Preisorientierte Kunden lieben sie, Handwerker weniger. Online-Auftragsbörsen vermitteln Handwerksleistungen, meist zu knapp kalkulierten Preisen. Sollte man sie deshalb grundsätzlich ignorieren oder bieten die Börsen auch einen Nutzen – beispielsweise zur Neukundengewinnung?
Die Online-Vermittlung von Dienstleistungen wächst schon seit einigen Jahren. Darauf lassen nicht nur Zuwachsraten bei den Nutzerzahlen von Online-Auftragsvermittlungsdiensten wie My-Hammer, Blauarbeit, Jobdoo, Quotatis oder Undertool schließen. Wer einen Handwerker sucht und vor allem auf den Preis schaut, tut dies immer häufiger im Internet. Über die Hälfte der Befragten gab aktuellen Studien zufolge an, Handwerker schon im Internet gesucht zu haben. Auftragsvermittlungsdienste – auch Auftrags-, Handwerksauktionen oder Auftragsbörsen genannt – haben Vor- und Nachteile. Was jeweils überwiegt, hängt auch davon ab, in welcher Situation man Dienstleistungen anbietet, wie die Auftragsvermittlung funktioniert und welche Kosten dabei entstehen.
Wachsende Beliebtheit
Der Erfolg von Online-Auftragsbörsen hat viele Ursachen: Ein Faktor ist die zunehmende Beliebtheit von Online-Diensten generell. Amazon, E-Bay, Travelzoo & Co. haben dazu geführt, dass Einkäufe, Reise- oder Hotelbuchungen etc. über das Internet populär wurden und mittlerweile zum Alltag gehören. Warum dann nicht auch Handwerksleistungen im Datennetz ordern? Auf der anderen Seite haben Handwerkerleistungen aufgrund hoher Lohnnebenkosten ein Preisniveau erreicht, dass aus Kostengründen so manche anstehende Reparatur oder Wartung aufgeschoben wird. Viele greifen entweder selbst zu Hammer und Hobel oder vergeben Aufträge online. Die Vorteile für Auftraggeber liegen auf der Hand: Sie müssen keine dicken Branchenbücher wälzen, Firmen am Telefon abklappern und Angebote einholen. Schneller und bequemer geht es per Internet. Da einige, inzwischen aber längst nicht mehr alle Online-Vermittlungsdienste nach dem umgekehrten Auktionsprinzip arbeiten – der billigste, zweit- oder drittbilligste Bieter erhält häufig den Zuschlag –, kann der Auftraggeber dabei auch noch Geld sparen. Die ganze Bandbreite der Roh- und Ausbaugewerke kommt bei Auftragsbörsen unter den Hammer: Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker- und Spengler-, Heizungs-, Sanitär- und Elektro-, Schreiner-, Fensterbau-, Bodenbelags- oder Malerarbeiten. Für etwa 20 bis 30 % unter der marktüblichen Auftragssumme und mehr gehen die Arbeiten teilweise über den virtuellen Ladentisch.
Massiver Preis- und Qualitätsverfall
Überregional aktive Vermittlungsplattformen für Aufträge gibt es mittlerweile einige (siehe Infokasten). Kritische Stimmen sehen deshalb, insbesondere dann, wenn Aufträge nach dem umgekehrten Auktionsprinzip öffentlich versteigert werden, die Gefahr eines massiven Preis- und Qualitätsverfalls zum Leidwesen der gesamten Handwerksbranche. Zumindest war das seit dem Start der ersten Online-Dienstleistung dieser Art vor über 10 Jahren lange Zeit der Fall. Doc
h zumindest teilweise haben die Betreiber dazugelernt. Während in den Anfangsjahren bewusst mit dem knallharten Auktionsprinzip geworben wurde, veröffentlichen die meisten Börsen die Angebote nicht mehr oder vermitteln lediglich Kontakte zwischen Kunde und Bieter. Grundsätzlich muss ein Auftrag nicht unbedingt an den billigsten Bieter vergeben werden. Binnen einer bestimmten Frist kann sich der Auftraggeber für einen beliebigen anderen Bieter entscheiden – oder, wenn ihm kein Angebot behagt, den Auftrag zurückziehen. Doch auch wenn nach Betreiberangaben nur in rund einem Drittel aller Fälle der billigste Bieter den Auftrag erhält – die Angebotspreise liegen meist so nahe beieinander, dass sich selbst das zweit- oder drittgünstigste Angebot für einen Auftragnehmer unterm Strich nicht rechnet. Die öffentliche Versteigerung und ein häufig schon sehr niedriger Startpreis drücken die Auftragssummen meist soweit in den Keller, dass kein Handwerksbetrieb davon leben kann. So kam und kommt es immer noch vor, dass fachfremde Unternehmen den Auftrag übernehmen, ohne über die nötige Qualifikation, Erfahrung, Spezialwerkzeuge und erst recht nicht über einen Qualifikationsnachweis zu verfügen. Oder es ist schlicht Schwarzarbeit im Spiel. Wird aus diesen Gründen eine Bauleistung nicht fachgerecht ausgeführt oder gar mittendrin abgebrochen, gerät ein vermeintliches Dienstleistungs-Schnäppchen schnell zum Desaster.
Dorian Kreicic
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe DDH 15.2013.