Markt 2010-09-02T00:00:00Z Starkes Ergebnis, gemischte Aussicht

Zum Start des neuen Barometers wartet die Branche mit durchweg guten Ergebnissen auf. Vor zu viel Euphorie schützt der Blick nach vorne kann die Baukonjunktur die Folgen der auslaufenden Fördermittel wettmachen?

Zum Start des neuen Barometers wartet die Branche mit durchweg guten Ergebnissen auf. Vor zu viel Euphorie schützt der Blick nach vorne kann die Baukonjunktur die Folgen der auslaufenden Fördermittel wettmachen?

Malte von Lüttichau

Vieles wird Ihnen beim erstmaligen Lesen unseres überarbeiteten DDH Konjunkturbarometers vertraut vorkommen, einiges ist neu. Nicht sichtbar, aber wesentlich: Die Datengrundlage hat sich geändert. Das neue Barometer fußt auf der Quartalsumfrage des ZVDH und repräsentiert damit eine deutlich größere Anzahl von Dachdeckern, die an der Befragung teilnehmen. Das erhöht die Verlässlichkeit der Ergebnisse und die Aussagekraft Ihres Barometers. Direkt hinter dem DDH Konjunkturbarometer finden Sie außerdem ab sofort in den ZVDH-Nachrichten einen aktuellen Kommentar des Verbandes zu den Ergebnissen, in dieser Ausgabe von Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx auf DDH 17/2010 Seite 39.

Verbesserte Datenlage, mehr Übersicht

Sichtbar neu im Barometer sind die Grafiken: Der vertraute Wert "Ertragslage" wird weiterhin im Schulnotensystem als Balkendiagramm dargestellt, als direkter Vergleich dient das Vorjahresquartal. Zum schnellen Abgleich sind in den Farbfeldern rechts oben die jeweiligen Durchschnittsnoten der Quartale abgebildet. Die Beurteilung des zurückliegenden Quartals wird nun grafisch ergänzt durch den Blick nach vorne. Die zweite Grafik zeigt Ihnen, wie die befragten Dachdecker die wirtschaftlichen Aussichten für das weitere Jahr einschätzen, als Gradmesser dienen die Anschlussaufträge. Im zweiten Grafikblock wird weiterhin die Auftragslage dargestellt, anstelle eines einheitlichen Werts sehen Sie nun eine Aufgliederung in die Tätigkeitsschwerpunkte Neubau, Sanierung und Reparaturen. Auch hier dient das Vorjahresquartal als Vergleich. Die Auslastung von Geräten und Personal bildet wie gewohnt den dritten Grafikblock. Diese Frage wurde zum 1. Quartal 2010 in den Fragenkatalog der ZVDH Umfrage aufgenommen die Grafik startet mit der Darstellung der letzten beiden Quartale und wird im Laufe der nächsten zwei Jahre schrittweise ergänzt. Im vierten Grafikblock sorgen Tortendiagramme künftig für mehr Übersicht beim Thema Investitionen.

Starkes, fragiles Wachstum

Bestehen im neuen Barometer bleibt natürlich der Blick auf die allgemeinen Konjunkturdaten und die Baukonjunktur im Speziellen: Dort vollzog sich in den vergangenen Wochen eine Entwicklung, die selbst Wirtschaftsexperten überraschte. Statt der erwarteten moderaten Seitwärtsentwicklung wuchs die deutsche Wirtschaft allein im zweiten Quartal um 2,2 Prozent. Für das gesamte Jahr rechnen Ökonomen nun mit einem Wachstum von bis zu drei Prozent, eine deutliche Korrektur der älteren Prognosen, die mit durchschnittlich 1,3 Prozent Wachstum rechneten. Die Entwicklung ist zwar zum großen Teil dem anziehenden Exportgeschäft zuzurechnen, aber auch andere Wirtschaftsindikatoren deuten nach oben. So weist der steigende Konsumklimaindex den Beitrag des Konsums als Faktor der Entwicklung nach, auch eine Folge des robusten Arbeitsmarktes.

