Sie hat ihren Ursprung in der Freisprechung der Lehrlinge der handwerklichen Zünfte im späten Mittelalter. Der Lehrling wurde vom Meister losgesprochen, schied aus dem Familienverband des Meisters aus und trat in ein sach- und lohnbezogenes Verhältnis zur Werkstatt.
Diese Tradition fortsetzend, erhielten die neuen Bremer Junggesellen ihren Gesellenbrief jetzt im Rathaus zu Bremen. "Wir sind ein offenes Haus und haben ein Ohr für jeden," hatte Dieter Mützelburg, Staatsrat im Finanzressort, die Gäste eingangs begrüßt. Das nahm Lutz Detring, Obermeister der Bremer Innung, gerne an. Es sei nötig, das Handwerk verstärkt in der Öffentlichkeit zu präsentieren und klarzustellen, das "unsere Betriebe unternehmergeführt sind, in denen es vorrangig auch um Menschen und Arbeitsplätze geht", im Gegensatz zu manchen Gesellschaften in denen die Geschäftsführer beliebig ausgetauscht würden und der Verbleib der Mitarbeiter zweitrangig sei. "Ihr arbeitet in Betrieben", so Detring an die Junggesellen, "in denen sich der Inhaber ständig bemüht, Aufträge ranzuholen, damit alle Arbeit haben und letztendlich Steuern zahlen können."
Es gelte jedoch "daran zu arbeiten, dass noch etwas vom Lohn übrig bleibt, damit sich die nicht immer leichte Arbeit auch wieder lohnt." Ebenso appellierte der Obermeister an den Staatsrat, mit dafür zu sorgen, dass die Mittel aus den Konjunkturprogrammen zügiger und direkter in Bremen eingesetzt werden. Auch hier gehe das Handwerk mit gutem Beispiel voran: "nicht zuviel reden, sondern handeln."
"Ihr habt einen wunderbaren Beruf gelernt," so Detring, "denn Dachdecker gehen nicht mit gehobener Nase durch die Straßen, weil sie arrogant sind, sondern weil sie überall sehen können, was sie geschaffen haben." Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen sei jetzt jedoch der falsche Weg, "denn Weiterbildung ist ebenso wichtig, wie sich über den Beruf hinaus zu engagieren und Eigenverantwortung in Sport, Politik oder Ehrenamt zu übernehmen."
10.000 Ausbildungsplätze hält das Handwerk bundesweit derzeit noch bereit. Während die Gesellen ihre Zeugnisse und Briefe erhielten, hatten tags zuvor bereits wieder 27 junge Menschen in Bremen ihre Lehre im Dachdeckerhandwerk angetreten. Eine Zahl, die Meister und Lehrer positiv stimmte. Eine Rathausbesichtigung bis hoch unters Dach und die Begehung des Rathausbalkons rundeten die Freisprechung ab. Jahrgangsbester wurde Claas Wellbrock vom Ausbildungsbetrieb Brummerhop-Bedachungen, Osterholz-Scharmbeck.