Rund 2.700 m² schwer entflammbarer PU-Gefälledämmung realisierte die Dach Schneider Weimar GmbH in Bielefeld. Das große Flachdach des Forschungs- und Entwicklungsgebäudes von Dr. Oetker wurde als Winterbaustelle begonnen – und fand im Sommer 2016 seinen Abschluss.
Das Flachdach des dreigeschossigen Gebäudes ist durch fünf Fahrstuhlschächte, ein Oberlichtband, zwei Innenhöfe und weitere Technikaufbauten durchbrochen. Die vielfältig auf dem Flachdach aufgebauten Stahlstützen und sogar eine fest installierte Stahlbrücke deuten bereits im Rohbau ein umfängliches Netz an Rohrleitungen an, die nach Ende der Dämm- und Abdichtungsarbeiten noch auf diesem Dach installiert werden. Da ist es verständlich, dass bei so viel Technik auf dem Flachdach der Bauherr, auf Basis eines Brandschutzgutachtens, einen druckfesten und dazu schwer entflammbaren Dämmstoff ausgeschrieben hat.
Es lohnt sich, bei den „schwer entflammbaren“ Dämmstoffen etwas genauer hinzusehen. Denn der altbekannte Nachweis nach der deutschen Norm DIN 4102-1 ist nicht ohne Weiteres auf alle Dämmstoffe in allen Anwendungen anwendbar. Gerade bei Polystyrol-Hartschaumplatten, landläufig als „schwer entflammbar“ angesehen, ist die direkte Übertragung eines erfolgreichen B1-Versuchsergebnisses auf horizontale Anwendungen, zum Beispiel am Flachdach, durch die Übertragungsregeln in DIN 4102-ausgeschlossen. Mit der Forderung nach einem schwer entflammbaren Dämmstoff, einem EnEV-konformen U-Wert von 0,2 W/(m²∙K) und der stringenten Vorgabe zu den Höhen der Notabläufe kam für die Baustelle in Bielefeld somit nur ein leistungsfähiges schwer entflammbares PU-Dämmsystem infrage. Durch die sehr guten Lambda-werte zwischen 0,026 und 0,028 W/(m∙K) war der U-Wert mit deutlich geringeren Schichtdicken zu erfüllen; dennoch hatte die interne Technik des Dämmstoffherstellers ihre Mühe, die auf 220 mm Höhe liegenden Notabläufe einzuhalten.
Die Dächer über dem Zentrum
Der rund 80 m lange und 40 m breite Bau dient dem Familienunternehmen Dr. Oetker als neues Gebäude für die Forschung und Entwicklung und liegt direkt auf dem weiterentwickelten Firmengelände in Bielefeld-Brackwede. Das große Flachdach ist von zwei überdachten Innenhöfen durchbrochen. Dazwischen erstreckt sich ein langes Lichtband und lässt die Funktionalität des Gebäudes darunter erahnen. Unter dem Lichtband befindet sich die zentrale Treppenhalle mit angeschlossenen Fahrstühlen, Teeküchen, Verkostungsräumen, Kommunikations- und Besprechungsräumen sowie einer Bibliothek. Dieser Bereich verbindet auch die zwei Innenhöfe zu einem großen kommunikativen Zentrum. Rund um diese Gebäudemittelzone sind die Büros, die Versuchsküchen und die Entwicklungsbereiche angeordnet. Weil das Gebäude nicht unterkellert ist, sind viele Technikräume direkt unter dem Flachdach zu finden. Die durch die viele Technik durchbrochene Flachdachlandschaft wird architektonisch von außen unsichtbar durch eine umlaufende 1,25 m hohen Attika abgedeckt.
Maximilian Ernst, Gerard Halama
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 20.2016.