Seit Juli 2012 ist der Eurocode 1991-1-4 bauaufsichtlich eingeführt. Wir stellen die Neuerungen des Eurocodes zur Windsogberechnung für das Flachdach vor und gehen auf die technischen Ausführungsmöglichkeiten der Dachbahnen-Fixierung ein.
Die Lagesicherung von Abdichtungen und somit des kompletten Dachaufbaus spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Lebensdauer von Flachdachabdichtungen geht. Um zu verhindern, dass sowohl die Abdichtung als auch das gesamte Flachdach bei den in den letzten Jahren sich häufenden Unwetterereignissen Schaden nimmt, muss der gesamte Dachaufbau gegen Windsog gesichert werden. Für eine fachgerechte Windsogsicherung stehen dem Dachdecker mehrere Möglichkeiten zur Auswahl:
mechanische Befestigungen;
Auflasten, in Form von Bekiesungen, Dachbegrünungen oder Terrassenbelägen;
Verklebungen (vollflächig oder punkt- und streifenweise).
Mechanische Befestigung
Eine insbesondere auf Leichtdächer zugeschnittene Befestigungsmethode, bei der die Dachabdichtung von den Belastungen des Unterbaus weitgehend unberührt bleibt, ist die mechanische Befestigung von Kunststoffbahnen. Folgende Systeme haben sich in der Praxis bewährt:
Saumbefestigung: Hierbei werden die Dachbahnen lose verlegt und im überdeckten Bahnenrand mechanisch befestigt. Auftretende Windkräfte werden über die Schweißnaht asymmetrisch in die Befestigerreihen abgeleitet.
Schienenbefestigung: Im Gegensatz zur Saumbefestigung sitzt die Schienenbefestigung nicht in der Nahtüberdeckung sondern in vom Hersteller berechneten Abständen auf der Bahn. Die Befestigung der Schienen in den Untergrund erfolgt durch die Dachbahn hindurch. Abschließend sind die Schienen mit Abdichtungsstreifen zu überschweißen, um die Dichtigkeit zu gewährleisten. Windsogkräfte lassen sich mit diesem System symmetrisch in den Untergrund einleiten.
Befestigung im Klettsystem: In vom Hersteller berechneten Abständen werden Klettstreifen auf der Wärmedämmebene quer zur Verlegerichtung der Dachbahnen befestigt. Danach rollt man vlieskaschierte Dachbahnen fest in die Klettstreifen ein. Da die Krafteinleitung in die quer zu den Nähten verlaufenden Klettbänder erfolgt, liegen die Nahtverbindungen selbst in einer spannungsarmen Zone. Auch wird die Dachbahn bei diesem System nicht durch Befestigungsmittel perforiert.
Feldbefestigung (selbstdichtend): In einem vom Hersteller berechneten Raster wird die selbstdichtende Feldbefestigung durch das gesamte Dachschichtenpaket geschraubt. Dabei übernimmt der nahtunabhängige Feldbefestiger die Aufgabe der Windsogsicherung und kann homogen mit der Abdichtung verschweißt werden. Die Kräfte werden symmetrisch in den Untergrund eingeleitet.
Auflast
Neben der mechanischen Befestigung ist auch eine Lagesicherung durch Auflast möglich. Mit modernen Berechnungsprogrammen lassen sich die notwenigen Kiesschichtdicken oder die Trockengewichte von Begrünungsaufbauten über die ermittelten Windlasten berechnen. Die statische Traglast der Unterkonstruktion ist dabei immer im Auge zu behalten. Bei lose verlegten Dachabdichtungen mit Auflast liegt im Gegensatz zum mechanisch fixierten Dachaufbau nicht nur eine andere Sicherungsart, sondern auch eine komplett andere Art der Lastableitung vor. Angesichts der flächig flexiblen Abdichtung ergibt sich eine wesentlich größere Lasteinzugsfläche. So führt hier eine lokale Überbelastung nicht direkt zu einem Schaden. Vielmehr würde sich rein theoretisch die Abdichtungsbahn samt Auflast leicht anheben bis ausreichend Auflast aus der unmittelbaren Umgebung mit einbezogen wird. Dadurch kommt es zwangsläufig zu einem Gleichgewicht zwischen Windsoglast und Auflast.
Johannes Walther
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 15.2012.