Ausbildungsknigge vom ZVDH, Umgang mit Auszubildenden
Der Ausbildungsknigge vom ZVDH hilft im Umgang mit Auszubildenden. Sollte sich dennoch Schwierigkeiten ergeben, ist der Weg zum Schlichtungsausschuss der Kreishandwerkerschaft für alle Beteiligten besser als der vor Gericht. Foto: ZVDH

Ausbildung

24. March 2020 | Teilen auf:

Schlichten statt streiten: Konflikte in Handwerksbetrieben

Die „Chemie“ zwischen Dachdeckermeister A. und seinem Auszubildenden B. hatte schon länger nicht gestimmt, bevor A. sich zur Kündigung entschloss. Beide trafen sich dann vor Andreas Schmitz wieder: Der Siegburger Fachanwalt für Arbeitsrecht sitzt im Ehrenamt seit fast zwei Jahrzehnten dem Ausschuss zur Schlichtung von Lehrlingsstreitigkeiten bei der Kreishandwerkerschaft Bonn – Rhein-Sieg vor.

Der 56-Jährige Fachanwalt hat Erfahrung, wie Handwerksbetriebe Konflikte mit Auszubildenden verhindern beziehungsweise beilegen können. Im vorliegenden Fall war B. mehrfach wegen Unpünktlichkeit aufgefallen. Dass er dann noch unsachgemäß mit der teuren Abkantmaschine umging, brachte bei Meister A. das Fass zum Überlaufen.

Nach der Kündigung wandte sich der Azubi an den Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten. Dieser drängte A. mit Blick darauf, dass B. schon im dritten Lehrjahr war, ihm noch das Absolvieren der Gesellenprüfung zu ermöglichen.

Schlichtungsausschüsse

Bei allen Kreishandwerkerschaften gibt es solche Schlichtungsausschüsse. Ihre Vorsitzenden müssen die Befähigung zum Richteramt haben. Ihnen zur Seite stehen zwei Beisitzer, ein Innungsmitglied für die Unternehmer und ein Geselle. Das von Schmitz geleitete Gremium hat pro Jahr in der Regel knapp zwei Dutzend Fälle zu entscheiden. Dabei sei das Ziel, „dass möglichst viele Ausbildungsverhältnisse trotz der zwischenzeitlichen Schwierigkeiten fortgesetzt und abgeschlossen werden. Das hilft den Betrieben ebenso wie den jungen Leuten. Es gelingt uns, die Verfahren tatsächlich ganz überwiegend zu schlichten. Deswegen kommen sie nicht vors Arbeitsgericht. Das zeigt, dass wir erfolgreich agieren“, zieht Schmitz zufrieden Bilanz. Er lege in den Verhandlungen Wert darauf, den Parteien Raum zu geben, sich auszusprechen und ihre Sicht der Dinge klar zu machen. Dafür nehme man sich deutlich mehr Zeit als dies üblicherweise vor einem Arbeitsgericht der Fall sei. „Allerdings können dann durchaus die Wogen hochschlagen. In solchen emotionalen Momenten ist pädagogisches Geschick gefragt, damit die Parteien sich wieder zurücknehmen.“ Die Beisitzer seien für ein gutes Gesprächsklima sehr wichtig, da sie ja bestens wüssten, wie es im betrieblichen Alltag zugeht.

Den Anträgen, die Schlichtungsausschuss einzuschalten, lägen nahezu ausschließlich Kündigungen zugrunde. Zumeist gehe es um verhaltensbedingte Gründe. Das reiche von Pflichtverletzungen und dem Versuch, einen Fehler zu vertuschen, über schlechtes Benehmen gegenüber Kunden und Kollegen oder Schäden wegen zu geringer Sorgfalt bis hin zum „Krankfeiern“ oder zu Versäumnissen in der Berufsschule. Als Fachanwalt betont Schmitz allerdings, dass die meisten dieser Kündigungen unwirksam seien, weil Ausbildungsverhältnisse nur aus einem „wichtigen Grund“ beendet werden können und diese auch im Kündigungsschreiben detailliert benannt werden müssen. Zudem müsse der Kündigung eine Abmahnung aus demselben Grund vorhergegangen sein. „Das haben die meisten Chefs jedoch unterlassen.“

Wenig Streitfälle

Die bei etwa 1.300 Lehrverhältnissen im Bereich der KH Bonn – Rhein-Sieg doch geringe Zahl von Schlichtungsfällen nimmt Schmitz als Beleg für seine Erfahrung, dass die Betriebe sich in Sachen Ausbildung ganz überwiegend sehr engagiert „ins Zeug legen“. Um Konflikte mit Azubis zu vermeiden oder schnell zu lösen, rät er, sich mit Respekt gegenüberzutreten und viel zu reden. Ein „pädagogisches Händchen“ sei ebenso hilfreich wie „ein Konzept dafür, wie man miteinander umgeht und was man erreichen will. Dieses Konzept muss dann auch konsequent durchgehalten werden. Das schließt klare Regeln ein, die kommuniziert werden und die auch Grenzen setzen.“ Ohne Zweifel stehe für die Che...

Harald Siebert

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