Reetdach, Scheune, Denkmalschutz
Das alte Haus von 1730 in Lübeck hat ein neues Reetdach erhalten. Es mussten keine Vorgaben des Denkmalschutzes beachtet werden. Fotos: Krumstroh

Steildach

10. November 2020 | Teilen auf:

Reetdachsanierung einer ehemaligen Scheune

Bei der Reetdachsanierung einer ehemaligen Scheune aus dem 18. Jahrhundert sollte das Team von Dachdeckermeisterin Katrin Jacobs besonders auf die Wahrung des ursprünglichen Deckbildes achten. Doch vor der Neudeckung musste die Unterkonstruktion absolut eben konstruiert werden. Ebenso war eine regelkonforme Hinterlüftung der gesamten Konstruktion zu gewährleisten.

Alte reetgedeckte Häuser prägen das Bild von vielen Gemeinden in Norddeutschland. Teilweise bestehen – wie in diesem Fall, ein Haus in Lübeck aus dem Jahre 1730 – Ensembles aus mehreren alten Häusern, die uns heute ein Bild vermitteln, wie die Orte früher einmal aussahen. Im Frühjahr 2020 wurde das Reetdach, das inzwischen in die Jahre gekommen war, im Zuge eines umfangreichen Dachausbaues mit neuer Umnutzung neu eingedeckt.

Im 18. Jahrhundert bestand hier die kleine Ortschaft Padelügge, ein früheres Rittergut, dass an der Straße zwischen Hamburg und Lübeck vom Handel profitierte. Später wurde der Ort von der Hansestadt Lübeck eingegliedert. Das Haus diente nach dem Bau im Jahr 1730 als Scheune, vermutlich mit Viehstall im hinteren Gebäudeteil. Saniert und in ein Wohnhaus umgebaut und wurde es erst 1980.

Dachgestaltung original erhalten

Die heutigen Eigentümer haben dieses Schmuckstück 2019 gekauft und bauen das Dachgeschoss in diesem Jahr weiter aus, um die Räume u.a. durch Gauben in den Krüppelwalmen bewohnbar zu machen und die notwendige energetische Sanierung vorzunehmen. Das Balkenwerk des Hauses ist komplett erhalten, es hat innen keine abgehängten Decken und bietet den Bewohnern große Räume. Das Reetdach, dass inzwischen in die Jahre gekommen war, wurde im Zuge dessen erneuert und zeitgemäß gedämmt. Wichtig war den Eigentümern, dass die Dachgestaltung original erhalten bleibt und sich das Haus harmonisch in das Ensemble des kleinen Dorfes einpasst. Für die Umsetzung der umfangreichen Reetdach-Sanierung wurde die Firma Reetdach-Kontor Ostholstein GmbH & Co. KG beauftragt.

Unterkonstruktion muss eben sein

Im ersten Schritt wurde das alte Reet abgetragen, woraufhin die Dachkonstruktion gründlich auf Schäden überprüft werden konnte. Es ist immer wichtig, die Einlattung in einer Ebene zu erhalten bzw. zu gestalten, damit Regenwasser nach der späteren Eindeckung ungehindert über das Reet ablaufen kann. Der Aufbau der Unterkonstruktion spielt damit für die lange Haltbarkeit der Reeteindeckung eine wichtige Rolle.

Vielfach müssen bei alten Bauwerken unterschiedliche Höhen der alten Sparren in der Unterkonstruktion ausgeglichen und passend zum Dachverlauf aufgefüttert werden. Das Ausgleichen der Unebenheiten verhindert unterschiedliche Eindeckstärken und somit unterschiedliche Reethalm-Neigungen im Dach.

Schicht für Schicht hinauf zum First

Beim Eindecken werden die Reetbunde mit Stangendrähten („Schachtdraht“), die parallel zur Dachlatte verlaufen, an die Lattung herangezogen. Beim Objekt in Lübeck nutzte das Dachdecker-Team 4,5 mm dicken Schachtdraht.

Der Stangendraht liegt mit etwa 15 bis 17 cm in der Mitte der Eindeckstärke von 30 cm - 35 cm. Im nächsten Arbeitsschritt wird der 1 mm starke Bindedraht mit einem speziellen Nähbesteck um die Dachlatte herumgeführt und mit dem Stangendraht verdrillt. Jeder Bund wird in der Länge drei- bis viermal mit dem Draht fixiert, entsprechend an die Dachlatten gebunden und stets mit dem Klopfbrett in Form gebracht.

Ulrich Krumstroh

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 23/2020