Die Rallye der Rohstoffpreise geht weiter, Hersteller und Händler geben die Preise an ihre Kunden weiter Dachdecker müssen neu kalkulieren. Wir beschreiben, wie die Dachbranche mit der Situation zurechtkommt.
Ähnlich wie beim Rohstoff Stahl sind die Preise für Bitumen in den vergangenen Monaten sprunghaft nach oben geschnellt. Innerhalb eines Jahres verteuerte sich dieser Baustoff um 25 Prozent. Ursache für die Preisexplosion ist die weltweit gestiegene Nachfrage nach Erdöl. In der Bauwirtschaft werden bei der Angebotskalkulation in der Regel Festpreise an die Kunden weitergegeben. Zwischenzeitlich ist jedoch kaum noch ein Bitumenlieferant bereit, sich preislich längerfristig zu binden. Die Gültigkeitsdauer der einschlägigen Preislisten wurde in den vergangenen Monaten immer kürzer. Manche Lieferanten nennen gar nur Tagespreise.
"The only way is up", so lässt sich die Preisentwicklung des Hauptrohstoffes Bitumen bei den Mitgliedern des vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen am besten beschreiben. Anders als die Preise an den Tankstellen reagiert der Bitumenpreis verzögert auf den Anstieg der reinen Rohölpreise auf nunmehr fast 120 Dollar das Fass. Die Bitumenpreise befinden sich heute in einer bisher nie gekannten Höhe und dort werden sie auch bleiben, so die Aussagen der großen Erdölkonzerne. An ein Zurückgehen der Preise, wie zurzeit beim Benzin beobachtet, ist nicht zu denken. Vielmehr wird in der Branche bei einem weiteren Anstieg der Rohölpreise mit einer nochmaligen Verteuerung des Bitumens gerechnet. Auch die anderen Rohstoffe, wie die verwendeten Polymere oder z.B. Polyestervliese, sind von dieser Entwicklung betroffen. "Dies wird sich dann wohl auch in einer deutlichen Verteuerung der Preise für Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen niederschlagen", so Dr. Rainer Henseleit, Geschäftsführer des vdd in Frankfurt am Main.
Gute Nachfrage nach Kunststoffbahnen im ersten Halbjahr 2008 so lautete die Presseinformation des Verbandes Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen. Mit mehr als zehn Millionen verkauften Quadratmetern ist der Absatz weiterhin stabil. Dennoch können die guten Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kostensteigerung durch Energiepreisanstieg an den Markt sprich Handel und damit Dachdecker weitergegeben werden. Siehe auch Interview "Preisanpassungen". Weitere Details hierzu in unserem Themenfeld Kunststoffbahnen.
Auch bei den Dachziegelherstellern sieht es nicht gut aus. Laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes stagnierte die Produktion des vergangenen Jahres dank des hohen Exportanteils - auf 875.946 Millionen Stück, im Vorjahr waren es 873.964 (+ 0,2 Prozent). Nach Schätzungen des Ziegelverbands sank die Zahl der in Deutschland verkauften Ziegel um bis zu dreißig Prozent. Erfreulich ist hier lediglich der Wertzuwachs in Höhe von 8,3 Prozent, der allerdings auch im Wesentlichen auf entsprechende Preiserhöhungen zurückzuführen ist.
Die extrem gestiegenen Preise für Rohstoffe gehen vor allem auf den Wirtschaftsboom in China und Indien zurück und auf die Spekulanten an den Börsen, die die Preise für Öl und Schwermetalle in immer höhere Regionen treiben. Auf der Suche nach sicheren und langfristigen Renditen investierten die Großanleger in Rohstoff-Indizes. Diese Anlagen versprechen eine vielfach höhere Rendite als Aktieninvestments. Je mehr die Fonds investierten, desto höher steigen die Preise zumal der Markt für spekulative Rohstoffpapiere sehr klein ist. "Niemand weiß, wie teuer Öl wäre, wenn es die Spekulation nicht gäbe. Nur: Billiger wäre es auf jeden Fall", so der Spiegel in seiner Titelgeschichte vom Juni 2008. Hinzu kommt, dass es weiterhin an Möglichkeiten fehlt, mit Erneuerbaren Energien kosteneffiziente Produkte herzustellen. Die Inflationsgefahr tut ihr übriges dazu, den Aufschwung in Deutschland zum Abschwung werden zu lassen. Künftig müssen die meisten Handwerker wegen der steigenden Rohstoffpreise ihre Preise anders kalkulieren und sich auf eine Inflation von rund fünf Prozent einstellen, befürchten Ökonomen.
Herausforderungen für Dachdecker
Dachdecker Müller ist sauer auf seinen Baustoffhändler: Die Preise für Metallprofile klettern und klettern "so geht das schon seit fast eineinhalb Jahren". Doch auch der Händler kann nur wenig gegen die steigenden Preise ausrichten, er gibt seine Produkte nur mit geringem Aufschlag weiter. Dass weiß auch Dachdecker Müller ärgern tut es ihn dennoch. Für ihn bleiben prinzipiell nur zwei Möglichkeiten: Die Preise weitergeben und damit zu riskieren, gute Kunden zu verprellen, oder die Kunden auf sparsame Alternativen aufmerksam machen und energetisch zu beraten am besten als spezialisierter Energieberater.
Hessens Landesinnungsmeister Ludwig Held anlässlich des Verbandstags zum Thema: "Uns trifft die Verteuerung bei unserer täglichen Arbeit. Fahrtkosten wirken sich deutlich aus und Materialpreiserhöhungen gehören zum täglichen Geschäft. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass diese Entwicklung Fortbestand haben wird". Positives kann Held den gestiegenen Energiekosten dennoch abgewinnen: "Nicht nur, dass der Handwerkertourismus und somit der Wettbewerbsdruck etwas nachlassen dürfte - auch die Nachfrage nach Wärmedämmung und alternativen Energien wird steigen. Gebäudeenergieberater haben Hochkonjunktur - und auch wenn wir alle wissen, dass der Energieausweis nicht das Allheilmittel darstellt, wird immer wieder das Dach als wichtigste Maßnahme in der Auswertung der Beratung im Mittelpunkt stehen". Ausführliche Infos zur EnEV und zum Thema Energieberater.
Johannes Messer