Ausreichend dimensioniert, halten Schneefangsysteme wie hier ein        Schneefanggitter in Kombination mit einer Aluminium-Schneefangpfanne, den Schnee sicher auf dem Dach. Fotos: Braas
Ausreichend dimensioniert, halten Schneefangsysteme wie hier ein Schneefanggitter in Kombination mit einer Aluminium-Schneefangpfanne, den Schnee sicher auf dem Dach. Fotos: Braas

Steildach

13. January 2021 | Teilen auf:

Schneelast mit Nachweis

Schneeschutz: Bei dem Einbau von Schneeschutzeinrichtungen muss der Dachdecker einer Planungs- und Nachweispflicht nachkommen. Im Zentrum steht hier der statische Nachweis, den, wenn passende zugelassene Produkte eingesetzt werden, der Hersteller erbringt. Wir zeigen, auf welche Parameter es ankommt.

Es gibt nur wenige Gewerke, in denen ein so umfassendes und unverzichtbares Regelwerk vorliegt, wie im Dachdeckerhandwerk. Dies betrifft auch die Planung und Ausführung von Schneesicherungsmaßnahmen für das geneigte Dach. Hier gilt eine Planungs- und Nachweispflicht für Schneeschutzsysteme. Dabei könnte man meinen, dass durch den Klimawandel die Gefährdung von Personen und Gebäuden durch Schnee zurückgeht. Die Erkenntnisse der Klimaforscher zeigen aber, dass die Klimaerwärmung mit immer härteren Wintern und Schneekatastrophen einhergeht. Für das Bauteil Dach wurde deshalb die DIN EN 1991 Eurocode 1-3: „Einwirkungen auf Tragwerke – Schneelasten“ als technische Bestimmung bauaufsichtlich eingeführt und entsprechend auch das Regelwerk des ZVDH angepasst. So führt das ZVDH-Merkblatt „Einbauteile bei Dachdeckungen“ aus:

Zitat:

(1) Die Befestigung und Montage soll unter Beachtung der Herstellerangaben erfolgen.

(2) Der statische Nachweis ist vom Hersteller der Schneeschutzsysteme zu führen. Dieser muss den Nachweis für die Tragfähigkeit des Schneeschutzsystems bis zur Befestigung im bzw. am Gebäude unter Berücksichtigung des vorhandenen Untergrundes (z.B. Holz,…) nach den gültigen Vorschriften erbringen.

Daraus ergibt sich für den Planer und Verarbeiter eine generelle Planungs- und Nachweispflicht. Grundlagen für diese Berechnung finden sich in den ZVDH-Hinweisen zur Lastenermittlung.

Prüfverfahren bringt Sicherheit

Um einen statischen Nachweis zu führen, wurde eine Prüfpflicht für die zur Schneesicherung eingesetzten Produkte eingeführt, damit diese im Rahmen des statischen Tragfähigkeitsnachweises bemessen werden können. Grundlage für die Prüfung von Schneeschutzsystemen ist ein Prüfverfahren, das in Anlehnung an die ÖNORM B 3418 „Planung und Ausführung von Schneeschutzsystemen auf Dächern“ beim ZVDH hinterlegt ist. Der statische Nachweis hat nach den eingeführten technischen Baubestimmungen (DIN EN 1991-1-3) zu erfolgen. Auf den ersten Blick mag diese Planung für den Dachdecker einen Mehraufwand bedeuten; durch das einheitliche Prüfverfahren ergibt sich aber die Gelegenheit, die Wertigkeit der Schneesicherungssysteme der verschiedenen Hersteller objektiv zu vergleichen. Dabei ist der Vergleich nicht nur aus Kostengründen interessant, denn es können sich durchaus auch gravierende haftungs- und vertragsrechtliche Konsequenzen bei mangelhafter Planung und Ausführung ergeben. Und dabei ist nicht nur das Schneeschutzsystem relevant, sondern vielmehr ist das Augenmerk auch auf die Unterkonstruktion zu richten, die in die Bemessung der Schneeschutzsysteme mit einfließen muss.

Statischer Nachweis mit Schneefangberechnungstool

Zur Erleichterung der Planung von Schneeschutzeinrichtungen mit Berücksichtigung der Unterkonstruktion für Neubau und Sanierung können Berechnungstools der Hersteller eingesetzt werden. Für den Dachdecker ist es günstig, dass er die Leistungen der unterschiedlichen Systeme vergleichen kann, denn er berechnet nur geprüfte Produkte auf gleicher Grundlage. Hierbei wird für den statischen Nachweis einerseits eine Belastungsseite mit der einwirkenden Schneelast ermittelt. Dieser einwirkenden Schneelast werden die eingesetzten Schneeschutzsysteme nun als berechnete Widerstandsseite entgegengesetzt.

Horst Pavel, Hanns-Christoph Zebe

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 03.2021