Es gab nur Gewinner auf der DACH+HOLZ in Stuttgart. Knapp 56.000 Besucher interessierten sich für die Produkte von über 600 Ausstellern. Wohl nie zuvor herrschte während des Branchentreffs der Dachhandwerker und ihrer Marktpartner vom ersten Tag an eine solch positive Stimmung. Am Schlusstag gabs dann auch noch zweimal Gold für Deutschland. Von Elke Herbst, Malte von Lüttichau, Johannes Messer
Vielstimmiger Jubel schallte am letzten Tag der DACH+HOLZ durch das Atrium des Stuttgarter Messegeländes: Bei der Zimmerer EM, die parallel zur Messe stattfand, errang das deutsche Team in der Mannschafts- und Einzelwertung Gold. Es war das I-Tüpfelchen auf einer Messe voller Rekorde: 56.800 Besucher, über 600 Aussteller und ein nochmals vergrößertes Angebot an Produkten und Systemen setzten neue Maßstäbe für diese vor 6 Jahren erstmals neu etablierte Messe für die Dach- und Holzbranche. Mehr Aussteller, mehr Besucher, mehr Dynamik für die Branche: Diese Erfolgskoordinaten prägten die diesjährige DACH+HOLZ International. Insgesamt kamen an den vier Messetagen 55.800 Dachdecker, Zimmerer, Architekten und Planer auf das Stuttgarter Messegelände. Sie informierten sich über neue Produkte, Ideen und Lösungen.
Schon am ersten Tag, an dem für die Messe ungewohnten Dienstag, war die positive Konjunkturstimmung in den Hallen spürbar. Bereits am Nachmittag gab es vor allem in der "Dachhalle" 5 kaum noch ein Durchkommen. Interessiert und neugierig nahmen Dachdecker und Zimmerer die Produkte und Leistungen der Austeller unter die Lupe. Hier zeigte sich, dass sich der Systemgedanke bzw. das Komplettangebot an Dach und Wand immer stärker durchsetzt. Velux kooperiert mit Puren im Bereich Steildachdämmung, Soprema steigt in den Dämmstoffbereich ein. Wienerberger erweitert sein Produktportfolio ebenfalls: Die neuen Aufsparrendämmungen ermöglichen zukünftig komplette Dachlösungen oberhalb des Sparrens, Klöber zeigte neue Aufdach-Dämmelemente.
Für und wider Solar
Uneinigkeit aber teilweise großes Interesse gab es zum Thema Solar. Während sich die Firmen Roto und Velux fast komplett von der Sonnenenergie am Dach verabschieden, präsentierte Bauder in Halle 3 ein neues, interessantes Photovoltaik-System für flache Dächer. "Solfixx" eignet sich für Neubau und Sanierung, wiegt nur knapp 13 Kilogramm. Das durchdringungsfreie System besteht aus einer aufzuschweißenden Manschette, einer Halterung und einem Klicksystem für die PV-Elemente. Gegen den Trend der Verunsicherung im deutschen Solarbereich setzt auch Solarwatt aus Dresden auf die Sonnenkraft. Das Unternehmen zeigte in Halle 7 sein neues Solarsystem, dass in Zusammenarbeit mit dem sächsischem Dachdeckerhandwerk entwickelt wurde (Ausführliche Infos finden Sie im bei
Perfekt auf den Sanierungsbereich eingestellt
Stellvertretend für die beiden Verbände, ZVDH und Holzbau Deutschland, zog ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider eine positive Bilanz: "Die DACH+HOLZ International ist das Branchenhighlight! Keiner kommt an dieser Leitmesse vorbei. Für die Dach- und Zimmererbranche aus ganz Deutschland ist sie der Pflichttermin. Aussteller und Besucher bestätigen, dass die Messe sich in Vielfalt und Angebotstiefe immer weiter entwickelt und jedes Mal einen noch besseren Marktüberblick für beide Gewerke bietet. Mit den gezeigten Neuheiten sind wir nun hundertprozentig perfekt auf die Herausforderungen in den Bereichen energieeffizientes Sanieren und Modernisieren eingestellt!"
Dabei setzt die Industrie zunehmend auf die DACH+HOLZ International als Neuheitenplattform. Diese Tatsache führt bei den Messebesuchern zu einer gestiegenen Zufriedenheit hinsichtlich der präsentierten Neuheiten. In einer repräsentativen Umfrage äußerten 85,7 Prozent (2010: 80,4 Prozent) der Befragten, dass der Hauptgrund ihres Besuchs umfassend in Erfüllung gegangen ist. Auch der Gesamtwert in der Beurteilung des gesamten Messeangebots konnte bei den Bestnoten "gut" bis "sehr gut" nochmals auf 94,5 Prozent (2010: 89,9 Prozent) zulegen. Als einen großen Zugewinn bezeichneten die Besucher das neue online- Ticketregistriersystem, das ihnen einen schnellen Zutritt zur Messe ermöglichte. 92,4 Prozent waren von dem neuen Angebot, ohne Warteschlagen und Hektik die Hallen zu betreten, sehr angetan.
Highlight Zimmerer-EM: Heimvorteil genutzt
Messehighlight war ohne Zweifel die Zimmerer-Europameisterschaft 2012, die mit einem großen Erfolg für Gastgeber Deutschland zu Ende ging. So gewannen die Deutschen Zimmerer in der Mannschaftswertung gefolgt von der Schweiz und Frankreich auf dem dritten Rang. Doch damit nicht genug. Auch in der Einzelwertung dominierten die Deutschen. Andreas Fichter aus St. Georgen in Baden-Württemberg holte Gold, Silber ging an York Niklas Petersen aus Flensburg in Schleswig-Holstein, Bronze wurde zweimal übergeben: an Domise Moïse aus Frankreich und an Stefan Oppliger aus der Schweiz. Mit diesem Sieg ist die Zimmerer-Nationalmannschaft von Holzbau Deutschland erstmals in der Einzel- und Mannschaftswertung Europameister geworden. Leider gab es auf Dachdeckerseite kein entsprechendes Highlight, das Messeprogramm war weitgehend holzlastig. Es wäre schön, wenn der große Erfolg der Zimmerer EM dazu führt, dass die Dachdecker eigene Programmpunkte entwickeln. Ein internationales Willkommen reicht nicht. Eine Idee könnte sein, die alle zwei Jahre stattfindende Weltmeisterschaft der IFD in die DACH+HOLZ zu integrieren. Davon würden beide Veranstaltungen profitieren. Weitere Höhepunkte im Rahmenprogramm waren das viertägige Fassadenforum in Halle 7 und das Architekturforum. Über 600 Architekten kamen, um die fünf Topreferenten zu Thema Holz³ - holzhochdrei zu hören.
Die nächste DACH+HOLZ International findet vom 18. bis 21. Februar 2014 in Köln statt.
Den ausführlichen Messerückblick lesen Sie in DDH 04/2012.