Die Teilnahme an einer Handwerks-Misswahl war für Dachdeckerin Nina Franke und Betriebsinhaber Thorsten Gördes ein spontaner Spaß. Die Medienresonanz in Presse und TV übertraf alle Erwartungen - plötzlich war der Betrieb in aller Munde. Was können Dachdecker daraus für ihr Eigenmarketing lernen?
WDR, WAZ, RTL, Bild, diverse Radiosender alle in einer Woche. Die Presse- und Kamerateams geben sich bei Gördes Dach+Fassade in Hattingen in den Tagen vor der Wahl der „Miss Handwerk“ die Klinke in die Hand. Sie brauchen Bilder, vom Dachdeckerhandwerk und natürlich von Nina Franke. Die 22-jährige Dachdeckergesellin hatte sich im Herbst für die Aktion „Germanys Power People“beworben. Dort werden junge Handwerkerinnen und Handwerker ausgewählt, um in einem Jahreskalender Imagewerbung für das Handwerk zu betreiben. Dazu werden „Mister“ und „Miss Handwerk“ gewählt. Das Prinzip Casting Show kommt an bei den Sendern, die im Vorabendprogramm gerne über Neues aus der Region berichten.
Spontaner Entschluss
Mit dieser Aufmerksamkeit gerechnet hatten Nina Franke und Betriebsinhaber Thorsten Gördes „überhaupt nicht“, als die Dachdeckerin sich bei der Aktion beworben hatte. Beide, auch privat ein Paar, erinnern sich an den Entschluss zur Teilnahme an der Aktion vor allem als spontane Idee. Gördes:„Ich hatte Nina im Herbst den Artikel mit der Ankündigung gezeigt am Anfang war sie sich gar nicht sicher, ob sie teilnehmen wollte.“ Eine geplante Aktion, um den Betrieb bekannter zu machen, war es jedenfalls nicht, versichert der Hattinger: „Es gab im Vorfeld keine Intention, den Wettbewerb für Werbung oder Marketing einzusetzen, wir haben einfach mal mitgemacht.“
Im Wettbewerb, durchgeführt von der Zeitung „Deutsches Handwerksblatt“, wurden aus allen Bewerberinnen und Bewerbern zunächst 18 Kandidaten ausgewählt, 12 erschienen im „Germany`s Power People“ genannten Kalender, jeweils 6 wurden für die Wahl zur Miss und zum Mister Handwerk ausgewählt.
Nina Franke war dabei, es folgte ein Fotoshooting in Düsseldorf und der Dreh eines Bewerbungsvideos. Erst als sich zu den Dreharbeiten der Fernsehsender SAT1 ankündigte, wurde dem Dachdecker-Paar langsam bewusst, welche Aufmerksamkeit die Aktion erzeugte: „Wir wussten anfangs gar nicht, was da auf uns zurollt“, erinnert sich Gördes. Der Betrieb selbst beteiligte sich zum Beispiel mit einem eigenen Flyer an der Promotion für die eigene Kandidatin und nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, die Firma Gördes über den Wettbewerb etwas bekannter zu machen.
Froh, Dachdeckerin zu sein
Kurz vor Ende der Wahl häuften sich die Anfragen der Fernsehsender und auch im Internet war die Resonanz auf den Wettbewerb beeindruckend 1.840.000 Stimmen wurden laut Veranstalter online abgegeben. Für Nina Franke war der Trubel um ihre Person höchstens einmalig reizvoll: „Das war natürlich sehr spannend, aber für das Fernsehen den ganzen Tag Dinge zu wiederholen hat mir irgendwann gereicht. Ich bin froh, dass ich Dachdeckerin bin.“
Aus betriebwirtschaftlicher Sicht ist öffentliche Aufmerksamkeit dagegen auch dauerhaft interessant. Funktioniert solch ein Wettbewerb auch als Sprungbrett für das betriebliche Marketing?
Malte von Lüttichau
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 07.2012.
