Steildach 2009-09-15T00:00:00Z Schön aufgepeppt

Eine in den Jahren 1938/1939 gebaute Wohnhaussiedlung wurde jetzt saniert. Dabei standen die Interessen der Bewohner im Mittelpunkt. Lesen Sie, wie sich dieses auf die Dacharbeiten auswirkte.

Die ehemalige Lehrsiedlung der Deutschen Arbeitsfront in der Dresdener Windmühlenstrasse besteht aus fünf kleineren giebelständigen Blöcken und zwei traufständigen Langzeilern in Längen. Ihre gleichförmige Architektur machte deutlich, dass Einzelinteressen hinter Gruppeninteressen zurückzutreten hatten. Obwohl am damaligen Stadtrand gelegen, waren so Hauszeilen mit städtischem Charakter in Massivbauweise mit Holzbalkendecken und Kehlbalkendächern entstanden.

Die steilen Dächer der Langzeiler waren als Biberschwanz-Doppeldeckung ausgeführt und hatten zur Belichtung und Belüftung der als Trockenspeicher genutzten Dachräume kleinere Fledermausgauben. Der Traufanschluss erfolgte konstruktionsbedingt mit Aufschieblingen. Die Belichtung der Wohnräume unter den Dächern der kleineren Blöcke erfolgte mit Schleppgauben.

Anpassung an die Gebäudestruktur

Nach den Vorgaben der Wohnungsbaugesellschaft wurde nach fast siebzig Jahren eine zeitgemäße Anpassung der Gebäudestruktur erforderlich. Der Anforderungskatalog sah die Entstehung eines Wohnumfeldes mit besserer Ausstattung und städtischem Flair vor. Ziel war die Schaffung von attraktiven Kleinwohnungen, die auch eine günstige Bewirtschaftung ermöglicht. Im Vordergrund stand die Anpassung an moderne Energiestandards durch ein Wärmedämmverbundsystem, neue Fenster und Türen sowie die Dämmung der obersten Geschossdecke. Durch behutsame strukturelle Eingriffe wurden Wohnungen und einzelne Zimmer zu neuen Wohngrundrissen zusammengefasst. Aus den alten Grundrissen entstanden neue Zweiraum- und Dreiraum-Wohnungen sowie in den Einzelblöcken Vierraum-Wohnungen.

Planung und Ausführung der Dacharbeiten

Die alte Dachdeckung wurde komplett abgenommen. Nach Überprüfung des Dachstuhls mussten einzelne Sparren ersetzt werden. Die oberste Geschossdecke der Langzeiler wurde gedämmt. Die Planer sahen eine moderne Optik der Dachfläche vor. Ausgeschrieben wurde der Braas Tegalit, der durch seine strenge Geometrie und klare Linienführung großzügige Dachflächen entstehen lässt. Neben den gestalterischen Möglichkeiten spielten bei der Auswahl des Dachdeckungsmaterials auch die grundsätzlichen Eigenschaften von Dachsteinen eine wichtige Rolle: Dachsteine weisen eine hohe Beständigkeit gegen Frost und Durchfeuchtung, extreme Temperaturwechsel und Hagelschlag auf. Darüber hinaus zählte die Sicherheit dieses bewährten Dachbaustoffs. Die Unterdeckung der circa 5.500 Quadratmeter großen Dachflächen erfolgte systemgerecht mit der diffusionsoffenen Unterdeckbahn Braas Divoroll Pro. Der Bauablauf - mit einem engen Zeitfenster von drei Monaten für die Dacharbeiten von Abriss bis zur Fertigstellung - erforderte eine präzise Planung der Logistik. So stand nur eine Baustrasse für die Anlieferung der Baustoffe zur Verfügung. Eine Lieferung der Dachsteine per Kran aufs Dach war nicht möglich. Die Abstimmung mit den anderen Gewerken - insbesondere der Fassadenarbeiten - erforderte auch eine genaue Detailplanung durch das ausführende Unternehmen. Zeitweise waren bis zu 15 Dachdecker auf der Baustelle in verschiedenen Bauabschnitten tätig.

Neue Aufschieblinge

Durch die Fassadendämmung und die neue Dachdeckung musste der Traufanschluss angepasst werden. Ein neuer Aufschiebling setzt unterhalb der sechsten Dachsteinreihe an und ermöglicht so einen gelungenen Übergang der Dachneigung. Die Keilbohle an der Traufe steht leicht über, so dass von unten die Fassadendämmung dagegengestellt werden konnte. Die Konterlattung folgte bis zur Keilbohle und die Unterspannung wurde auf das Einlaufblech der Dachrinne geführt. Mit einem Traufgitter wurde der Lüftungsbereich gegen Vogeleinflug gesichert. Durch die geänderten Grundrisse mit vergrößerten Wohneinheiten ergaben sich auch neue Brandabschnitte, die Sonderlösungen der Dachkonstruktion erforderten. So kamen für die teilweise versetzten Brandabschnitte Metallprofile als Traglatte zum Einsatz. Die Bereiche wurden mit Schaumglas gedämmt und die Firststeine teilweise im Mörtelbett verleg . Die 175 Meter lange Front des Langzeilers ist in drei versetzten Abschnitten unterteilt. Die Anpassung der Gebäudegeometrie an den geschwungenen Straßenverlauf bedingt Gebäudeversätze mit teilweise asymmetrischem Dachschnitt. Diese Ortgangbereiche wurden mit farbbeschichteten und gekanteten Aluminiumblechen abgedeckt. Für die Ortgänge der symmetrischen Dachflächen wurden linke und rechte Ortgangsteine eingesetzt, die eine Konstruktionshöhe von vierzig Millimeter abdecken. Da die Verlegung von Tegalit im Verband erfolgt, kamen in jeder zweiten Reihe halbe Ortgangsteine zum Einsatz. Zur Windsogsicherung wurden die Ortgangsteine verschraubt. Gemäß den Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen wurde jeder dritte Stein auf der Dachfläche gegen Windsog mit einer Sturmklammern im diagonal versetzten Befestigungsraster gesichert.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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