Die Einhards-Basilika in Steinbach im hessischen Odenwald ist ein architektonisches Juwel aus der Karolingerzeit. Der Kirchenbau aus dem neunten Jahrhundert gehört zu den wenigen gut erhaltenen Zeugnissen dieser Baukunst. Bei der Sanierung wurden die Dachziegel für den Erhalt getränkt.
Unübersehbare Schäden machten 2007 eine rasche Sanierung dringend erforderlich. Die Basilika glich zwar noch nicht dem schiefen Turm von Pisa, sie hatte sich aber merklich nach Westen geneigt. Verfaulte Balkenenden und gelöste Holzverbindungen wiesen auf ein schadhaftes Dachwerk hin, die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten war bereit zum Handeln: "Dachgebälk und Dachdeckung des ehrwürdigen Gebäudes sollen saniert werden und die wertvollen historischen Konstruktionen mit den Spuren des Alterns erhalten bleiben", teilte Direktor Karl Weber mit.
Konzept als Steinfestiger
Knapp eine Million Euro stellte das Land Hessen für die Arbeiten zur Verfügung. Es war das ausdrückliche Ziel der Staatlichen Verwaltung, die aus dem Ende des zwölften Jahrhunderts stammenden handgestrichenen Ziegel und Dachbalken so weit wie möglich zu erhalten. Die alten Dachziegel waren in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum Schutz vor Moos mit Alaun behandelt worden. Die Vergrünung wurde zwar verhindert, es kam jedoch zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, die damals keiner der Restauratoren erwartet hatte. Hauptsächlich waren es Salzausblühungen, die sowohl das historische Gebälk als auch die Ziegel erheblich schädigten. Gebraucht wurde ein Konzept und ein Steinfestiger für die über 500 Jahre alten Dachziegel, ohne erneuten Eintrag schädigender Substanzen. In einer sehr effektiven Zusammenarbeit der Bruno Marx GmbH, Michelstadt, des führenden Restaurators Hans-Michael Hangleiter, Otzberg, und der Remmers Baustofftechnik, Löningen, wurden hierfür alle Voraussetzungen entwickelt.
Dachziegeltränkung im Tauchbecken
Das Sanierungsteam verständigte sich zunächst auf folgende Vorgehensweise: In einem ersten Schritt wurden die Ziegel katalogisiert und kartiert, um sie in ihrem Erhaltungszustand zu klassifizieren. Die Restaurierung begann 2007 durch das sorgsame Abdecken des kompletten Hauptschiffdaches. Die in Gitterboxen zusammengefassten Ziegel wurden in einem vor Ort gebauten, einhundert Kubikmeter großen Tauchbecken eingelagert, um durch Waschungen das Alaun aus den Ziegeln herauszuspülen. Das Waschwasser wurde mehrfach und regelmäßig ausgewechselt. Nach der Reinigung wurde das Tauchbecken mit einem Zelt überdacht, um die Dachziegel in einen Zeitraum von circa einem halben Jahr auszutrocknen. In einem zweiten Schritt diagnostizierte die Bruno Marx GmbH stichprobenartig die abgetrockneten Dachziegel im Rahmen einer Laboruntersuchung, um eine denkmalgerechte und substanzerhaltende Methodik für die Steinfestigung zu entwickeln. Es zeigte sich, dass mit dem Remmers-Festiger KSE 300 die weitaus besten Ergebnisse zu erzielen waren. Das Spezialprodukt zur Festigung mittelporöser, saugfähiger, entfestigter mineralischer Baustoffe reagiert mit dem im Porenraum eingelagerten Wasser und mit Luftfeuchtigkeit. Hierbei wird Siliciumdioxid (Kieselgel) als mineralisches Bindemittel abgeschieden, das als Ersatz für das durch Verwitterung verloren gegangene, ursprüngliche Bindemittel dient.
Stabile Wetterlage für Tränkung
Die Gelabscheidungsrate liegt bei circa dreißig Prozent. Das Ein-Komponentensystem ist sicher und einfach zu handhaben und erreicht eine hohe Eindringtiefe. KSE 300 ist ein altbewährtes Produkt mit hoher Witterungsresistenz und UV-Stabilität, durch dessen Einsatz auch langfristig keine bauschädlichen Nebenprodukte wie Salze zu erwarten sind. Anhand der gewonnenen Parameter wurden dann Zeitfenster für die Arbeitsabläufe geplant und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Benötigt wurden ein spezielles Tränkbecken, eine Abtropfstation mit dem Fassungsvermögen einer Gitterbox und eine genaue Kalkulation des Bedarfs an KSE 300 für die nachhaltige Verfestigung von etwa 25.000 Kilogramm Dachziegel.
Anfang 2009 erfolgte die Tränkung der Dachziegel, die nur bei gutem Wetter möglich war. Im Mai prognostizierte die Wettervorhersage eine stabile Wetterlage auch für die folgenden Tage. Nach Messung der Temperatur und der Luftfeuchte wurde das Zeltdach geöffnet, der Kran zum Umheben der Gitterboxen in Ausgangsstellung gebracht, die Abtropfstation sowie das Tränkbecken von Wasserrückständen befreit und anschließend das Tränkbecken mit KSE 300 gefüllt. Die Berechnungen auf der Grundlage der Dachziegeldiagnostik ergaben für den Be- und Entladungsprozess mit Tränkung und Abtropfen pro Gitterbox ein Zeitfenster von ungefähr 25 Minuten. Insgesamt dauerte die ununterbrochene Tränkung der Dachziegel annähernd 31 Stunden, es kamen drei Arbeitsschichten zum Einsatz.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 01/2011