2010-04-15T00:00:00Z Mehrlagig nicht erlaubt

Die Anforderungen an Wärmedämmsysteme beim Umkehrdach Teil 2

3. Mehrlagige Verlegung nicht zulässig

Bei der Verwendung von XPS als Wärmedämmung für das Umkehrdach müssen die Extruderschaumplatten eine Kantenprofilierung (z.B. Stufenfalz) haben und dürfen nur einlagig verlegt werden.

3.1. Kantenprofilierung

Bedingt durch die umgekehrte Bauweise, die Dämmung auf die Abdichtung zu legen und damit der Witterung auszusetzen, kann es beim bekiesten Umkehrdach im Extremfall (bei Wolkenbruch o. ä.) trotz Dachvlies und Auflast zu einem kurzeitigen Aufschwimmen der Extruderschaumplatten kommen. Damit es dabei nicht zum Schadensfall kommt, müssen die Extruderschaumplatten über eine Kantenprofilierung verfügen, um so verlegt werden zu können, dass eine Verbandwirkung entsteht. In Verbindung mit dem Dachvlies und der Auflast senken sich die Extruderschaumplatten nach Ablauf des Wassers wieder gleichmäßig ab und der Dachaufbau bleibt intakt.

Ein weiterer Grund für die Forderung nach einer Kantenprofilierung ist im Wärmeschutz zu finden. Durch die Kantenprofilierung fließt ein Großteil des Niederschlagswassers auf den Extruderschaumplatten ab, unterströmt damit nicht die Wärmedämmung und minimiert dadurch eventuelle Wärmeverluste und somit den Delta-U-Zuschlag.

3.2. Einlagige Verlegung

Wird beim Wärmedämmsystem Umkehrdach die Wärmedämmung zweilagig verlegt, so wird durch Diffusion und Niederschlag zwischen den Dämmstoffschichten Feuchtigkeit eingebracht. Dieser Feuchtigkeitsfilm wirkt wie eine Dampfsperre und behindert die Diffusion durch den Dämmstoff und damit das Ausdiffundieren der Feuchtigkeit aus den Extruderschaumplatten im Sommer. Dadurch kann die untere Dämmstofflage im Sommer nicht vollständig austrocknen. Die Folge ist eine Anreicherung von Feuchtigkeit in der unteren Dämmstofflage die bewirkt, dass die Dämmwirkung sich über die Jahre gravierend verschlechtert. Eine anschauliche Animation der bauphysikalischen Vorgänge finden Sie unter:

http://www.umkehrdach.com/fileadmin/Mediendaten/Animationen/DUK-A0.swf

4. Entwässerung

Neben den üblichen Anforderungen an die Entwässerung (nachzulesen in den Flachdachrichtlinien) müssen bei Umkehrdächern immer Entwässerungssysteme verwendet werden, die die Entwässerung sowohl auf den Extruderschaumplatten als auch in der Abdichtungsebene sicherstellen.

5. Verkleben der Dämmung

Eine Teilverklebung des Dämmstoffes auf der Dachabdichtung ist mit geeigneten Klebern punktweise möglich, kann aber den Wasserablauf auf der Dachabdichtung behindern. Zudem können dann temperaturbedingte Längenänderungen (ca. 0,07 mm/(m·K))der Extruderschaumplatten als Horizontalkräfte in die Dachabdichtung eingeleitet werden und zu Spannungen in der Dachabdichtung führen. Eine Verklebung des Dämmstoffes mit der Abdichtung ist nicht notwendig, birgt statt dessen Risiken und ist natürlich auch nicht wirtschaftlich. Ein Verkleben der Extruderschaumplatten untereinander ist möglich, wird in der Praxis aber nicht ausgeführt.

6. Sonderprodukte

Dämmplatten mit werkseitiger Mörtelschicht oberseitig (leichtes Umkehrdach) sind nur in Nut- und Feder-Ausführung erhältlich und dementsprechend zu verlegen. Diese Platten sind durch die verzahnte Verlegetechnik gegen Windsog gesichert, dadurch wird im Flächenbereich keinerlei zusätzliche Auflast erforderlich. Ausnahmen bestehen in Rand- und Eckbereichen.

Günter Rudolph

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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