Mit Denkmustern brechen und Dinge infrage stellen - dazu forderte Professor Beck die rund 170 Gäste des Landesverbandstags in Ahrensburg humorvoll auf. Nach dem Motto „Alexa - bau mir ein Dach?“„ warf Landesinnungsmeister Torsten Kriedemann einen kritischen Blick in die Zukunft.
Lehrlinge statt Follower
Die Lehrlingssituation sprach auch Günther Stapelfeldt, Präsident der HWK Lübeck in seinen Grußworten an. „Die Lage war auch 2018 für unser Handwerk wieder gut, das entspricht einem Konjunktur-Marathon. Seit 4 Jahren eilt das Handwerk nach vorne Die Kehrseite: Die Betriebe arbeiten an der Kapazitätsgrenze, offene Stellen können nicht besetzt werden, Kunden müssen vertröstet werden. Hier ist die Politik gefragt, eine berufliche und akademische Weiterbildung sollte gleichgestellt werden. Ein Handwerker braucht keine Follower sondern Lehrlinge“, so Stapelfeld. Deutliche Worte in Richtung Politik kamen auch von Thorsten Freiberg, HWK-Präsident Schleswig-Holstein. Er kritisierte zum Beispiel die zweifelhaften Maßnahmen in Sachen Stickoxid-Entlastung: „Bürokratie schafft keine Zukunft. Wir müssen deutlich machen, dass wir als Mittelstand die Leistungsträger der Gesellschaft sind“, sagte Freiberg.
Voting for future
Ein engagiertes Plädoyer für Freiheit und Demokratie hielt Landesinnungsmeister Torsten Kriedemann, diesmal gleichzeitig Obermeister der gastgebenden Innung Lauenburg und Stormarn: „Die kommende Europawahl wird zeigen, ob wir den Nationalismus stoppen können. Daher fordere ich Sie auf: Gehen Sie zur Wahl, nach dem Motto: Voting for Future“.
„Das Dachdeckerhandwerk hat auch dazu beigetragen, dass sozialer Frieden möglich ist. Allerdings kämpfen wir bei der Nachwuchsgewinnung künftig gegen Supermarktketten und Großkonzerne, die Welt hat sich geändert. Amazon hat sich in Sachen Smarthome mit Lennar, dem größten Bauunternehmen in den USA zusammengetan. Ich hoffe nicht, dass wir bald von Sofa aus sagen: „Alexa - deck mir ein Dach“. Kritisch sieht Kriedemann den kaum noch zu steigernden Bürokratisierungswahn: „Unsere Betriebe ersticken an den Maßnahmen“. Erfreulich seien dagegen die ersten Umsetzungen in Sachen digitaler Bauplanung. „Digital und dennoch erfolgreich - ich bin mir sicher, das geht im Dachdeckerhandwerk“, so Kriedemann.
Konzepte statt Daten
Biologie des Geistesblitzes stand nach der Pause reißerisch auf dem Programm. Dr. Henning Beck erfüllte die Erwartungen komplett. Aufschlussreich, humorvoll und lebhaft erläuterte der Neurowissenschaftler und Autor wie wir Menschen denken. „Intelligenz - auch künstliche - reicht nicht aus, die Welt zu beherrschen", so Beck.
Johannes Messer
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 09.2019.