Das Problem der Luftverschmutzung in Großstädten und Ballungsgebieten zählt europaweit zu den meistdiskutierten Themen. Vor allem die Belastung der Luft durch Stickoxide (NOx), Benzole und Aldehyde nimmt stetig zu. In Duisburg wurde der "erste industriell gefertigte, umwelt-aktive Dachstein der Welt" vorgestellt.
Drei Mehrfamilienhäuser der Evonik Wohnen GmbH (Essen) werden zurzeit mit den neuen Clima Life-Dachsteinen von Nelskamp gedeckt. Ihre Oberfläche ist mit Mikrobeton verarbeitet, der Titandioxid enthält. Dieses wiederum spaltet mit Hilfe von Tageslicht z.B. gesundheitsschädliche Stickoxide auf und wandelt sie in ungefährliche Substanzen um. Der Regen erledigt den Rest und spült alles ab. "Verlegen lässt sich die Pfanne wie ein ganz gewöhnlicher Dachstein auch da merken wir keine Unterschiede", so DDM Stephan Höffner und DDM Friedhelm Rautzenberg aus Dinslaken. Die neue Technologie ist deshalb so sinnvoll, weil sie vor allem Schadstoffe abbaut, die als Autoabgase oder durch Schornsteine in die Luft gelangen. "Ein großer Schritt für den Umweltschutz," ist Heiner Nelskamp von der Technologie überzeugt. Grundlage ist ein neuer Baustoff der Heidelberg Cement-Gruppe. "Jedes Jahr werden rund 30 Millionen Quadratmeter Dachfläche in Deutschland mit Dachsteinen aus Beton neu eingedeckt ein riesiges Potenzial für saubere Luft in Städten und Gemeinden."
"Das Titandioxid in der Oberfläche des neuen Dachsteins wirkt als Katalysator, die Umwandlung der Schadstoffe erfolgt also immer wieder neu - ein "Dach-Leben lang", betont Peter Linten von HeidelbergCement. Speziell im urbanen Raum, wo die meisten Schadstoffe aus der Verbrennung von Öl und Gas aus Heizungen, Kraftwerken und Fahrzeugen entstehen, sei eine Verringerung von Stickoxiden über die Dachflächen besonders wirksam. Stickoxide verschärfen zudem die Ozon-Belastung. Die Verminderung lindert daher auch Sommersmog-Probleme. Linten ergänzte, dass zurzeit weitere Produkte rund ums Haus zum Beispiel für Fassaden oder Pflastersteine - mit dem Titandioxid-Zement getestet werden. "Wenn viele Flächen umwelt-aktiv werden, haben die Städte vielleicht ein Problem weniger oder zumindest deutlich verringert." Denn vor allem aus Brüssel kommen ständig neue Anforderungen an die Reinhaltung der Luft in den Ballungszonen. Mit dem geschützten Signet "TXActive" das europaweit photokatalytisch aktive Produkte kennzeichnet, wird dem Eigentümer "geprüfte Qualität" garantiert. Denn das Unternehmen überwacht das Endprodukt auf Einhaltung ihrer Standards.
Die Evonik Wohnen GmbH aus Essen, mit mehr als 60.000 Wohnungen eine der größten privaten Wohnungsgesellschaften in Deutschland, war schnell bereit, Pilotprojekte anzubieten. "Wenn es um den Klimaschutz geht, müssen wir zügig handeln und die praktikablen Lösungen gemeinsam mit den Industriepartnern durchsetzen", stellte Reiner Kathenbach, Leiter Technik, fest. "Wir modernisieren jährlich ungefähr tausend Wohnungen nach EnEV-Standard. Damit schonen wir die Umwelt und den Geldbeutel unserer Mieter. Die Sanierung der Dachflächen ist dabei eine wichtige Facette im Rahmen der energetischen Aufwertung unserer Wohnungsbestände", so Kathenbach. Die neuen umwelt-aktiven Dachsteine werden zunächst in den zwei gängigsten Modellen des Unternehmens Nelskamp, der Finkenberger Pfanne und der S-Pfanne, in jeweils vier Farbvarianten angeboten. Preislich liegt der neue Dachstein in etwa beim Produkt "Longlife", also zwischen acht und neun Euro pro Quadratmeter. Obwohl die Dachsteine eine extrem glatte Oberfläche haben und dadurch der Regen Schmutzteilchen und die umgewandelten Substanzen schnell abwäscht, wirken sie in der Optik "natur-matt". Das liegt an der Oberflächenstruktur. Es wird ein heller Schleier freigesetzt, so lange das Produkt neu ist. "Er verschwindet aber nach einiger Zeit von allein," erklärte Heiner Nelskamp.