Wenn ein Dachdeckermeister aufgrund negativer Baustellenerfahrung zum Entwickler wird, kann für alle etwas Gutes dabei herauskommen. Wir erzählen aus dem Tagebuch von DDM Stefan Heim, der auf kompliziertem Wege ein Sandwichpaneel entwickelte, bei dem alle erforderlichen Dachebenen in einem Bauteil stecken. Erste Referenzen zeigen gute Ergebnisse.
Aus Schaden wird man klug.“ Diese alte Lebensweisheit beschreibt den Grundgedanken zur Entwicklung eines neuen Flachdachelements mit integriertem Überlappungsstreifen. Welcher Dachdecker kennt das nicht: 4.000 m² Trapezbleche liegen bereit zur Aufnahme der Dämmstoffe und Abdichtungslagen und es regnet ununterbrochen. Dazu noch böiger Wind, die Bahnen fliegen und die Sicken stehen voll Wasser. Mit dem Fertigstellungstermin im Nacken rauben die Schadensbegrenzungsmaßnahmen Zeit und minimieren den Ertrag.
Dachdeckermeister Stefan Heim, Geschäftsführer der Adam Müller Bedachungen aus Kirchhain, stellte sich aufgrund vorgenannter Erfahrungen eine Frage: Warum gibt es nicht ein Element, mit dem man das ganze Flachdach auf einmal verlegt? Alle Schichten, bis hin zur Abdichtung, in einem Element vereint. Das würde die Montagezeiten verkürzen, bei der Montage dringt kein Regen mehr in den Aufbau ein und der Wind treibt keine Dachbahnen über das Dach.
Allgemein war ihm ein solches „Allround-Dachelement“ nicht bekannt, also machte er sich Gedanken, eine praxisorientierte Lösung zu finden. Die Idee war die Verwendung eines Kunststoffbahn-Verbundblechs auf Sandwichelementen. Lange Recherchen zeigten, dass es diese Idee und die Verwendung von Verbundblech auf Sandwichelementen bereits gab, die nächste Frage lautete: Warum kommen diese Sandwichelemente kaum zur Anwendung?
Doppelte Nahtverschweißung zu aufwendig
Um die Elementfugen dieser bereits am Markt erhältlichen Sandwichelemente wasserdicht zu verschließen, muss ein zusätzlicher Dachbahnstreifen verwendet werden, welcher beidseitig auf den Elementen aufgeschweißt wird. Die doppelte Nahtverschweißung und das zusätzliche Dachbahnmaterial kosten Zeit und Geld. Heims Idee – ein Element mit integriertem Überlappungsstreifen wäre die Lösung. Nach Gesprächen mit diversen Vertretern der Industrie stellte sich heraus, dass die Idee zwar gut ist, aber man hielt die Umsetzung für nicht realisierbar. Es habe schon einige Versuche in dieser Richtung gegeben, aber es kam nichts dabei heraus. Kurzerhand entschloss der Dachdeckermeister, die Entwicklung in Eigenverantwortung umzusetzen. Es mussten ein Kunststoff-Dachbahnen-Hersteller und ein Hersteller von Sandwichelementen gefunden werden, die bereit waren, Heims Idee gemeinsam umzusetzen und die Neuentwicklung zu produzieren. Als Deckschicht sollte ein frei von Weichmachern elastifizierter Kunststoff zum Einsatz kommen. Durch langjährige Kontakte und Erfahrungen fand er einen Bahnenhersteller aus Trier, der sich als Befürworter aussprach und ihm Unterstützung anbot. Ebenso fand ein namhafter Sandwichpaneel-Hersteller die Idee erfolgsversprechend und bot die Unterstützung bei der Produktion an. Nachdem sich der Dachhandwerker sämtliche Rechte an dem Verfahren und dem Sandwichelement mit Kunststoffdeckschicht und Überlappungsstreifen gesichert hatte, wurde die Produktion in Auftrag gegeben. Bereits die ersten Produktionsversuche zeigten, dass die Idee in die richtige Richtung ging, und nach kurzer Zeit und einigen Referenzobjekten war die Produktionsanlage optimal eingestellt.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 16/2013.
Michael Zenk