2010-04-15T00:00:00Z Neue Herausforderungen

Die EnEV 2009 ist seit Herbst in Kraft, das europäische Parlament stimmt für energieeffizientere Neubauten, das deutsche Gütesiegel für nachhaltiges Bauen startet durch - eine kleine Auswahl an Schlagzeilen. Wir beschreiben die neuen Herausforderungen.

Das Umkehrdach ist ein einschaliges, nicht belüftetes Flachdach beziehungsweise ein flach geneigtes Dach, bei dem - entgegen dem normalen Flachdach - die Wärmedämmung auf der Abdichtung liegt und somit der Witterung ausgesetzt ist. Es wird also nicht die Wärmedämmung durch die Abdichtung sondern die Abdichtung durch die Wärmedämmung geschützt.

Nachhaltiges Bauen gewährleisten

Heutzutage wird ein deutliches Augenmerk auf die Nachhaltigkeit und die Energieeffizienz eines Gebäudes gelegt. Allgemein formuliert geht es bei der Nachhaltigkeit darum, so zu agieren, dass zukünftige Generationen nicht in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. Um diesen allgemeinen Ansatz etwas besser fassen zu können wurde das sogenannte Drei-Dimensionen-Modell entwickelt. Wird also von Nachhaltigkeit gesprochen, geht es darum, die Zielverfolgung: ökologisch, sozial und ökonomisch zu berücksichtigen. Alle drei Dimensionen gelten dabei als gleich wichtig. Dass dieser Ansatz auch für das Errichten von Gebäuden nutzbar ist und es sich lohnt, über nachhaltige Gebäude nachzudenken, lässt sich anhand folgender Fakten belegen: * Vierzig Prozent des Energieverbrauchs, vierzig Prozent der CO2-Emission und vierzig Prozent des Abfallaufkommens sind mit dem Bauen und Betreiben von Gebäuden verbunden (ökologische Dimension). * Täglich werden in Deutschland 106 Hektar durch Bautätigkeit versiegelt (ökologische Dimension). * Der Mensch verbringt im Durchschnitt täglich zwanzig Stunden in Gebäuden (soziale Dimension). * Zehn Prozent des deutschen Bruttoinlandproduktes werden als Bauinvestitionen getätigt (ökonomische Dimension). Logische Konsequenz aus diesen Fakten ist es, dass bei einer Betrachtung zur Nachhaltigkeit eines Gebäudes im Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), diese drei Dimensionen betrachtet werden und um den Bauprozess vollständig abbilden zu können, durch die Dimensionen: Technische Qualität, Prozessqualität und Standort ergänzt wurden. Hinter diesen einzelnen Dimensionen verbergen sich derzeit 43 Aspekte; einzusehen unter www.dgnb.de.

Gebäudedämmung ist unverzichtbar

Die einzige Frage die sich stellt ist: "Wie gut müssen unsere Gebäude gedämmt werden?" Bei der Beantwortung könnte man auf die EnEV 2009 verweisen, die im Herbst dieses Jahres in Kraft treten wird. Schaut man aber nach Brüssel oder ein wenig in die Zukunft (Stichwort: EnEV 2012), so stellt sich der Sachverhalt schon wieder anders dar. Die EnEV 2009 kann nur als Übergangslösung betrachtet werden. Derzeit sind sowohl die nationalen als auch die europäischen Bestrebungen darauf ausgerichtet, den sogenannten Passivhausstandard zu etablieren. Sicherlich ein Standard, der von Dauer sein kann, da er auch als Grundlage für die nächste Generation von Gebäuden, den sogenannten CO2-neutralen Gebäuden, gesehen wird. Soll eine Immobilie also über viele Jahre am Markt bestehen können, ist es sicherlich ratsam, den in naher Zukunft geforderten Dämmstandard zu berücksichtigen. Bei der Zertifizierung eines Gebäudes nach dem Kriterienkatalog der DGNB nimmt das Dach eine Sonderrolle ein, da es starken Einfluss auf ein Gebäude und die Umgebung (Wärmeinseleffekt) nimmt. So können zum Beispiel eine Flächenversiegelung (ökologische Qualität) durch ein Gründach reduziert werden oder die Behaglichkeit des Nutzers (soziale Qualität) durch ein gut gedämmtes Dach - Sommers wie Winters - deutlich erhöht beziehungsweise die Kühl- und Heizlasten (ökonomische Qualität) deutlich reduziert werden. Ergebnisse, die sich mit einem konventionellen Warmdach und mit einem Umkehrdach umsetzen lassen. Bedingt durch die besondere Bauweise und den damit verbundenen Vorteilen hat das Umkehrdach in puncto Nachhaltigkeit noch mehr zu bieten: * Längere Lebensdauer (ökonomisch-funktionale Qualität) * Einfache Konstruktion (ökonomische/ökologische Qualität) * Witterungsunabhängige Dämmstoffverlegung (ökonomische und Prozessqualität) * Einfacher Rückbau des Dämmstoffes (ökologische/ökonomische Qualität) Selbstredend sind das Punkte, die auch fernab einer Nachhaltigkeitsbetrachtung für das Umkehrdach sprechen. Bekanntermaßen ist extrudiertes Polystyrol (XPS) nach DIN EN 13164 der einzige Dämmstoff der uneingeschränkt für das Umkehrdach zugelassen ist. Bis zum Jahre 2007 war Wärmedämmung aus extrudiertem Polystyrol nur bis zu einer Dicke von 200 Millimeter lieferbar. Das war auch ausreichend, da zum einen nicht so dick gedämmt wurde und es zum anderen XPS-Produkte gab (und bis heute gibt), die mit Isoliergasen produziert wurden. Vorteil dabei ist die geringere Wärmeleitfähigkeit. Nachteilig ist, der - im Gegensatz zu modernen, mit CO2 als Treibmittel produzierten XPS - bis zu 1.430-fach höhere Beitrag zum Treibhauseffekt der Treibmittel Alternativ gibt es Systeme mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung auf dem Markt, bei denen der Zuschlag entfällt. Erreicht wird dies, indem das Dachvlies (welches als Trennlage zwischen Wärmedämmung und Kies eingebaut wird) wasserableitend eingestellt ist. Dadurch gelangt kein Niederschlag zwischen die Dämmung und die Abdichtung was natürlich zur Folge hat, dass dem System keine Energie entzogen wird und somit der Zuschlag überflüssig wird. Günter Rudolph

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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