Digitalisierung 2012-05-24T00:00:00Z Meisterstück im Netz

Dachdecker die tweeten, posten und liken? Was für die Einen klingt wie unfreiwillig komische Fremdwörter, haben die Anderen bereits als Vorteil für sich entdeckt.Wir werfen einen Blick auf die Social Media-Aktivitäten der Dachdeckerbranche.

Auf der Startseite des beliebtesten sozialen Netzwerks heißt es:"Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen." Eine Möglichkeit, die von Internet-Usern augenscheinlich gern in Anspruch genommen wird und das nicht zu sparsam: Sage und schreibe 4 Milliarden Inhalte werden täglich gepostet.

Bereits im letzten Jahr haben wir in Ausgabe 12.2011 über Dachdecker als Netzwerker berichtet. Für alle, die es noch nicht wissen, ist dort nachzulesen wie Facebook funktioniert. Nun nehmen wir die Branchenentwicklung im Bereich Social Media genauer unter die Lupe.

War das Networking früher eine Sache für Privatleute, wagen sich heute auch mehr und mehr Unternehmen in den Bereich Social Media vor. Dies nicht ohne Grund, denn Facebook & Co. bieten Vorteile, die andere Medien nicht besitzen. Da jeder Facebook-User im Durchschnitt 130 Freunde hat, wirkt dort das Schneeballsystem, bei dem sich Nachrichten mit einer besonders hohen Geschwindigkeit verbreiten. Kommunikation wird in Echtzeit abgebildet, bereits jeder zweite User loggt sich täglich ein und etwa jeder vierte aktualisiert täglich seinen Status. Zudem ist eine Nutzung von Zeit und Ort unabhängig, mit steigender Tendenz werden auch mobile Endgeräte zum Abruf verwendet.

Dass diese Art von Marketing auch beim Kunden gut ankommt, beweisen folgende Zahlen: Der Durchschnitts-Facebook-Nutzer ist Fan von 80 Gruppen, Events oder Unternehmensseiten.

Zurückhaltung im Handwerk

Trotz des großen Erfolgs bleiben Handwerksunternehmen eher zurückhaltend was social Networking anbelangt. Laut einer Umfrage vom August 2011 (Quelle nextbusiness-IT) gaben 57,5 % an, geschäftlich überhaupt nicht in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Zum Vergleich: Von den gesamten deutschen Internetnutzern sind nach Stand Januar 2012 nur 26 % nicht in mindestens einem Netzwerk registriert (Quelle Umfrage Bitkom). Als Hauptgründe für den eher skeptischen Umgang mit dem Medium wurde genannt, dass weder Zeit noch Ressourcen für eine professionelle Nutzung zur Verfügung stünden, dass kein konkreter Nutzen erkennbar sei und dass sich die Kunden vorwiegend nicht in sozialen Netzwerken bewegen würden. Unter den gewerblich genutzten Seiten im Handwerk ist Facebook Spitzenreiter, gefolgt von Xing und Twitter.

Noch geringer ist die Quote bei Dachdeckerunternehmen. Nur 2 von 100 zufällig ausgewählten Dachdeckerbetrieben unserer DDH Abonnenten sind auf Facebook oder Twitter aktiv. Engagierte Beiträge rund um das Thema Dach werden dabei noch von einem kleinen Personenkreis geführt. Zu deutschen Dachdeckerunternehmen, die erfolgreich auf sozialen Netzwerken vertreten sind, zählen unter anderem die Dachdeckerei Mann GmbH, die Dachdecker Arnold Stöffgen GmbH und Matthias Garling, Dachdeckermeister aus Hamburg. Matthias Garling ist seit Oktober 2010 Mitglied bei Facebook, seit Mai 2011 Mitglied bei Twitter. Glückwünsche, Neuigkeiten zu Projekten und Produkten, Szenen aus dem Alltag all das und noch viel mehr findet man auf seiner Seite. Besonders schätzt er den schnellen und unkomplizierten Austausch mit Kollegen, Lieferanten und Kunden.

myEd mit gutem Beispiel voran

Ein sehr ambitioniertes Beispiel für eine sinnvolle Verknüpfung mehrmedialer Inhalte über verschiedene Plattformen im Internet bietet der selbstständige Dachdeckermeister Jörg Mosler. Er ist Anfang Januar mit einer Beta-Version seiner Website www.my-ed.de ins Netz gegangen. My-Ed ist die Abkürzung für my education, was so viel bedeutet wie "meine Ausbildung". Es handelt sich dabei um eine Plattform, auf der Lern-und Fortbildungsinhalte innerhalb der Handwerksausbildung bereitgestellt und geteilt werden. Dies geschieht in Form von kurzen, prägnanten Videolektionen, die schnell abrufbar über die Plattform oder den eigenen You Tube-Channel zu finden sind. Das Angebot richtet sich an alle, die sich in der Berufs-oder Meisterausbildung sowie in Fortbildungen befinden und sich gezielt auf Prüfungen vorbereiten wollen. Zudem soll es denjenigen, die Inhalte einstellen, die Möglichkeit bieten mit ihrem Wissen Geld zu verdienen. Derzeit sind nur Beiträge zum Dachdeckerhandwerk zu finden, die Jörg Mosler selber eingestellt hat, das Konzept ist aber auf alle Handwerksberufe ausgelegt.

"In meiner Vision wächst myEd zu einer Plattform heran, in der die Ausbildung im Handwerk moderner, attraktiver und effizienter wird", so der Initiator der Seite. "Darüber hinaus stelle ich mir einen communityartigen Austausch zwischen Helfenden und Hilfesuchenden vor. Ein weiterer Punkt ist, dass durch myEd und durch die Inhalte, die myEd bietet, das Handwerk gezeigt und präsentiert wird und zwar in einer starken, modernen und effektiven Form. Wenn das alles so gelingt und eintritt, wird es hoffentlich ein weiterer Punkt sein, um junge Leute für das Handwerk zu begeistern." MyEd bezieht Facebook aktiv mit ein, indem es dort zur wöchentlichen Wahl des "Meisterstücks der Woche" aufruft und zum Start der neuen Seite T-Shirts verlost. Außerdem eröffnet es die Möglichkeit Profile mit den entsprechenden Social Media-Präsenzen zu verbinden.

Sabrina Stade

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 5/2012

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zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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