Das Foto zeigt die Arbeitsrichtung der überlappenden Bleche von unten nach oben, um ein Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. (Quelle: Röhr + Stolberg)
Mustergültige Bleiarbeit: „symmetrische Rosette“ am Granusturm Aachen. Hierbei geht die Arbeitsrichtung der überlappenden Bleche von unten nach oben, um ein Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. (Quelle: Röhr + Stolberg)

Steildach

12. December 2018 | Teilen auf:

Praxistipp Bleiblech: Hafte und Aufkantungen

Zahlreiche Dach- und Fassadendetails lassen sich aus funktionalen oder ästhetischen Gründen bestens mit Walzblei decken. Die maßgeblichen Bearbeitungsweisen des Materials sind bis heute gleich geblieben: Zuschneiden, falzen, anformen –unsere Praxistipps direkt am Objekt.

Die heutige Verarbeitung von Walzblei hat sich kaum verändert. Die typischen Werkzeuge wie Treibhammer, Klopfholz und Setzhölzer zeigen die hergebrachte Form, können aber heute auch aus Kunststoff sein. Dazu gesellen sich weitere Treibwerkzeuge und Scheren aus dem Klempnerbereich. Sie werden gebraucht, wenn das Metall exakt in Kurven, Graten und Kehlen gebracht werden muss, wie es in Schmuckornamenten der Fall ist.

Schritt 1: Hafte werden wahlweise verdeckt auf dem Holzkern oder unterhalb der Überlappung angebracht. (Quelle: Röhr + Stolberg)

Schritt 1: Hafte werden wahlweise verdeckt auf dem Holzkern oder unterhalb der Überlappung angebracht. (Fotos: Röhr + Stolberg )

Schritt 2: Die Aufkantungen außen werden wie bei den übrigen Verbindungen mit Holzwerkzeugen um den Kern herumgeschlagen und indirekt befestigt.

Schritt 3: Das innere Bleiblech wird mit einem Treibholz eng anliegend bis zur Mitte – dem Scheitelpunkt des Holzes – herumgeführt.

Schritt 4: Der untere Rand wird mit der Schere abgerundet, ohne dass sich Grate bilden. Daraufhin werden die Hafte, die auf der gegenüberliegenden Seite des Holzes befestigt sind, um das Blech herumgelegt.

Schritt 5: Schließlich ist das außen liegende Blech an der Reihe: Seine Außenkante wird zunächst umgeschlagen und dann erst um das Holz herumgeführt, sodass es das innere Blech und die Hafte bedeckt. (Quelle: Röhr + Stolberg)

Schritt 5: Schließlich ist das außen liegende Blech an der Reihe: Seine Außenkante wird zunächst umgeschlagen und dann erst um das Holz herumgeführt, sodass es das innere Blech und die Hafte bedeckt.

Schritt 6: Es folgen die restliche Umlegearbeiten an der Holzwulst. (Quelle: Röhr + Stolberg)

Schritt 6: Es folgen die restliche Umlegearbeiten an der Holzwulst.

Praxisbeispiel an der Holzwulst

Sie sind 40×40 mm dick, in der oberen Hälfte halbrund geformt und zur Dach­fläche hin ­verjüngt, um den Blechen hier Raum zur thermischen ­Dehnung zu gewähren. Zur Stabilisierung des ­späteren ­Falzes werden im Abstand von höchstens 400 mm Hafte auf dem Holzkern befestigt. Die zwei zu verbindenden Schare mit einer Länge von 150 cm werden gegeneinander au­gekantet: Die in dem Falz außen liegende Aufkantung misst etwa 125 mm, die innen liegende rund 55 mm. Diese Material­zugabe für die Aufkantungen muss beim Zuschneiden der ­Bleche unbedingt beachtet werden. Das innere Blech wird mit einem Treibholz eng anliegend bis zur Mitte – dem Scheitel­punkt des ­Holzes – herumgeführt. Daraufhin werden die ­Hafte, die auf der gegenüberliegenden Seite des Holzes befestigt sind, um das Blech herumgelegt. Schließlich ist das außen liegende Blech an der Reihe: Seine Außenkante wird zunächst ­umgeschlagen und dann erst um das Holz herum­geführt, ­sodass es das ­innere Blech und die Hafte ­bedeckt. Um Raum für thermische Dehnung zu lassen, ­wurden die Unterkanten der Schare indirekt befestigt, sodass eine Ausdehnung möglich ist: per eingehängtem Querstoß mit durchlaufend ­genageltem Haftstreifen. Diese Art der Befestigung ist besonders in ­windexponierten Lagen zu bevorzugen.

Jürgen Seifert

Fachbuch für Metallarbeiten an Dach und Fassade

zuletzt editiert am 21.10.2021