Dachdeckermeister Harald Sigl und Ulrich Leib meldeten sich als Freiwillige und hielten ihre "Präsidentenreden" versorgt mit Tipps vom Referenten und unter großem Applaus der Anwesenden. Abschließend gab Maschuw Hinweise für die Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden.

Beschlossen wurde der Abend feierlich in der Eishalle trafen sich Dachdecker und Ortansässige zu "Waldkirchen on Ice". Beim traditionellen Eisstockschießen holte die Familie Reim einen Doppelsieg, Vater Michael Senior auf Rang zwei, der Junior auf Platz eins.

Der zweite Tag begann mit Fachtechnik. "Bemessung von Dachentwässerungen neue Richtlinien" stellte der Sachverständige Rainer Pieper (Sita) vor. Ausgangspunkt des Vortrags war der Klimawandel: "Durch den Klimawandel erwärmt sich die Luft und nimmt mehr Wasser auf. Die Folge sind vermehrte Starkregenereignisse, gegen die wir Flachdächer schützen müssen." Pieper stellte zunächst Systeme zur Druckentwässerung vor und gab Hinweise zur Verarbeitung.

Nach dem zweiten Teil des Rhetorik-Seminars informierte der Sachverständige Wilfried Krah unter dem Titel "Windsogsicherung an Gebäuden" anschaulich über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeit der Dachdecker. Krah führte aus, wie seit einigen Jahren die früher immer in die Karibik ziehenden Atlantikstürme vermehrt Richtung Europa abdrehen. Für die Sicherheit von einigen Solaranlagen fand der Referent kritische Worte: "Was beim Thema Solar zum Teil auf die Dächer montiert wird, ist abenteuerlich." Krah gab in der Folge Hinweise zur neuen Flachdachrichtlinie "kongruent zur DIN 1055" und beschrieb die Auswirkungen für die Umsetzung. Der Verarbeiter, so Krah, brauche künftig "viel mehr Auflast."

Rechtsanwalt Han Christian Jung, im Tandem mit Unternehmensberater Herbert Reithmeir ein langjähriger Waldkirchen-Referent, zeigte den Zuhörern in diesem Jahr, wie komplex das Thema Betriebsnachfolge ist. Anhand eines konkreten Beispiels der Sohn soll den Betrieb bekommen, die Frau die Immobilie, die Tochter eine finanzielle Absicherung zeigte Jung, wie schnell man seine Ziele verfehlen kann, wenn der Inhaber keinen Plan ausarbeitet.

Ein Bündel von Tipps zur Unternehmensführung präsentierte im Anschluss Herbert Reithmeir. Er stellte den Dachdeckern unter anderem die sogenannte "D&O-Versicherung" (Directors and Officers-Versicherung) vor, auch bekannt unter dem Namen Manager-Haftplichtversicherung, mit denen man sich gegen Sorgfaltpflichtsverletzungen absichern kann. Am Abschlusstag trafen sich die Teilnehmer mit den Referenten zum traditionellen "Jetzt red I" und nutzten die Chance für Fragen und allgemeine Diskussionen. Aus aktuellem Anlass hatten die Ausrichter einen Vortrag von Joachim Werner (Klöber) zu den neuen Produktdatenblättern in das Programm aufgenommen. Nach der Verabschiedung von Franz Haberkorn ließen die DMS‘ler die 29. Waldkirchener Meistertage mit einem Festabend im Bürgerhaus ausklingen.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 04/2009.

Waldkirchen 2010

Im nächsten Jahr feiern die Waldkirchener Meisterschüler das dreißigjährige Jubiläum ihrer Meistertage. Waldkirchen 2010, sind sich alle einig, soll etwas Besonderes werden. Die Vorbereitungen für die Jubiläumsveranstaltung laufen bereits: Um die finanziellen Möglichkeiten zu erweitern, wurde in diesem Jahr eine Tombola mit dachdeckertypischen Preisen wie Frankfurter Pfannen und Dachfenstern durchgeführt.

Entsprechend stand das Thema Jubiläum im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Dachdeckermeisterschüler (DMS). Um möglichst viel Resonanz zu erzeugen, gab der DMS-Vorsitzende Franz Haberkorn zu Protokoll, werde man schon jetzt mit dem Werben um Teilnehmer beginnen. Alle Mitglieder der DMS, auch die ausgeschiedenen, werden in Kürze angeschrieben. Ein weiterer Anreiz: Zu den nächsten Meistertagen sollen Klassentreffen organisiert werden, die Klasse mit den meisten Teilnehmern wird zu einem Ritteressen eingeladen.

Auch einige Aktionen haben die Waldkirchener für 2010 bereits beschlossen darunter ein eigens gebrautes Dachdecker-Bier und einen Dachdecker-Truck mit DJ am örtlichen Marktplatz.

Malte von Lüttichau

zuletzt editiert am 14. Januar 2021
Newsletter