Flachdach 2012-09-12T00:00:00Z Neues Leben in alten Speichern

Speicherstadt Hamburg - ein 1883 auf Holzpfählen errichteter Lagerhauskomplex, welcher seit 1991 unter Denkmalschutz steht. Dachdeckermeister Friedrich Lindemann stellte sich der Herausforderung und sanierte die 1.000 m² große Dachfläche nach strengen Vorgaben. Zur Wahrung des historischen Bildes verlegte er eine spezielle grüne EVA-Bahn. Sämtliche Aufbauten wurden mit Kupfer bekleidet - das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen.

Kaum ein anderes Quartier in Hamburg steht exemplarisch für die Freie und Hansestadt wie die zwischen neuer HafenCity und alter Innenstadt gelegene Speicherstadt. Dank neugotischer Backsteinarchitektur, lebendiger Kultur- und Ausstellungsszene und nächtlicher Illumination ist die Speicherstadt heute der Besuchermagnet schlechthin. Auch die kontinuierliche Nutzungsweiterentwicklung mit "alten" Quartiersleuten, Teppich- und Kaffeehändlern sowie Schiffsausrüstern und den "modernen" Mode-Labeln, Internet- und Werbeagenturen sowie Museen und Büros bietet eine impulsive Mischung. Um dem stetig steigenden Anspruch an Bautechnik und Gebäudeausstattung Rechnung zu tragen, wird der Gewerbekomplex seit Jahren abschnittsweise umfassend saniert. Aktuell wurde der Block X des Lagerhaus-Ensembles unter der Leitung des Bauherrn, der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft - kurz HHLA -, saniert. Hierbei galt es, sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes wie auch denen der modernen Bautechnik und des wirtschaftlichen Betriebes gerecht zu werden. Der Speicher Block X ist in zwei Bauabschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt wurde die Gebäudehülle, sprich die Fassade sowie das Dach saniert. Im Gebäude selbst modernisierte man die Treppenhäuser sowie die Aufzugsanlagen.

Tradition und Moderne

Wie bei den vorhergehenden Sanierungen der Dächer in der Speicherstadt betreute Alexander Haffki, Bauplanung und Realisierung bei der HHLA, die durchgeführten Maßnahmen. Ausgangssituation bei dem Dach des Block X war folgende: Aufgrund der baulich vorgegebenen Brandabschnitte unterteilt sich die rund 1.000 m2 große Dachfläche in drei Dachteilflächen. Die mit 11 Grad Dachneigung ausgebildeten Satteldachflächen werden durch 150 cm hohe Brandwände voneinander getrennt. Diese wurden bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit einer Doppelstehfalzdeckung in Kupfer bekleidet. Dennoch galt es, die Brandwände fachtechnisch einwandfrei in die neue Flächenabdichtung der Satteldächer einzubinden. Die Entwässerung der Dachflächen erfolgt über traufseitige Kastenrinnen. Beide Traufseiten werden durch unterschiedlich dimensionierte Dachaufbauten wie Zier- und Fluchttürme sowie Windenhäuser unterbrochen. Dazwischen sind schmiedeeiserne Geländer zur Absturzsicherung angeordnet.

Den gestiegenen Ansprüchen anpassen

Ziel der mittlerweile abgeschlossenen Teilsanierung war neben der Erstellung eines weitgehend wartungsfreien Daches auch die deutliche Verbesserung des Wärmeschutzes. Um die Ansicht des Dachstuhls von unten zu erhalten, entschied man sich im Bereich der Satteldachflächen für einen Warmdachaufbau. Alle übrigen Flächen, die sich aus den zahlreichen Aufbauten ergeben, wurden oberhalb der obersten Geschossdecke gedämmt. Aufgrund des Anhebens der Abdichtungsebene ergaben sich an allen aufgehenden Bauteilen neue Anschlusshöhen. Auch die traufseitigen Kastenrinnen mussten komplett neu angelegt und zusätzlich fleetseitig in das Backsteinmauerwerk der Fluchttürme eingearbeitet werden.

Historische Ausgangslage

Nach dem Großbrand in Hamburg im Jahre 1842 wurden fast alle Dächer aus Brandschutzgründen mit Schiefer aus Wales gedeckt, dem sogenannten Penrhyn-Schiefer. Auch die Dächer der erst 1885 begonnenen und 1927 komplett fertiggestellten Speicherstadt erhielten eine Schieferdeckung. Jedoch wandelte sich im Laufe der Zeit das Deckmaterial. Heute finden sich vor allem Kupfer und Bitumen als Deckungsmaterialien, ebenso Schiefer ist auf einigen Dachflächen noch vorhanden. Im Zuge der Sanierungsplanung galt es zu entscheiden, welches Material zur Abdichtung der Satteldachflächen zum Einsatz kommen sollte. Dabei waren neben den denkmalpflegerischen Aspekten auch Fragen der Wirtschaftlichkeit in der Verarbeitung und Nutzung sowie der funktionalen Eigenschaften von Bedeutung. Aufgrund durchweg positiver Erfahrungen mit dem Werkstoff bei früheren Sanierungen brachte Alexander Haffki eine hochwertige EVA-Dach- und Dichtungsbahn in die Diskussion. Neben der reinen Materialfrage spielte auch die Farbgebung eine nicht unwesentliche Rolle. "Um nach der Fertigstellung der Dachflächen eine harmonisch gleichmäßige Dachlandschaft präsentieren zu können, haben wir vorab mehrere Musterflächen mit verschiedenen Farbtönen verlegt, um in Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Denkmalschutzamt eine gemeinsam einvernehmliche Gestaltung für diese und auch weitere Sanierungsmaßnahmen festzulegen", erläutert Alexander Haffki. "Am Ende haben wir uns bei der Dachabdichtungsbahn dann bewusst für einen speziellen Grün-Ton des Herstellers Alwitra entschieden, um einen deutlichen Akzent zu setzen. Außerdem harmoniert das Grün der Dachbahn besser mit der Kupferpatina der Doppelstehfalzdeckung."

Josef Löcherbach

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 18.2012.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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