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft gemessen im Ifo-Geschäftsklimaindex verzeichnet ein Dreijahreshoch von 106,7 Punkten. Insgesamt Konjunkturdaten, die namhafte Funktionsträger bereits zu Einschätzungen wie "Aufschwung XL" (Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle) und "Sommermärchen" (Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank) herausforderten. Die Werte des DDH Konjunkturbarometers zeigen ebenfalls eindeutig nach oben. Grund genug also für ungehemmten Optimismus? Ein differenzierter Blick auf die Entwicklung spricht gegen einen anhaltenden Boom in der Wirtschaft und vor allem in der Baukonjunktur. Hier stichpunktartig einige Faktoren, die die aktuelle Situation gewichten und die weitere Entwicklung beeinflussen: Das aktuelle "Wachstum" ist tatsächlich ein Aufholprozess. Das Bruttoinlandsprodukt hat bis heute nicht das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht (und wird es aktuellen Prognosen zufolge nicht vor Mitte 2011 erreichen).

Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Ergebnisse eine erfreuliche Momentaufnahme, bieten jedoch keinen Grund zur Euphorie. Die Ertragslage des abgelaufenen Quartals wird von den befragten Dachdeckern, wie die Grafik verdeutlicht, deutlich positiver eingeschätzt als im Vorjahr. Fast doppelt so viele Betriebe verzeichneten eine sehr gute oder gute Ertragslage (von circa 23 auf circa 43 Prozent), die Einschätzung einer mangelhaften Situation ist aktuell selten, statt 16 Prozent im Vorjahresquartal bei nur 4,2 Prozent. Im Gesamtdurchschnitt ergeben die Werte eine "Note" von 2,72, im Vergleich zum Vorjahr (3,38) eine deutliche Steigerung. Noch optimistischer fallen die Zukunftserwartungen hinsichtlich der Anschlussaufträge bis Ende des Jahres aus. Insgesamt ergeben die Werte eine Durchschnittsnote von 2,46 (Vorjahresquartal: 3,10). In der Detailbetrachtung zeigt sich, dass nur ein minimaler (1,6 Prozent) Anteil der Betriebe die Frage mit "mangelhaft" beantwortete (im Vorjahresquartal noch 11,4 Prozent), die Einschätzung "gut" stieg hingegen von 28,6 auf 45,2 Prozent, die Note "sehr gut" verdoppelte ihren Anteil von 6,3 auf 13,1 Prozent.

Auftragszuwachs in allen Bereichen

Der breit verteilte Optimismus unter den befragten Dachdeckern spiegelt sich auch im Ergebnis für die Auftragslage wider. Für alle drei Tätigkeitsschwerpunkte verzeichnen die Unternehmen Steigerungen gegenüber dem Vorjahr, kumuliert wächst der Wert von 3,1 auf 3,7 Monate. Die Verteilung des Auftragsvolumens auf die Schwerpunkte untermauert die weiterhin überragende Bedeutung der Sanierungstätigkeiten (durchschnittlich 2,0 Monate). Die Auslastung von Personal und Geräten war im vergangenen Quartal hoch. Zu durchschnittlich 91,3 Prozent lasteten bundesweit die Betriebe ihr Personal aus. Regional betrachtet tritt dabei eine Spreizung auf die höchsten Werte wurden in Rheinland-Pfalz (94,2 Prozent) und Baden-Württemberg (94,1) erzielt, die niedrigsten verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern (72,0 Prozent) und Berlin (80,1). Die Geräteauslastung der Betriebe befindet sich mit durchschnittlich 67,2 Prozent ebenfalls auf einem gutem Niveau. Aufgrund der organisatorischen Umstellungen ist ein Vergleich zum Vorjahr noch nicht möglich.

Bei den Investitionsbereitschaft der Betriebe zeigt sich ein ausgewogenes Bild. Bei den voraussichtlichen Investitionen für 2010 im Vergleich zu 2009 planen ebenso viele Betriebe höhere Mittel ein wie niedrigere (jeweils 29,5 Prozent). Die relative Mehrheit der Betriebe (39,7) Prozent wird ihr Investitionsniveau absehbar halten. Bei den Investitionsbereichen dominieren Ausgaben für den Maschinenpark (52,2) und den Fuhrpark (45,5 Prozent). Rund ein Drittel der befragten Betriebe planen in der nächsten Zeit keine Investitionen zu tätigen.

Die ausführliche Auswertung lesen Sie in DDH 17/2010.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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